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Rodeln:Kleinere Brötchen und Babypausen

Rodeln: Weltcup

Julia Taubitz freut sich über Rang eins beim Weltcup-Rennen in Lettland. Doch drei Wochen vor der WM in Sotschi trägt sie die deutschen Hoffnungen auf große Erfolge im Frauen-Rodeln quasi alleine.

(Foto: Roman Koksarov/dpa)

Die Rodlerin Julia Taubitz siegt nach einer starken Aufholjagd beim Weltcup in Sigulda. Das Wochenende zeigt aber erneut: In der so erfolgreichen Wintersport-Disziplin wird es gerade schwerer für die Deutschen.

Von Johannes Kirchmeier

Julia Taubitz war glücklich im Ziel von Sigulda. Sie hob den Daumen und grinste, schließlich hatte sie gerade Großartiges vollbracht. Von Platz sieben raste die derzeit beste deutsche Rodlerin am Samstag im entscheidenden zweiten Durchgang noch nach vorne auf den Goldrang beim Weltcup-Rennen in Lettland.

Taubitz wusste dabei allerdings auch um die glücklichen Umstände, die ihr den Weg zum Aufholen geebnet hatten. Bei schwierigen Bedingungen in Sigulda hatten es Starterinnen mit niedrigen Startnummern im zweiten Durchgang einfacher: "Ich denke, dass mir hinten raus die niedrige Startnummer vom ersten Lauf den Sieg doch ein bisschen verschafft hat", sagte sie im Ziel zu ihrem Verbandssprecher. Im erfolgreichsten deutschen Wintersport der vergangenen Jahre wird es schwerer für die Athleten der Bundesrepublik.

Auch bei den Männern wackelt die einstige Dominanz

Zuletzt kam zwar die Gesamtweltcupsiegerin 21 Mal aus Deutschland, doch in dieser Saison wackelt diese Erfolgsserie. Taubitz ist gut im Rennen, vier Wettbewerbe vor dem Ende liegt sie aber 17 Punkte hinter der Weltcup-Führenden Iwanowa (667 Zähler). In Sigulda wurde Iwanowa Zweite (0,115 Sek.) vor der Lettin Eliza Cauce (+ 0,150 Sek.). "Ich bin mit dem zweiten Lauf mega zufrieden, der war richtig gut. Daher bin ich richtig glücklich, dass es so gut geklappt hat", sagte Taubitz. Ihr vierter Saisonsieg war ja durchaus ein wichtiger Erfolg für sie - und eben auch für das deutsche Rodeln überhaupt.

Denn auch bei den Männern wackelt die einstige Dominanz. Der Olympiasieger von 2010 und 2014, Felix Loch, findet bislang nicht zu seiner Form - im Gesamtweltcup ist er Fünfter, mit fast 200 Punkten weniger als der führende Russe Roman Repilow. Schon vor der Saison sagte sein Vater, der Bundestrainer Norbert Loch: "Als erwartungsfrohe Rodelnation müssen wir demütig werden und kleinere Brötchen backen." Die Konkurrenz wurde in den vergangenen Jahren stärker, Loch machte zuletzt aber auch selbst mehr Fehler in der Eisbahn.

So dürfen sich lediglich die deutschen Doppelsitzer ziemlich sicher sein, den Gesamtweltcup zu gewinnen. Toni Eggert/Sascha Benecken und Tobias Wendl/Tobias Arlt liegen bereits weit vor dem Rest. In Sigulda wurden sie am Samstag Zweite (Wendl/Arlt) und Dritte (Eggert/Benecken) hinter den Lokalmatadoren Andris und Juris Sics.

Drei Wochen vor der WM in Sotschi ist Taubitz die große Hoffnungsträgerin

Aber auch wenn bei den Frauen die jahrzehntelange Siegerserie beendet werden könnte, ist ihr aktuelles Problem eigentlich ein glücklicher Umstand. Tatjana Hüfner beendete nach der vergangenen Saison ihre medaillenverzierte Karriere, die Olympiasiegerin Natalie Geisenberger und die Olympiazweite Dajana Eitberger befinden sich gerade in der Babypause und kehren in der kommenden Saison aller Voraussicht nach zurück.

"Es ist ungewohnt und irgendwie ist 'das Schlimmste', dass alle auf mich schauen", sagte Julia Taubitz vor dem Saisonstart zu sportschau.de. "Dabei bin ich selber noch nicht fehlerfrei und bräuchte noch jemand." Ihre jungen und in dieser Saison erst in den Weltcup katapultierten Kolleginnen konnten natürlich auch in Sigulda nicht ganz vorne mitfahren: Cheyenne Rosenthal (Winterberg) landete auf einem guten achten Platz, Anna Berreiter (Berchtesgaden) wurde Zehnte. Jessica Tiebel (Altenberg) musste sich mit Rang 22 begnügen.

Taubitz trägt also drei Wochen vor der WM in Sotschi (14. bis 16. Februar) die deutschen Hoffnungen auf große Erfolge im Frauen-Rodeln quasi alleine. Da kommt ihr immerhin entgegen, dass sie im Kampf um die Verlängerung der schwarz-rot-goldenen Serie im Gesamtweltcup einen Heimvorteil gegen Iwanowa hat: Von den vier abschließenden Rennen finden drei in Deutschland (Oberhof, Winterberg und am Königssee) statt.

© SZ vom 26.01.2020

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