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Auswechslung gegen FC Bayern:Rudy versinkt bei Schalke im Abgrund

09 02 2019 Fussball 1 Bundesliga 2018 2019 21 Spieltag FC Bayern München FC Schalke 04 in d

Ausgewechselt nach nur 33 Minuten: Schalkes Sebastian Rudy.

(Foto: M.I.S./Imago)
  • Nationalspieler Sebastian Rudy erlebt eine enttäuschende Rückkehr an seine alte Arbeitsstätte in München.
  • Der Schalker wird gegen die Bayern noch in der ersten Hälfte ausgetauscht und wirkt angefressen.

Sebastian Rudy blickte nach unten, nichts bewegte sich. Er guckte nach rechts, sah, dass dort niemand zu ihm zurückblickte, nicht einmal der Trainer. Wieder schaute Rudy nach unten, noch immer wollte sich der Boden nicht öffnen. Ratlos wartete er. Dann ging eine Luke auf. Sebastian Rudy verschwand im Abgrund.

Zu einer der Floskeln, die die um Floskeln nie verlegenen Fußballprofis nie verwenden, gehört die, dass einer vor Scham im Boden versinkt. Das liegt auch daran, dass sich Fußballprofis schämen würden, Scham zuzugeben, Fußballprofis sehen sich am liebsten als Helden, als Gewinnertypen, lieber sind sie ein bisschen zu rau als ein bisschen zu weich.

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Nach einer Aktion aber würden Fußballer doch gerne vor Scham im Boden versinken: nach einer Auswechslung in der ersten Halbzeit, die in der floskellastigen Sprache des Fußballs gerne als Höchststrafe bezeichnet wird. Vielleicht auch zu diesem Zweck haben sie in der Münchner Arena die Treppen von den Kabinen auf den Rasen so angelegt, dass sich diese unter einer Luke verbergen. Wenn ein Spieler also früh ausgewechselt wird, darf er im Boden versinken. Rudy war dabei jedoch keine Scham anzusehen. Rudy sah sauer aus.

"Es ist so, dass wir einen aggressiveren Sechser wollten"

33 Minuten waren vergangen in der Partie von Rudys FC Schalke 04 beim FC Bayern, bei jenem Verein also, von dem der Nationalspieler im Sommer für angeblich 16 Millionen Euro nach Gelsenkirchen gewechselt war. Rudy hatte ein paar unauffällige Pässe über wenige Meter gespielt, er hatte sich auch auffällig unauffällig den Münchner Angriffen entgegengestellt; in eine zaghaft agierende Schalker Mannschaft reihte er sich damit hervorragend ein. Dann wechselte Trainer Domenico Tedesco ihn aus. Es kam Omar Mascarell.

Der Coach begründete die Auswechslung später mit taktischen Überlegungen: "Es ist so, dass wir einen aggressiveren Sechser wollten. Wir haben viel leiden müssen in der Anfangsphase, wir hatten nicht den entscheidenden Ballbesitz. Das war keine Entscheidung gegen Sebastian, sondern eine für Mascarell." Dass vielleicht doch mehr dahinterstecken könnte, eine allgemeine Unzufriedenheit zum Beispiel mit dem drittteuersten Zugang der Vereinsgeschichte, das deutete dagegen Christian Heidel nicht wirklich zaghaft an.

Der Manager sagte: "Er muss einfach besser Fußball spielen." Da Heidel auf diese Besserung ungefähr seit Sommer wartet, verzichtete er auch auf Mitleid mit Rudy: "Der Junge ist keine 18 Jahre alt, der ist 28, der ist Profi. Das ist anderen auch schon passiert. Da muss er durch." Ganz grundsätzlich fügte Heidel an: "Wir können es jetzt nicht noch ein Jahr lang auf die Umstellung schieben. Mein Eindruck ist, dass da ein bisschen mehr Power und Leidenschaft reinmuss. Diese Dinge gehören bei uns dazu."

Durch die Niederlage in München rutschte Schalke in der Tabelle noch weiter ab, und vieles spricht dafür, dass es Sebastian Rudy bald nicht mehr so leicht fallen dürfte, im Boden zu verschwinden. Diese Option ist für Spieler auf der Ersatzbank nicht vorgesehen.

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