RelegationMalocherfußball mit dem besseren Ende für RWE

Lesezeit: 2 Min.

Die halbe Miete: Rot-Weiss Essen gewinnt das Relegationshinspiel gegen Greuther Fürth dank eines perfekten Freistoßes von Torben Müsel (Bildmitte), der sich von seinen Mannschaftskollegen feiern lässt.
Die halbe Miete: Rot-Weiss Essen gewinnt das Relegationshinspiel gegen Greuther Fürth dank eines perfekten Freistoßes von Torben Müsel (Bildmitte), der sich von seinen Mannschaftskollegen feiern lässt.
Federico Gambarini/dpa

Und auf einmal erklingt das Vereinslied „Adiole“: Rot-Weiss Essen setzt sich im Aufstiegshinspiel gegen Greuther Fürth mit 1:0 durch und hat nun gute Chancen auf den Zweitligaaufstieg.

Von Ulrich Hartmann, Essen

SZ bei Google bevorzugen

In dem Essener Einlauf- und Torjubellied „Oh, RWE“ heißt es zu Beginn: „Seit wir zwei uns gefunden, kenn’ ich nur frohe Stunden.“ Diese euphemistische Zeile zum romantischen Verhältnis zwischen einem Fußballverein und seinen Fans ist mit Blick auf die wechselhafte Historie des mehrfach abgestiegenen und 2010 sogar einmal insolventen Fußballklubs Rot-Weiss Essen zwar nicht latent zutreffend – doch am Freitagabend ging die Behauptung voll in Erfüllung.

Der Drittliga-Dritte Essen gewann das Relegationshinspiel gegen den Zweitliga-Drittletzten SpVgg Greuther Fürth vor 18 117 Zuschauern im stimmungsvollen Stadion an der Hafenstraße mit 1:0 (0:0). Das Rückspiel findet am Dienstagabend in Fürth (20.30 Uhr) statt. Dann entscheidet sich, ob beide Vereine in ihren Ligen verbleiben – oder ob Essen nach 19 Jahren erstmals wieder in die zweite Liga aufsteigen darf und ob Fürth nach 29 Jahren erstmals wieder in die dritte Liga hinunter muss. Ein Essener Erfolg hätte einerseits im westlichen Ruhrgebiet und andererseits im mittleren Franken einschneidende Konsequenzen – und zwar sehr konträre.

Das schwungvolle Lied „Oh, RWE“ hat 1999 die schwedische Schlagersängerin Siw Malmkvist eigens für Rot-Weiss Essen neu eingesungen, nachdem die RWE-Fans ihren 70er-Jahre-Hit „Adiole“ nach eigenem Gutdünken fußballerisch umgetextet und jahrelang schon zum Besten gegeben hatten. Wann immer RWE ein Tor schießt, erklingt im Essener Stadion dieses Lied. Am Freitagabend war das ein Mal der Fall.

Von Beginn an ergab sich ein Spiel, wie man es im Ruhrgebiet liebt: Malocherfußball mit einer gewissen Toleranz für technische und taktische Mängel. Im Fokus einer torlosen ersten Halbzeit: die persönliche Fehde zwischen Fürths Mittelstürmer Noel Futkeu und Essens Abwehrchef Ben Hüning. Ein Duell voller beiderseitiger Checks und Sterbender-Schwan-Einlagen. Schiedsrichter Daniel Schlager praktizierte klugerweise pädagogisches Laissez-Faire, sonst wären beide wohl früh vom Platz gegangen.

Hüning hatte die Essener am vergangenen Wochenende mit dem Nachspielzeit-Siegtreffer in Ulm überhaupt erst in die Relegation geschossen. Futkeu war mit 19 Treffern bester Torschütze der abgelaufenen Zweitliga-Saison. Der 23-Jährige ist in Essen geboren und spielte in der Jugend sowie in der vierten Liga für RWE. Zur kommenden Saison wechselt er zum Bundesligisten Eintracht Frankfurt.

Fürth trifft nur die Latte, später folgt der perfekte Freistoß von Torben Müsel

Das Spiel dominierten die Fürther, auch, weil die Essener sie über weite Strecken kommen ließen. Die Franken hatten sich erst am letzten Zweitliga-Spieltag gerade noch auf den drittletzten Platz gerettet und erhielten gegen Essen eine weitere Chance auf den Klassenerhalt. In der 16. Minute traf Fürths Außenverteidiger Jannik Dehm nur die Latte des Essener Tores. Die Gäste hatten eine knappe Stunde lang die besseren Torchancen. Profilieren konnte sich dabei RWE-Torwart Jakob Golz, Sohn des früheren Torhüters Richard Golz.

In der 58. Minute hatte Torben Müsel die große Chance auf die Essener Führung. Er schoss nach einem Fehlpass des Fürther Torwarts Silas Prüfrock aus 20 Metern aufs leere Tor, doch Prüfrock erwischte den Ball gerade eben noch mit den Fingerspitzen. Das war das Signal zum Essener Umschwung. Nun witterten die Gastgeber Morgenluft. Und wirklich: In der 62. Minute schoss Müsel einen Freistoß aus halblinker Position aus 20 Metern mit chirurgischer Präzision zum 1:0 rechts oben in den Winkel. Da kam Prüfrock (1,80 Meter) nicht mal mehr mit den Fingerspitzen heran.

Essen brachte die Führung über die Zeit, hatte sogar Chancen zum zweiten Tor. Im Rückspiel am Dienstag wird es herausfordernd für Fürth. Bislang 17 Mal seit 2009 wurde die Relegation zwischen zweiter und dritter Liga ausgespielt. Zwölfmal setzte sich der Drittligist durch, nur fünf Mal der Zweitligist.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Abstiegsrelegation
:Ein Matchplan für 180 Minuten

Der SC Paderborn tut, was er kann, Wolfsburg minimiert das Risiko: Alle Skeptiker bekommen genau das Hinspiel vorgesetzt, das sie befürchtet hatten. VfL-Trainer Dieter Hecking ist aber zufrieden – nicht zu Unrecht.

Von Thomas Hürner

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: