Urteil in Spanien Ronaldo wegen Steuerhinterziehung verurteilt

  • Fußballprofi Cristiano Ronaldo hat vor einem Gericht in Madrid offiziell eine Verurteilung wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung akzeptiert.
  • Dem Schriftsatz der Staatsanwaltschaft zufolge hat Ronaldo zwischen 2011 und 2014 rund 5,7 Millionen Euro an Steuern unterschlagen, die er - samt Zinsen von rund einer Million Euro - bereits nachträglich überwiesen hat.
Von Javier Cáceres

An diesem Dienstag hat der portugiesische Fußballer Cristiano Ronaldo vor einem Gericht in Madrid ein Autogramm geleistet, das ihn schmerzt. Vor der Madrider Audiencia Provincial - die einem deutschen Landgericht entspricht - akzeptierte der Stürmer von Juventus Turin und frühere Profi von Real Madrid offiziell eine Verurteilung wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung.

Der Deal wurde bereits im vergangenen Jahr ausgehandelt und mündete in einen Strafantrag der Staatsanwaltschaft des Madrider Vororts Pozuelo de Alarcón, der der SZ vorliegt - durch die Unterschrift Ronaldos ist er nun in ein Urteil verwandelt worden. Man hat Ronaldo also schuldig gesprochen - und zwar in aller Öffentlichkeit. Sein Ansinnen, bei dem Termin die Medien zu umgehen und durch die Tiefgarage in das Gerichtsgebäude zu gelangen, wurde am Montag abgelehnt. Die von Ronaldo angeführten Sicherheitsbedenken seien nicht stichhaltig, argumentierte das Gericht. Zuvor war die Bitte abgelehnt worden, die Zustimmung zum Deal mit der Staatsanwaltschaft per Videokonferenz zu leisten. So fuhr Ronaldo am Morgen in einem schwarzen Van vor und betrat ganz in Schwarz gekleidet das Gerichtsgebäude. Hand in Hand mit seiner Lebenspartnerin Georgina Rodríguez verteilte der Portugiese, der im vergangenen Jahr zu Juventus Turin gewechselt war, lächelnd Autogramme an seine Fans. "Es geht mir blendend", sagte er.

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Die Probe soll mit Spuren an einem Kleid des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers abgeglichen werden. Der Fußballer gibt an, er habe 2009 einvernehmlich mit der Frau Sex gehabt - sein Anwalt spricht von einem "sehr üblichen Antrag" der Ermittler.

Dem Schriftsatz der Staatsanwaltschaft zufolge hat Ronaldo zwischen 2011 und 2014 rund 5,7 Millionen Euro an Steuern unterschlagen, die er - samt Zinsen von rund einer Million Euro - bereits nachträglich überwiesen hat. Zudem stimmt er einer Geldbuße von 3,2 Millionen Euro sowie einer insgesamt 23-monatigen Gefängnisstrafe zu, die er nicht antreten muss. In Spanien werden Gefängnisstrafen, die unter zwei Jahren liegen, üblicherweise nicht vollzogen. Ähnlich war mit Lionel Messi vom FC Barcelona verfahren worden, er war wegen Steuerhinterziehung zu 21 Monaten Haft verurteilt worden. Unabhängig davon einigte sich Ronaldo mit den spanischen Steuerbehörden auf eine Nachzahlung von ebenfalls knapp 9,9 Millionen Euro - sie betrafen projizierte Einnahmen für die Jahre nach 2014. Die Zahlungen hat Ronaldo bereits geleistet. Insgesamt hat der portugiesische Europameister also knapp 19 Millionen Euro berappt.

In die internationalen Schlagzeilen geraten war der Fall Anfang Dezember 2016. Die Enthüllungsplattform "Football Leaks" hatte dem internationalen Medienkonsortium EIC eine Reihe von Datensätzen zugespielt, darunter auch Material zu den "Steueroptimierungsmodellen", die Ronaldo nun zum Verhängnis wurden. Eine mit dem Prozess eng vertraute Quelle erklärte der SZ freilich, dass die Ermittlungen mit den "Football-Leaks"-Dokumenten nichts zu tun hatten. Die spanischen Steuerfahnder hätten ihre Ermittlungen gegen Cristiano Ronaldo schon im Dezember 2015 aufgenommen - zu einem Zeitpunkt, da zahlreiche Spieler von Real Madrid ins Visier des spanischen Fiskus geraten waren, darunter Ángel Di María, Fabio Coentrão oder Ricardo Carvalho. Sie willigten ebenfalls in Verurteilungen ein. Die Ermittlungen gegen Ronaldo wurden Mitte 2017 abgeschlossen - und mündeten dann in die Strafanzeige gegen Ronaldo.

Xabi Alonso lässt es auf ein öffentliches Verfahren ankommen

Dem fünfmaligen Weltfußballer wurde vorgeworfen, millionenschwere Einnahmen aus internationalen Werbeverträgen über Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen kanalisiert zu haben. Ronaldo argumentierte, seinerzeit ein besonderes Steuerregime genossen zu haben, das ihm ermöglichte, im Ausland erzielte Werbeeinnahmen nicht in Spanien zu versteuern.

Steuerfachleute in Spanien hielten es nicht für ausgeschlossen, dass er im Falle eines Prozesses freigesprochen worden wäre. Das Restrisiko einer Verurteilung - und einer möglicherweise härteren Strafe als der nun mit den spanischen Behörden einvernehmlich ausgehandelten Buße - blieb allerdings immer bestehen. Von der anfangs verfolgten Strategie, auf seiner Unschuld zu beharren, nahm Ronaldo wohl auch deshalb Abstand. Im Gegensatz dazu lässt es der frühere Bayern-Profi Xabi Alonso, der ebenfalls einst bei Real Madrid spielte, auf ein öffentliches Verfahren ankommen. Alonso, der mittlerweile seine aktive Karriere beendet hat, sollte ebenfalls am Dienstag wegen drei mutmaßlichen Steuerdelikten vor Gericht. Der Prozess wurde aber vertagt. Die Staatsanwaltschaft fordert in seinem Falle fünf Jahre Haft.

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