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Rooney bei Manchester United:Und jetzt, Wayne?

Manchester United's Wayne Rooney walks past manager Jose Mourinho as he is substituted

Tristesse in Manchester: Wayne Rooney links, José Mourinho rechts.

(Foto: Andrew Yates/Reuters)

Wie geht es für Wayne Rooney weiter? Seine Zeit bei Manchester United könnte bald vorüber sein. Es ist José Mourinhos kniffligster Fall.

Von Sven Haist, London

Kaum hatte José Mourinho zur Pressekonferenz Platz genommen, da fing er schon an zu reden, ohne überhaupt etwas gefragt worden zu sein. Seine Eigeninitiative am Freitag war Kalkül. Mourinho wusste, dass sich eine Einschätzung zur Zukunft eines Spielers nicht vermeiden ließ. Und so konnte der Trainer von Manchester United den Verlauf des Gesprächs über Wayne Rooney immerhin selbst bestimmen.

Die Auseinandersetzung mit dem zunehmenden sportlichen Wertverlust des englischen Idols für ManUnited gehört zu den kniffligsten Aufgaben, die Mourinho seit Amtsbeginn im Sommer zu bewältigen hat. Wie gelingt es, einen der angesehensten und erfolgreichsten Repräsentanten des englischen Fußballs, den Kapitän und besten Torschützen in der Geschichte seines Klubs und der seines Landes, aus dem operativen Geschäft auf dem Spielfeld zu drängen, ohne ihn dabei allzu sehr zu verärgern?

Rooney, 31, hat sich seinen Status über zwei Dekaden hinweg erarbeitet. Und er hat sich gewandelt in fast 15 Jahren als Fußballprofi. Rooney, dabei denkt so mancher ja immer noch an den wilden, etwas rüpelhaft aussehenden Jungen, der seinen Nachbarn als Kind die Fensterscheiben zerschoss, und der als 16-Jähriger für den FC Everton aus 25 Metern gegen Arsenal einfach draufhielt und traf, ein Poldi hoch zwei.

Von seinem Wandel profitieren viele - nur er nicht

Doch Wayne Rooney, das ist inzwischen ein dreifacher Familienvater. Sein Liverpooler Akzent fällt kaum noch auf im Vergleich zu den Anfangsjahren. Und das hitzköpfige Temperament, mit dem er zuweilen gegnerische Abwehrreihen in Schrecken versetzte, hat ebenso abgenommen. Die Öffentlichkeit auf der Insel erfreute sich in den vergangenen Jahren an einer neuen, eloquenten Führungsfigur. Als neulich auf der Insel ein Missbrauchsskandal im Fußball Schlagzeilen machte, ergriff Rooney öffentlich Partei für die Opfer. Von Rooneys Umsicht profitieren auch Trainer und Mitspieler - nur er selbst nicht. Die Verantwortung als Kapitän, die ihm im Sommer 2014 sowohl für ManUnited als auch die Nationalelf übertragen wurde, hat ihm das Draufgängerische genommen. Und damit seine einst größte Stärke.

Das zeigte sich auch am Samstag wieder beim 1:1 gegen den AFC Bournemouth. Rooney, der als hängende Spitze ran durfte, schaffte es erneut nicht, auf sich aufmerksam zu machen. Obwohl ManUnited eine Halbzeit lang in Überzahl agierte. Überhaupt zog bei dieser Partie nur Zlatan Ibrahimovic die Blicke auf sich. Mit einem üblen Ellbogen-Check revanchierte er sich bei seinem Gegenspieler für dessen Stollentritt an den Kopf - beide kamen ungestraft davon. In der Schlussphase vergab Ibrahimovic zudem einen Handelfmeter, weshalb ManUnited weiter auf Rang sechs in der Tabelle kleben bleibt.

Das Ende des Spiels erlebte Rooney auf der Bank - ohne erwähnenswerten Torschuss. Als Bindeglied zum Mittelfeld hielt er sich bis zu seiner Auswechslung in der 70. Minute meist außerhalb des Strafraums auf. Und immer öfter steht dann, wenn Rooney mal wieder ausgewechselt wird, diese Frage im Raum: Was kommt da eigentlich noch? Nimmt diese einzigartige Laufbahn noch einmal eine andere Wendung?

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