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Rugby:Aufbruch aus der Walachei

In dieser Saison kommen die meisten Vereine der zweiten Liga Süd erstmals aus Bayern. Was zur langfristigen Entwicklung fehlt, ist eine nachhaltige Jugendarbeit.

Die Walachei des deutschen Rugbysports, das sei Bayern. Alexander Michl weiß nicht mehr genau, welcher ehemalige Vorsitzende des deutschen Rugbyverbandes vor einigen Jahren diesen leicht uncharmanten Bezug zu der unwirtlichen, kaum bevölkerten Gegend im heutigen Rumänien gezogen hat. Aber so daneben, findet Michl, Vorsitzender des bayerischen Rugbyverbandes (RVBy), war dieser Vergleich damals nicht: Bayern, das bedeutungslose Niemandsland des Rugby.

Noch vor knapp sechs Jahren gab es im Freistaat 18 Vereine, in denen dieser Sport überhaupt angeboten wurde. Eine konsequente Jugendarbeit in allen Altersstufen konnten sich die wenigsten davon leisten. In der zweiten Bundesliga Süd waren bis vor drei Jahren nur zwei Klubs aus Bayern längerfristig vertreten, beide aus München: der Rugby Club Studentenstadt und der Münchner RFC. Inzwischen, erzählt Michl, gebe es 40 Vereine. Und: Seit diesem Jahr sind fünf davon in der zweiten Liga angekommen. Zu den beiden etablierten Münchner Vereinen kam erst der RC Unterföhring dazu, bevor im TSV 1846 Nürnberg der erste fränkische Zweitligist folgte und sich diesen Sommer der RFC Augsburg qualifizierte. Insgesamt nehmen acht Mannschaften an der Liga teil. Plötzlich stellt Bayern also die Mehrzahl der einst von Teams aus Baden-Württemberg dominierten Liga. Woher kommt dieser Aufschwung?

2018 um den Aufstieg in die erste Liga gekämpft, 2019 einer von fünf bayerischen Klubs in der zweiten Liga: der Rugby Club Studentenstadt München startet in die neue Saison mit dem Stadtduell gegen den Münchner RFC.

(Foto: Claus Schunk)

Michl sieht die Gründe des derzeitigen Erfolges vor allem in der ausgeglichenen Regionalliga Bayern. "Die dritte Liga ist bei uns mittlerweile stärker als in den meisten anderen Bundesländern. Deshalb kommen unsere Teams auch besser vorbereitet in die zweite Liga", sagt Michl. Das habe man auch am Aufstiegsduell zwischen dem RFC Augsburg und Rugby Karlsruhe beobachten können. Die Schwaben setzten sich gegen die zuvor leicht favorisierten Karlsruher souverän durch.

Ohnehin steht die Entwicklung beim RFC Augsburg beispielhaft für das neugewonnene Selbstbewusstsein im bayerischen Rugby. Im vergangenen Sommer überraschte der Verein mit einer ungewöhnlichen Veränderung auf der Trainerposition, als Phil Johnson die Mannschaft übernahm. Der US-Amerikaner ist eigentlich Trainer im American Football. Mit einer Mischung aus Erfahrung und der Fähigkeit, ein Team aufzubauen, brachte er die Mannschaft bis in die zweite Liga - wo der Verein nun möglichst nichts mit dem Abstieg zu tun haben möchte. "Das ist der Klassiker: drinbleiben. Wir haben größere Ziele, wollen uns möglichst schnell etablieren", sagt der RFC-Vorsitzende Ulrich Oberndorfer, der die Gesamtentwicklung in Bayern positiv bewertet: "Bayern hat im Rugby unfassbar aufgeholt. Wir sind das Bundesland mit der dynamischsten Entwicklung." Aus anderen Bundesländern sei Anerkennung zu spüren. In jedem Regierungsbezirk gebe es mindestens einen Verein, der auf gehobenem Niveau mithalten könne. Was zu einer noch stärkeren Entwicklung fehlt, ist eine bessere Jugendarbeit. Mit Trainingscamps, Schnupperkursen und Rugby in den Schulen engagieren sich die Vereine durchaus - tun sich dann aber schwer, neue Spieler langfristig zu binden und an die erste Mannschaft heranzuführen. "Das ist die größte Herausforderung für uns", sagt Oberndorfer.

Die Spieltage der zweiten Liga im September

Samstag, 7.9., 15 Uhr

München RFC - StuSta München

RFC Augsburg - Heidelberger TV

Samstag, 14.9., 15 Uhr

München RFC - RFC Augsburg

TSV 1846 Nürnberg - RC Unterföhring

Neckarsulmer SU - StuSta München

Samstag, 28.9., 15 Uhr

StuSta München - TSV 1846 Nürnberg

München RFC - Heidelberger TV

RFC Augsburg - Neckarsulmer SU

Sonntag, 29.09., 15 Uhr

RC Rottweil - RC Unterföhring

So kommt es, dass viele Teams größtenteils aus Studenten oder ausländischen Spielern bestehen, die nur für gewisse Zeit in der Stadt sind. Diese Fluktuation macht eine langfristige Kaderplanung schwierig bis unmöglich. Ein Vorbild, sagt der Verbandsvorsitzende Michl, sei hier der kleinste der drei Münchner Zweitligisten, der RC Unterföhring. Dort werde seit Jahren konzentriert mit dem Nachwuchs gearbeitet. "Die nehmen sich den Sport sehr zu Herzen", sagt Michl. "Wenn ihnen nicht irgendwann die Leute davonlaufen, könnte das der erste bayerische Verein werden, der sich in der Bundesliga durchsetzt."

Eine Entwicklung ist im ganzen Bundesland zu spüren, derzeit liegt der Fokus des Verbandes auf Franken. In Schwabach und Lauf, zwei Vororten von Nürnberg, entstehen bereits die nächsten Rugby-Vereine. Und der TSV 1846 Nürnberg konnte durch eine Investition von zwei Millionen Euro in Kabinen und einen neuen Rasen die Trainingsbedingungen deutlich verbessern. "Rugby ist in Bayern gerade an der Schwelle vom reinen Amateurbereich zu einem gut organisierten Spielbetrieb", sagt der TSV-Vereinssprecher Martin Deinzer.

An die Walachei fühlt sich beim Rugby in Bayern also kaum noch jemand erinnert. Der bayerische Verband sei finanziell gesund, die Situation deutlich besser als in vielen anderen Bundesländern, sagt Alexander Michl und lacht: "Wir können uns zwar keinen Kaviar leisten, aber für Bratwürste mit Sauerkraut reicht es allemal."

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