Rückkehr zu Manchester United:Ronaldo beseelt das Old Trafford

Rückkehr zu Manchester United: Fast wie früher: Cristano Ronaldo zelebriert einen seiner zwei Treffer gegen Newcastle mit den Fans von Manchester United.

Fast wie früher: Cristano Ronaldo zelebriert einen seiner zwei Treffer gegen Newcastle mit den Fans von Manchester United.

(Foto: Rui Vieira/AP)

In seinem ersten Spiel für United seit zwölf Jahren trifft der Portugiese doppelt - Kritiker des Transfers dürften erst einmal verstummen. Allerdings ist Ronaldo auch nicht mehr der Spieler, der den Klub 2009 verließ.

Von Tammo Blomberg

Natürlich stand er da. Ein kurzer Antritt, dann war Cristiano Ronaldo nach der missglückten Abwehr von Newcastles Schlussmann Freddie Woodman am Ball und schob ihn zum 1:0 für Manchester United ins Tor. Wer gemeint hatte, das Old Trafford sei zuvor schon ekstatisch gewesen, der war nun gezwungen, den Begriff der Ekstase noch einmal neu zu definieren. Und dieser Zustand sollte anhalten, bis die Partie beim Stand von 4:1 für United abgepfiffen wurde.

Dass dieses Ligaspiel - das erste von Cristiano Ronaldo für Manchester United seit zwölf Jahren - fundamentale Bedeutung hatte, war schon vor dem Anpfiff offensichtlich. In den Logen saß die Vereinsprominenz um Ryan Giggs und Sir Alex Ferguson, auf den Tribünen besangen die Fans den Rückkehrer beim Einlaufen. Womöglich schwelgte der ein oder andere sogar in Erinnerungen an ein torloses Unentschieden gegen den FC Arsenal im Mai 2009, Ronaldos bis dato letztes Premier-League-Spiel. Das Remis sicherte United, dem damaligen Champions-League-Sieger, vorzeitig die dritte Meisterschaft in Serie.

Ronaldo wirkt wie ein Relikt aus Uniteds glorreichen Tagen

Das ist lange her, und die Dinge sind seitdem nicht so gelaufen, wie man sich das im Theater der Träume gerne ausmalen würde. Den Gewinn der Meisterschaft durfte United zuletzt 2013 bejubeln, von der Champions League ganz zu schweigen. Gleichzeitig musste das rote Manchester tatenlos dem Aufstieg Citys zur stadtinternen Nummer eins zusehen. Nun kehrte nicht nur einer der besten Spieler dieses Jahrhunderts zurück an den Ort, an dem einst seine Karriere richtig an Fahrt aufnahm, sondern auch eine Symbolfigur: Ein Relikt aus glorreichen Tagen, in denen United nicht nur Englands erfolgreichster Vertreter war, sondern an der Spitze des europäischen Fußballs stand.

Dort will man in Zukunft natürlich wieder hin; in der Gegenwart mussten sich Ronaldo und Co. aber erst mal mit Newcastle United befassen. Das ist normalerweise nicht jene Sorte von Gegner, die dem Portugiesen Schweißperlen auf die Stirn treibt, trotzdem wirkte er zunächst fast nervös. Eine Bogenlampe im gegnerischen Strafraum nahm er per Dropkick, schien dabei aber nicht so recht zu wissen, wo sich das Tor befand. Die Anhänger jubelten, Ronaldo schmunzelte kurz über seinen Übereifer. Er sollte ihn schnell wieder ablegen.

Zwar brachte United den extrem tief stehenden Gegner zunächst selten in Gefahr, vielleicht war das aber auch Teil der Strategie, Newcastles Torwart Freddie Woodman einzulullen. Der jedenfalls wirkte vor dem 0:1 so, als befinde auch er sich gedanklich noch im Mai 2009 und ließ Ronaldo den Ball vor die Füße tropfen - so sagt man wohl "Willkommen zuhause" auf die feine englische Art (45.+2). Beim Halbzeitpfiff steuerte Old Trafford zumindest akustisch bereits auf den Meistertitel zu.

Kurz nach Beginn der zweiten Hälfte bröckelte diese Siegesgewissheit kurz, in einem Moment der Unachtsamkeit erzielte Javi Manquillo das 1:1 (56.). Als sich Newcastle kurz darauf einmal zu weit in Manchester Hälfte wagte, war es dann wieder Ronaldo, der den ihm dargebotenen Raum nutzte. Am Ende des Konters schob Luke Shaw den Ball in Ronaldos Lauf, der drosch ihn kompromisslos durch die Beine von Woodman (62.).

Ronaldo ist mit nunmehr 36 Jahren - das werden auch die beseelten Anhänger im Old Trafford bemerkt haben - nicht mehr der Spieler, der den Klub 2009 verließ. Der trickreiche Flügelspieler hat sich in einen Abschlussspieler verwandelt, seine Tore am Samstag, beide in Mittelstürmer-Manier erzielt, zeigten das exemplarisch.

Es hatte Stimmen gegeben, die Ronaldos Wiedervereinigung mit United für zum Scheitern verurteilt erklärten

Die übrigen Protagonisten der United-Offensive heißen auch nicht mehr Wayne Rooney, Carlos Tevez und Ryan Giggs, sondern Mason Greenwood, Antony Martial, Marcus Rashford und Jaden Sancho - talentierte, junge Spieler, für die Ronaldo nun nicht mehr nur ein Kindheitsidol ist, sondern auch ein Konkurrent. Am Samstag war es Anthony Martial, der auf der Bank Platz nehmen musste, Rashford ist noch verletzt. Glänzen konnten abgesehen von Ronaldo vor allem der omnipräsente Paul Pogba und die Torschützen zum 3:1 und 4:1, Bruno Fernandes und Jesse Lingard.

Es hatte im Vorfeld Stimmen gegeben, die Ronaldos Wiedervereinigung mit United als zum Scheitern verurteilt betrachten. Man setze der eigenen Zukunft Steine in den Weg, hieß es, und trauere dem Glanz vergangener Tage hinterher. In der Tat ist es bemerkenswert, dass in Ole Gunnar Solskjaer auf der Trainerbank und Ronaldo im Sturmzentrum die Helden der beiden bis dato letzten Triumphe in der Champions League den großen Erfolg zurück ins Old Trafford bringen sollen. Zudem hat sich nicht nur Ronaldos Position, sondern auch seine Defensivarbeit verändert - sein immer schon dürftiges Pressingverhalten ist noch einmal merklich schlechter geworden.

Dass Ronaldo auch jenseits aller sportlichen Fragen seinem neuen Arbeitgeber ein paar Probleme aufschnallen könnte, zeigte eine Aktion, die eine Gruppe von Frauenrechtlerinnen während des Comebacks orchestrierte. Sie ließ über dem Stadion ein Flugzeug mit einem Banner zirkeln, auf dem stand: "Glaubt Kathryn Mayorga!" Die Amerikanerin hat Ronaldo beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben, der 36-Jährige bestreitet das vehement.

Ohnehin dürften es kritische Stimmen bei United angesichts seines Einstands vorerst schwer haben. Trainer Solskjaer sagte nach dem Spiel: "Es hat sich angefühlt wie in alten Zeiten."

© SZ/ebc/jkn
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