Rodeln:Vom Schnupperkurs ins Rampenlicht

Lesezeit: 3 min

Rodeln: Schnell erfolgreich: Seine erste Saison im Junioren-Weltcup beendete Marco Leger auf Rang sieben, bei der EM wurde er vor kurzem Achter.

Schnell erfolgreich: Seine erste Saison im Junioren-Weltcup beendete Marco Leger auf Rang sieben, bei der EM wurde er vor kurzem Achter.

(Foto: Sportpresse Reker/BSD)

Marco Leger vom RRC Schliersee mischt mit gerade einmal 16 Jahren als einer der besten deutschen Nachwuchsrodler im Junioren-Weltcup mit - auch weil er seine Einstellung geändert hat.

Von Jonas Kraus

Marco Leger hatte seine Karriere noch nicht mal richtig begonnen, da wollte er sie schon wieder beenden. Vor ein paar Jahren habe es zwischendurch nicht so funktioniert, wie er sich das vorgestellt hatte. Hier ein unnötiger Sturz, da mal wieder eine schlechte Zeit. "Es hat einfach nicht so viel Spaß gemacht", erinnert sich Leger, der viel mit sich haderte. Rodeln, ist das wirklich das Richtige?

Eine "pubertäre Phase", nennt das sein langjähriger Trainer Hermann Müller: "Die hat er hinter sich gelassen". Müller kennt den heute 16 Jahre alten Leger schon seit mehr als zehn Jahren. Er hat Leger begleitet, als er zum ersten Mal am Start einer Eisbahn gestanden hat und war dann immer dabei, als sich Leger in den Juniorenklassen vorangekämpft hat. Mal schneller, mal langsamer. "Jetzt ist er viel klarer im Kopf", meint Müller.

"Dass er in seinem Alter da voll mithält, das freut mich wahnsinnig", sagt Trainer Müller

Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen wider. Leger, der für den RRC Schliersee startet, gehört mittlerweile zu den größten Talenten im deutschen Rennrodeln. Vor der Saison schaffte er überraschend die Qualifikation für den Junioren-Weltcup. Mit seinen 16 Jahren ist er zwei, drei Jahre jünger als die allermeisten seiner Konkurrenten. Manchmal muss er sich als Jüngster im Team schon den einen oder anderen Spruch anhören, gibt Leger zu. "Aber das hält sich in Grenzen, wir verstehen uns super." Wohl auch deshalb, weil er sportlich seinen Platz rechtfertigt: Seine erste Saison im Junioren-Weltcup beendete Leger auf Rang sieben. Bei der EM wurde Leger vor kurzem Achter, vor allem im zweiten Durchgang legte er in Bludenz (Österreich) einen starken Lauf hin. Im deutschen Team war nur Timon Grancagnolo aus Chemnitz schneller. "Dass er in seinem Alter da voll mithält, das freut mich wahnsinnig", sagt Müller, der nicht nur Trainer, sondern auch Vorsitzender des RRC Schliersee ist.

Mit dem Rodeln begonnen hat Leger vor mehr als zehn Jahren. Damals organisierte die Grundschule eine Art "Schnupper-Rodeln" am Königssee, erinnert er sich: "Ich dachte, da rutschen wir einen Berg runter." Dass er sich dann mit seinen Klassenkameraden auf einer gefrorenen Eisbahn wiederfand, sei schon etwas komisch gewesen. "Aber mir hat es von Anfang an Spaß gemacht." Als Einziger aus seiner Klasse kehrte Leger anschließend an die Bahn zurück. Viele Gedanken habe er sich anschließend nicht mehr gemacht, wenn er sich die Bahn hinabstürzte.

Die körperlichen Voraussetzungen bringt Leger mit: "Lange Beine und Arme, ein kurzer Oberkörper. Perfekte Hebel."

"Marco geht das sehr pragmatisch an", sagt Müller. Klar, es sei nicht immer nur vorangegangen, aber das sei auch normal: Kein Jugendlicher sei immer voll bei der Sache, diesen Freiraum müsse man jungen Athleten aber auch gewähren. "Am Ende geht es nur weiter, wenn der Sportler das selbst möchte", sagt Müller. Auch als Leger zwischendurch mal die Freude am Rodeln etwas verloren hatte, habe man ihm keinen zusätzlichen Druck gemacht. "Auch von seinen Eltern kommt da nie was", sagt Müller. "Die freuen sich den Arsch ab, wenn er gut fährt. Aber die würden ihn nie zu was drängen."

Mittlerweile hat Leger wieder richtig Spaß am Rodeln. "Vor einem Jahr hat es richtig klick gemacht bei Marco", sagt Müller. Seitdem sei er wesentlich fokussierter, auch in der Schule. Leger lebt mittlerweile in Berchtesgaden, geht dort in die neunte Klasse und bereitet sich gerade auf den Abschluss vor. "Ein bisschen doof" findet Leger die Doppelbelastung aus Rodeln und Lernen schon. "Aber muss halt sein", sagt er. Leger will später mal zur Landespolizei.

Seine größten Defizite sieht Leger am Start. Dort sei er bei Weitem noch nicht so schnellkräftig wie die Konkurrenten. Aber er arbeite daran, schiebt er eilig nach. "Mittlerweile geht er auch mal von sich aus in den Kraftraum", sagt Müller. Der Trainer ist sich sicher, dass sein Schützling es weit bringen kann. Das nötige Fahrgefühl habe Leger auf jeden Fall, dazu bringe er die richtigen körperlichen Voraussetzungen mit. "Lange Beine und Arme, ein kurzer Oberkörper. Perfekte Hebel."

Auch Leger glaubt an sich, will aber keine großen Ziele herausposaunen. Erst mal wolle er sich im Junioren-Weltcup weiter festigen, die älteren Konkurrenten weiter triezen. Im kommenden Jahr will er dann zur Junioren-WM, bei der er dieses Jahr nur als Vorstarter dabei ist. Aber irgendwann, auf lange Sicht? "Natürlich ist der Weltcup das Ziel", sagt Leger.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema