bedeckt München 19°

Ronaldos schwacher Auftritt:In die deutsche Ein-Mann-Mauer

Portugal's Ronaldo reacts during their 2014 World Cup Group G soccer match against Germany at the Fonte Nova arena in Salvador

Enttäuscht: Cristiano Ronaldo in der Partie gegen Deutschland

(Foto: Marcos Brindicci/Reuters)

Cristiano Ronaldo liebt die große Show. Aber bei der Niederlage gegen Deutschland stößt er an seine Grenzen, kann seine verzagten Mitspieler nicht mitreißen. Für ihn gibt es an diesem Abend nur eine einzige kleine gute Nachricht.

Im Leben des Cristiano Ronaldo kann nichts groß genug sein. Die Muskeln seines Oberkörpers, die Brillis in seinem Ohr, die Anzahl der Tore pro Spiel, die Zahl der Social-Media-Follower, allein der Superlativ zählt.

Und so musste vor dem ersten Spiel dieser Weltmeisterschaft der größtmögliche Zeuge herhalten, um dem Volk zu erklären, dass selbst Cristiano Ronaldo noch Mitspieler benötigt, um ein Fußballspiel zu gewinnen: der Papst. "Um Papa Francisco zu zitieren", hieß es auf seiner Facebook-Seite, "niemand gewinnt alleine, weder auf dem Platz noch im Leben."

Der 29-Jährige und die portugiesische Entourage hatten vor der Partie gegen Deutschland alles getan, um die Erwartungen zu dämpfen. "Wir haben den Weltfußballer, aber das heißt nicht, dass wir Weltmeister werden", hatte Trainer Paulo Bento verkündet. Auf die Frage, ob er sich denn als Comandante dieser Mannschaft fühle, antwortete Ronaldo: "Comandante? Nein. Zu Hause bin ich der Comandante, aber nicht hier."

Vielleicht hätte der Papst ja ein wenig nachhelfen können an diesem Montagmittag in Salvador da Bahia. Doch der hatte vermutlich genug damit zu tun gehabt, einen Abend vorher seinen Argentiniern zu helfen gegen die starken Bosnier. Und von einem Comandante war auch wenig zu sehen. Der Weltfußballer ging mit seinen Landsleuten schon während der ersten 45 Minuten in die Knie. Cristiano Ronaldo? Hatte seinen besten Auftritt schon vor dem Anpfiff gehabt.

Der 29-Jährige war über den Rasen gesprintet, Richtung Fans, die bereits auf ihn gewartet hatten. Er hatte sein Trikot ausgezogen, seinen fulminanten Astral-Körper in die Sonne gestreckt und das Hemd in die jubelnde Menge geworfen. Dann war er verschwunden im Tunnel zum Kabinentrakt der Arena Fonte Nova. Der Mann versteht es eben sogar, beim Aufwärmen alle Blicke auf sich zu lenken.

Als er wieder ein Hemd anhatte und die Partie begann, setzte er zu Beginn die von den Deutschen so gefürchtete Stärke um. Selbst wenn sich ein Ballverlust des Gegners nur andeutete, sprintete Ronaldo schon los und forderte den Pass in den weiten, freien Raum zum Blitzkonter. Nach Philipp Lahms Stolperer zu Beginn hätte es fast geklappt, doch Manuel Neuer hielt. Es war der Moment, in dem Cristiano Ronaldo dem Spiel eine ganz andere Richtung hätte geben können.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite