Rumänien Wie der Papa, nur größer und schlanker

Ein Tor per Kopf, eines aus der Distanz: Ianis Hagi, 20, zeigt bei der U21-EM, warum er für ähnlich talentiert gehalten wird wie sein Vater.

(Foto: Jonathan Moscrop/imago)

Ianis Hagi, Sohn des rumänischen Nationalheiligen Gheorghe Hagi, spielt im Verein des Vaters, auf der gleichen Position wie der Vater und wird trainiert vom Vater. Bei der U21-EM verblüfft der 20-Jährige.

Von Sebastian Fischer, Udine

Es wurde hektisch in Cesena, aber das hatte mit einem wirklich interessanten Fußballspiel nur wenig zu tun. Ein rumänischer Journalist filmte die Szenen, die sich vor dem Stadio Dino Manuzzi abspielten, wo die rumänische U21-Nationalmannschaft die englische bei der EM mit 4:2 besiegt hatte. Er veröffentlichte sie auf Twitter: Ein Mann, dessen gemütlicher Bauchansatz sich unter dem weißen T-Shirt abzeichnete, bahnte sich den Weg vom Parkplatz zur Straße. Menschen schüttelten ihm die Hand, jemand küsste seine Schulter, die meisten fotografierten. Sie riefen "Hagi! Hagi! Hagi!", liefen neben ihm her im Hagi-Trikot mit der Nummer zehn. Sogar eine Reporterin, die auf eine offenbar einfache Frage eine sehr kurze Antwort und einen nach oben gereckten Hagi-Daumen erhielt, trug das gelbe rumänische Nationaltrikot.

Es ist nun vielleicht nicht sonderlich überraschend, dass es sich bei dem Mann, der am vergangenen Freitag die Aufmerksamkeit in Cesena auf sich zog, um Gheorghe Hagi handelte, 54 Jahre alt, nur 1,72 Meter groß, aber der größte Fußballer der Geschichte Rumäniens, der als Spielmacher unter anderem für Real Madrid, den FC Barcelona und Galatasaray Istanbul auflief. Es ist aber an dieser Stelle trotzdem wichtig zu erwähnen. Denn eigentlich geht es bei dieser EM, wenn Rumänien spielt, um einen anderen Hagi, um den Spielmacher Ianis, 20 Jahre alt, 1,80 Meter groß. Er trägt auch die Nummer zehn. Und er ist Gheorghe Hagis Sohn.

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Der Vater hat dem Magazin 11Freunde mal ein ausführliches Interview gegeben, es ging um die Bedeutung einer Nummer zehn, Hagi sagte wunderbare Sätze. "Die Nummer zehn arbeitet nicht. Sie macht den Unterschied", erklärte er zum Beispiel. Er sagte, dass er mit drei Jahren gemerkt habe, ein Zehner zu sein. Bei seinem Sohn hat er es offenbar auch früh gemerkt. Er erzählte, dass er Ianis die Rückennummer genau wie die Kapitänsbinde schon als 16-Jährigem gegeben habe, beim FC Viitorul Constanta. Den Verein hat Gheorghe Hagi 2009 selbst gegründet, seit 2012 ist er erstklassig, seit 2014 ist Hagi Trainer. Der Klub ging aus der Academia Gheorghe Hagi hervor, Hagis Fußballschule, Viitorul heißt Zukunft. Sein Sohn sei im Gegensatz zu ihm "beidfüßig, größer und schlanker". Gheorghe Hagi sagte: "Er ist ein absoluter Playmaker. Er spielt nicht wie Gheorghe Hagi, eher wie Zinedine Zidane."

Die Überraschungsmannschaft des Turniers

Die Rumänen sind erstmals seit 1998 bei einer U21-EM-Endrunde dabei, damals waren sie Gastgeber. Nun sind sie die Überraschungsmannschaft des Turniers. Sie haben in zwei Spielen zweimal gewonnen, 4:1 gegen Kroatien und 4:2 gegen England. Dass im abschließenden Gruppenspiel an diesem Montag gegen Frankreich ein Unentschieden beiden Teams zum Weiterkommen reichen würde, Rumänien als Gruppenerstem und Frankreich als bestem von drei Gruppenzweiten, dass Rumänien aber auch noch ausscheiden kann, zeigt die Absurdität des Turniermodus. Unter anderem muss Gastgeber Italien als Gruppenzweiter der Gruppe A auf einen Sieg für Rumänien oder einen deutlichen Sieg für Frankreich hoffen.

Ianis Hagi ist nicht das einzige hochgehandelte Talent im Kader, Torhüter Ionut Radu vom CFC Genua kassierte in der U21-EM-Qualifikation nur vier Gegentore. Zehn Spieler im Kader liefen schon für die A-Nationalelf auf, Hagi fünfmal. Er traf im Spiel gegen Kroatien per Kopf, gegen England aus der Distanz. Als U21-Nationalspieler hat er schon Ecken und Freistöße direkt verwandelt, dass es sehr an seinen Vater erinnerte. Er wechselte 2016 zum AC Florenz, kehrte aber nach nur zwei Spielen in eineinhalb Jahren zurück zu Viitorul. Glaubt man den Gerüchten, soll Galatasaray Interesse haben, ihn zu verpflichten. In Istanbul ist er geboren. Sein Vater war ja auch schon da.

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