bedeckt München 26°

FC Bayern:Warten auf den Dominoeffekt

  • Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wird auf einer Pressekonferenz zum Münchner Trainingsstart auch zu den Münchner Transferaktivitäten befragt.
  • Er verweist darauf, dass es in Europa keinen großen Transfer gegeben habe und dass alle großen Vereine gerade prüfen, was die Konkurrenz unternimmt.
  • Für die Außenspieler Serge Gnabry und Kingsley Coman fehlt den Münchnern ein starker Ersatzmann - auch daran wird Rummenigge gedacht haben, als er sagte, dass "wir auf gewissen Positionen noch im operativen Bereich tätig".

Wo das Gespräch stattfand, ist nicht überliefert, auch nicht, ob die in manchen Büros beim FC Bayern beliebten Butterbrezn serviert wurden. Überliefert ist allein, dass das Gespräch am Montagmorgen stattgefunden hat, erzählt hat das Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern. Dass er es erzählt hat, ist nicht ganz uninteressant, immerhin ging es in dem Gespräch ja darum, dass in Zukunft weniger in der Öffentlichkeit über interne Abläufe gesprochen werden soll. Rummenigge also sagte: "Ich glaube, es ist gut, wenn wir in Zukunft etwas weniger in der Öffentlichkeit über Transferaktivitäten sprechen. Das weckt einen Erwartungshorizont, der nicht gut ist."

Den Erwartungshorizont, den Rummenigge mit der Aussage am Montagmittag in der Münchner Arena geweckt hat, ist also der, dass der Klub in den nächsten Wochen nicht mehr so viel versprechen wird, sondern vielleicht lieber einfach zwei, drei Transfers erfolgreich abschließen wird.

Die Transferaktivitäten der Münchner sind fünfeinhalb Wochen vor dem Auftakt der neuen Bundesliga-Saison das große Thema der Liga. Die gesamte nationale Branche wartet darauf, wen die Münchner noch verpflichten werden, und ob das Versprechen eingelöst werden wird, das Präsident Uli Hoeneß im Februar gegeben hatte: "Wenn Sie wüssten, wen wir alles schon sicher haben ..."

Neuers Berater sei nicht dessen Sprachrohr, erklärt Rummenigge

FC Bayern München "Manuel braucht ein Ziel"
FC Bayern

"Manuel braucht ein Ziel"

Bleibt Torwart Neuer über 2021 hinaus beim FC Bayern? Berater Kroth sieht einen gravierenden Abstand der Münchner zu den englischen Top-Teams - und findet den aktuellen Kader international nicht konkurrenzfähig.   Von Philipp Selldorf

Thomas Kroth, der Berater von Kapitän Manuel Neuer, hatte am Wochenende in der SZ gesagt, dass der Kader zurzeit nicht "konkurrenzfähig aufgestellt" sei. Er habe am Montag mit Neuer telefoniert, erzählte Rummenigge in dieser Angelegenheit, nun wisse er, dass Kroth "nicht das Sprachrohr" von Neuer sei und dass er eine "rein private Meinung" geäußert habe. Es war eine spannende gedankliche Konstruktion, da es ja der Beruf eines Beraters ist, die Meinung des eigenen Klienten zu vertreten.

Auch sonst musste Rummenigge am Montag bei der Auftaktpressekonferenz viele Fragen beantworten, die sich darum drehten, ob es dem Klub noch gelingen werden, irgendeinen Spieler zu verpflichten. Rummenigge antwortete höflich, hin und wieder wies er freundlich darauf hin, dass ein Zugang doch direkt auf dem Platz neben ihm sitze. Ganz nebenbei übrigens der teuerste Zugang der Klubgeschichte.

"Danke. Gut. Servus, ich bin Lucas. Ich bin glücklich, hier zu sein. Ich freue mich auf ein gute Saison mit dem FC Bayern. Also, pack ma's." Mit diesen Worten in einer beeindruckend sicheren Mischung aus Hochdeutsch und Bayrisch stellte sich der 80-Millionen-Euro-Mann vor, Lucas Hernández, als Innenverteidiger von Atlético Madrid gekommen, als Linksverteidiger 2018 Weltmeister mit Frankreich geworden. Sein neuer Klub bemühte sich, mit dieser Präsentation die Schlagzeilen über all die möglichen Verpflichtungen zu vermeiden, ein Film wurde abgespielt, unterlegt mit schweren Bässen: Lucas bei der WM-Feier. Lucas bei einer Grätsche. Lucas beim Torschuss. Lucas in der Nahaufnahme, beim Krafttraining, im Schwimmbecken, vor der Staatsoper, erneut mit dem WM-Pokal. Dass die gesamte nationale Branche sehnsüchtig auf weitere Münchner Zugänge wartet, ist angesichts dieses prominenten Neulings schon eine kleine Ungerechtigkeit. Aber das ist nur die eine Seite.