Ronnie O'Sullivan:Rasend schnell in Turnschuhen

Ronnie O'Sullivan: Nichts zählt mehr, außer der nächsten Kugel: Der fünffache Weltmeister Ronnie O'Sullivan, 41 Jahre alt, Sieger der English Open.

Nichts zählt mehr, außer der nächsten Kugel: Der fünffache Weltmeister Ronnie O'Sullivan, 41 Jahre alt, Sieger der English Open.

(Foto: Adrian Dennis/afp)
  • Ronnie O'Sullivan gewinnt die English Open - danach ist das Snooker-Genie erstmals seit Jahren wieder richtig zufrieden.
  • Von seiner guten Laune profitiert sogar eine Flitzerin, die plötzlich um seinen Tisch lief.

Von Carsten Scheele

Ein Tag im Leben des Ronnie O'Sullivan, an dem er mit der Snooker-Welt und sich selbst so richtig zufrieden erschien, ist auf die Schnelle schwer zu ermitteln. Selbst die britischen Chronisten haben lange geblättert: Es muss wohl 2013 gewesen sein, nach seiner mehrmonatigen Auszeit, als O'Sullivan mental erholt auf die Tour zurückkehrte und prompt seinen WM-Titel verteidigte. So gelöst und glücklich hat er seitdem selten gewirkt, bis zu seinem Sieg im Finale der English Open gegen Kyren Wilson. Da sprach er nun die magischen Worte, die lange niemand aus seinem Mund vernahm: "Das war sehr, sehr gut heute."

Zuletzt war O'Sullivan vor allem durch seinen berüchtigten Missmut aufgefallen. Das geht seit Jahren so. Der Held der Snooker-Szene gewinnt zwar nicht mehr so viele Turniere wie früher, aber wenn doch, erweckt er danach den Eindruck, als habe dies gar nicht passieren dürfen. Im Jahresrhythmus droht er mit seinem Rücktritt, weil er mit seinen Leistungen unzufrieden ist - und weil überhaupt der ganze Snooker-Zirkus ein Ausmaß angenommen habe, von dem er sich gerne distanzieren würde.

Wahnsinnig gut: Lochquote von 98 Prozent

Nach seinem Masters-Sieg im Januar deutete der mittlerweile 41-Jährige an, dass er seinen Zenit überschritten habe. Es sei ein Wunder, dass ihn Joe Perry im Finale nicht besiegt habe, so fehlerhaft sei sein eigenes Spiel gewesen. "Ich bin froh, dass ich noch mitspielen darf", sagte O'Sullivan.

Diesmal, bei der English Open, stand ein anderer Spieler am Tisch. Aufgeräumt, selbstbewusst, durch nichts zu erschüttern. Sein Gegner Kyren Wilson, 25, war zu bemitleiden. Niemand hätte an diesem Tag eine Chance gegen O'Sullivan gehabt, doch es war Wilsons Los, die meiste Zeit auf seinem Stuhl zu sitzen und dem fünfmaligen Weltmeister zuzusehen. Lediglich bis zum 2:3 hielt Wilson mit, danach gewann er kein einziges Spiel mehr. O'Sullivan zog davon, mit sehr hohen Breaks von 127 und 132 Punkten, einer Lochquote von 98 Prozent, was wirklich wahnsinnig gut ist.

Zum Schluss erinnerte er gar an sein eigenes Ebenbild von 1997, als er, damals 21 Jahre alt, in nur fünf Minuten und 20 Sekunden das schnellste jemals gespielte Maximum Break (147 Punkte in einer einzigen Aufnahme) zauberte. Auch nun war O'Sullivan wieder rasend schnell, in nur 70 Minuten gewann er die letzten sechs Frames bis zum Endstand von 9:2, es war sein 29. Sieg bei einem Ranglistenturnier. Der Kommentator der BBC attestierte ihm eine "clinical performance", ein reines, steriles Spiel. Auch O'Sullivan rang nach Worten. "Ich bin doch selbst mein schärfster Kritiker", sagte er. Diesmal fand er nichts zu meckern.

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