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Fußball-WM:Ronaldo - Spanien 3:3

Cristiano Ronaldo: In WM-Form

(Foto: AP)
  • Cristiano Ronaldo trifft nach vier Minuten per Elfmeter, macht in der 44. Minute das 2:1 gegen Spanien und rettet Portugal auch mit dem 3:3 per Freistoß.
  • Spanien spielt nach den Turbulenzen der vergangenen Tage trotzdem konzentriert, Diego Costa ist doppelt erfolgreich, Nacho gelingt ein hübscher Treffer.
  • Weitere WM-Ergebnisse finden Sie hier.

Ist Spaniens Fußball immun gegen das Chaos? Nach den bewegtesten 48 Stunden ihrer Geschichte, die in der fulminanten Entlassung von Trainer Julen Lopetegui gipfelten, trennte sich die Auswahl am Freitag in Sotschi von Europameister Portugal in einem aufwühlenden Spiel der Gruppe B mit 3:3. Die Spanier mussten zwei Mal einem Rückstand hinterherrennen, den jeweils Cristiano Ronaldo (4./44. Minute) herstellte. Doch durch einen Doppelpack von Diego Costa (24./ 55.) und ein Traumtor von Rechtsverteidiger Nacho (58.) konnten die Spanier den 36. Ibero-Gipfel kurz zu ihren Gunsten drehen - ehe erneut Ronaldo (88.) einen prächtigen Freistoß in den Abendhimmel malte und den Endstand beschaffte.

"Wir gehen mit einem seltsamen Gefühl weg", sagte Spaniens Diego Costa und fügte mit dezentem Pathos an: "Weil wir einen Sieg entwischen ließen, den wir in der Hand hatten."

Lopetegui war 48 Stunden vor dem WM-Auftakt der Spanier fristlos gefeuert und durch Fernando Hierro ersetzt worden. Unmittelbar zuvor war publik geworden, dass Lopetegui in den kommenden drei Jahren Real Madrid trainieren wird - der Verband empfand das als heimtückischen Verrat. Nachfolger Hierro, der bislang nur in Spaniens zweiter Liga bei Real Oviedo Erfahrungen als Trainer sammeln konnte, hatte vor der Partie gesagt, dass er in zwei Tagen nicht umwerfen könne, was Lopetegui in den vergangenen zwei Jahren errichtet hatte. Und so barg seine erste Aufstellung keine Überraschung, sie war eine Hommage an die Kontinuität.

Diego Costa, der bislang wegen seines Rammbock-Charakters im Kreis der spanischen Nationalelf wie ein Fremdkörper wirkte, durfte ganz im Geiste Lopeteguis als Sturmspitze spielen. Der hatte trotz aller Kritik stets an Atlético Madrids Mittelstürmer festgehalten. Nacho agierte indes als Rechtsverteidiger, weil Dani Carvajal seine Oberschenkelverletzung noch nicht ausgestanden hatte. Und beide, Costa und Nacho, rissen prompt Hauptdarsteller-Rollen an sich; wobei Nacho auf die erste vermutlich gern verzichtet hätte.

Ronaldo schließt auf zu Pelé, Seeler und Klose

In der dritten Minute rannte Ronaldo am Strafraumeck auf Nacho zu - und stürzte, kaum dass er die Kalklinie des Sechszehners überschritten hatte. Der Kontakt existierte, allerdings wirkte es so, als sei Ronaldo eine Spur zu zeitig abgehoben. Der italienische Schiedsrichter Gianluca Rocchi zögerte dennoch keine Sekunde und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Ronaldo verlud Torwart David de Gea, damit erzielte er in vier WM-Turnieren einen Treffer. Er schloss damit zu dem Brasilianer Pelé sowie den früheren deutschen Mittelstürmern Uwe Seeler und Miroslav Klose auf, die ebenfalls bei vier Turnieren eigene Treffer bejubeln konnten.

Mit der frühen Führung hatten die Portugiesen sich das Spiel so zurechtgelegt, wie sie es sich erträumt hatten. Sie ertrugen mit Langmut, dass die Spanier den Ball zirkulieren ließen und dass David Silva zu zwei Torschüssen kam (10./21.). Ein paar Mal deuteten sie den Willen an, Konter zu starten, manchmal sehenswert. Doch dann kam der erste Auftritt des Diego Costa.

De Gea lenkt den Ball ins eigene Tor

Nach einem langen Ball fuhr er 20 Meter vor dem Tor den Arm gegen Portugals Innenverteidiger Pepe aus, der zu Boden sackte. Der Referee ließ weiterspielen - und der Videoschiedsrichter hatte überraschenderweise nichts zu beanstanden. Costa konnte daher drei Verteidiger ausdribbeln und mit einem trockenen Schuss aus vierzehn Metern ins linke Eck zum 1:1 treffen (24.).

Das Tor hatte auf die Spanier eine befreiende Wirkung. Sie monopolisierten den Ball, trieben die Portugiesen immer wieder in große Schwierigkeiten und hatten zwei Mal Pech: der aufsehenerregende Isco jagte den Ball an die Unterkante der Latte (26.). Die Torkamera belegte, dass der Ball die Linie nicht überschritten hatte, als er auf dem Boden aufschlug. Dann traf Iniesta den Ball aus 13 Metern nicht richtig - er sprang knapp am rechten Pfosten vorbei. Von Portugal war nichts zu sehen. Bis Ronaldo in der 44. Minute wieder zuschlug und in Torwart de Gea einen willigen Helfer fand. Der schaufelte Ronaldos 18-Meter-Flachschuss ungelenk ins eigene Tor.

Nach der Pause dauerte es neun Minuten, bis die Spanier durch eine bestens erprobte Standardsituation wieder den Ausgleich erzielten. Nach einem kurz ausgeführten Freistoß chippte Silva den Ball an die Grundlinie, Busquets legte per Kopf zurück - wieder war Costa zur Stelle. Nacho ließ ein spektakuläres Tor folgen. Aus 24 Metern nahm er einen Ball mit rechts volley und feuerte ihn an den linken Innenpfosten, von wo er erst an den rechten Pfosten flog - und dann ins Netz.

Erst danach war der Wille der Portugiesen erkennbar, sich nicht nur dem Spiel gegen den Ball zu widmen. Trainer Fernando Santos wechselte den alten Stürmerhaudegen Quaresma für Mittelfeldspieler Bernardo Silva ein; Hierro antwortete mit der Einwechslung von FC-Bayern-Profi Thiago für Iniesta (70.). Doch die Portugiesen kamen vor 43 866 Zuschauern nicht mehr zu zwingenden Chancen. Kraft der Autorität, die ihnen ihr minutiöses Passspiel verleiht, hielten die Spanier ihre Nachbarn von der iberischen Halbinsel klein. Die Nachricht schien Gewissheit zu erlangen: Spanien bleibt Spanien - egal, wer auf der Bank sitzt. Und egal, was um die Selección herum auch an Chaos geschehen mag. Dann aber kam Ronaldo.

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