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Rücktritt aus dem DFB-Team:Özils Kritik an DFB-Präsident Grindel

"Als ich Grindel mein Erbe, meine Vorfahren und die daraus entstandenen Gründe für das Foto zu erklären versuchte, war er viel mehr daran interessiert, über seine eigenen politischen Ansichten zu sprechen und meine Meinung herabzusetzen. Während seine Handlungen herablassend waren, haben wir beschlossen, dass es das Beste wäre, sich auf den Fußball und die kommende Weltmeisterschaft zu konzentrieren. Das ist der Grund, warum ich nicht am DFB-Medientag während der WM-Vorbereitung anwesend war."

Özil schreibt hier, dass "wir" beschlossen hätten, dass er am Medientag nicht teilnehmen würde. Die Frage ist, wer genau "wir" ist, denn Oliver Bierhoff sagte als DFB-Vertreter, dass er das Schweigen von Mesut Özil für keine gute Idee halte. Er hätte versucht, ihn davon zu überzeugen, ein Statement abzugeben, aber Özil hätte nicht gewollt. Auch Grindel schilderte vor der WM noch in einem Interview mit der Zeit Verständnis für Özil. "Die beiden haben mir erklärt, dass sie sich aus Respekt vor dem Staatspräsidenten und der Heimat ihrer Eltern und Großeltern diesem Treffen nicht entziehen konnten. Ich glaube ihnen, nicht abgesehen zu haben, dass es zu einem solchen Foto kommt und dieses durch die Wahlkampfzentrale der AKP veröffentlicht würde. Es war nach den uns geschilderten Abläufen unmöglich, einfach zu gehen, als sie feststellten: Hier werden Aufnahmen gemacht."

"Ich hatte mit Präsident Steinmeier vereinbart, ein gemeinsames Statement zu diesem Thema zu veröffentlichen, ein weiterer Versuch, um voranzukommen und uns auf Fußball zu konzentrieren. Aber Grindel war verärgert, dass es nicht sein Team war, das das erste Statement veröffentlicht hatte, er war verärgert, dass die Presseabteilung Steinmeiers in dieser Sache die Führung übernommen hat."

Es gab nach einem Treffen kein gemeinsames Statement von Bundespräsident Steinmeier und Özil. Steinmeier äußerte sich zu dem Treffen in der Zeit und auf seiner Facebook-Seite, ein Statement von Özil gab es nicht. Über die Gründe wurde nichts bekannt.

"In den Augen von Grindel und seinen Unterstützern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, und ein Immigrant, wenn wir verlieren."

Der Satz erinnert an die Spieler Romelu Lukaku und Karim Benzema. Der belgische Nationalspieler Romelu Lukaku schrieb in einem Gastbeitrag für das Sportportal The Players' Tribune: "Wenn es gut lief, las ich Zeitungsartikel und sie nannten mich Romelu Lukaku, den belgischen Stürmer. Wenn es nicht gut lief, nannten sie mich Romelu Lukaku, den belgischen Stürmer kongolesischer Herkunft." Der französische Nationalstürmer Karim Benzema, der algerische Wurzeln hat, fasste seine Rassismus-Kritik ganz ähnlich zusammen: "Treffe ich, bin ich Franzose. Treffe ich nicht, bin ich Araber."

"Reinhard Grindel, ich bin sehr enttäuscht, aber nicht überrascht von Ihrem Handeln. In 2004, als Sie Mitglied des Bundestages waren, haben Sie behauptet, dass 'Multikulturalität ein Mythos und eine lebenslange Lüge' sei. Sie haben gegen Gesetze für Doppel-Nationalitäten [...] gestimmt, und Sie haben gesagt, dass die islamische Kultur in vielen deutschen Städten zu tief verwurzelt sei."

Reinhard Grindel galt damals als Hardliner. Der Grünen-Politiker Özcan Mutlu sagte kürzlich zu einer Rede von Grindel zur doppelten Staatsbürgerschaft im Jahr 2013: "Was Grindel da von sich gab, war nicht nur tendenziös. Es war reinster AfD-Sprech, bevor es diese Partei überhaupt gab." Allerdings: Seit er DFB-Präsident ist, ist kein Fall bekannt, in dem sich Grindel in integrationspolitischen Fragen tendenziös geäußert hätte.

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