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Ruderin Nadja Drygalla:Vorwürfe bereits seit 2011

Die Vorwürfe sind schließlich nicht neu. Nach Informationen des Radiosenders NDR 1 kursierten bereits im Frühjahr 2011 Meldungen über Drygallas Verhältnis zu dem mutmaßlichen Neonazi. Kurz darauf schied Drygalla auf eigenen Wunsch aus dem Polizeidienst aus. "Nachdem im Jahr 2011 dem Innenministerium bekannt wurde, dass auch Personen zum Bekanntenkreis von Nadja Drygalla gehören, die der offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind, wurden mit ihr intensive Personalgespräche geführt", bestätigte das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern in einer Presseerklärung.

Bis dahin galt Drygalla, zumindest in der Öffentlichkeit, als Vorzeigesportlerin. Sie wurde 1989 in Rostock geboren, durchlief diverse Jugendkader, belegte 2006 mit dem deutschen Junioren-Achter WM-Platz drei. Anschließend wechselte sie in den Zweier ohne Steuerfrau, erreichte zusammen mit Ulrike Sennewald Platz zwei bei der Junioren-WM. Bei den Erwachsenen startete Drygalla bislang sowohl im Zweier als auch im Vierer und im Achter. Zuletzt holte sie bei den nationalen Meisterschaften zwei Titel. Die Wettkämpfe in London waren ihre ersten Olympischen Spiele.

Vesper gab zu bedenken, dass es sich bei der Ruderin "um eine 23-jährige junge Frau" handele, deutete damit an, Drygalla sei womöglich von außen nachdrücklich beeinflusst worden. Er stellte jedoch klar: "Es geht nun nicht darum, das persönliche Umfeld von Athleten zu bewerten. Sondern nur um die Person selbst." Und da sei er sich sicher, dass Drygalla "voll und ganz hinter den Werten der Olympischen Charta steht". Und eben keine nationalsozialistischen Gedanken hege.

Daraufhin erhob auch Martin Sauer das Wort, der Steuermann des siegreichen Männer-Achters, der mit auf dem Podium saß. "Nadja hat in keinem Trainingslager oder einem Privatgespräch zum Besten gegeben, dass sie überhaupt einen Freund hat", berichtete Sauer, "das zeigt schon, dass sie sich damit nicht identifiziert." Auch das deutsche Ruderteam, so schien es, stellte sich hinter die beschuldigte Athletin.

Allerdings fuhr Sauer fort: "Meine Freundin ist nicht rechtsradikal und wird es auch nicht sein. Aber dass es jemand anders für sich entscheidet, da gilt nun mal Artikel 5, die Meinungsfreiheit." Er folgerte: "Ich kann der Dame ja nicht vorschreiben, mit wem sie zusammen ist." Gemeint war Drygalla, die wenige Stunden noch zuvor mit ihm im olympischen Dorf wohnte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde beschrieben, auf einschlägigen Internet-Seiten seien Fotos mit Drygalla zu sehen, auf denen sie rechtsradikale T-Shirts trage. Tatsächlich handelte es sich um eine andere Frau. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen und danken für den Hinweis eines Lesers.

© SZ.de/ebc/jbe

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