An einem Sommertag vor sechseinhalb Jahren stellte Rocco Commisso sich in Florenz vor, er wählte bleibende Worte: „Ich bin kein Patrone, ich bin ein Fan“, sagte der neue Besitzer der AC Florenz damals, zu einer italienischen Fußballöffentlichkeit, die ihren Respekt immer auch über Titel bekundet. Trainer nennen sie in Italien Mister, Vorsitzende Presidente, Eigentümer Patrone. Commisso nannten sie schlichtweg Rocco, weil er das so wollte. Und weil er es nie anders gekannt hatte.
Aus einem kleinen Küstenort in Kalabrien stammten die Commissos, Rocco war zwölf Jahre alt, als er von dort wegziehen musste. Auf die Suche nach einem besseren Leben machte sich die Familie im Jahr 1961, sie kamen nach New York City. Die Bronx wurde zu Commissos zweiter Heimat, später studierte er an der Columbia-Universität, das Stipendium bekam er als Mitglied der Fußballmannschaft bezahlt.
„Die Erfüllung des American Dream“ sei er mit seiner Geschichte, sagte Commisso viele Jahre später, als er für das berühmte Fernsehformat „60 Minutes“ interviewt wurde. Einer der 200 reichsten Menschen der USA war er da geworden mit seinem Unternehmersinn. Commisso hatte frühzeitig erkannt, wie sich der Fernsehmarkt in den USA entwickeln würde, er gründete 1995 Mediacom, bis heute der fünftgrößte Kabelfernsehanbieter des Landes. Seine Leidenschaft aber blieb immer der Fußball.
Seine menschliche Art gefiel den Leuten
An der Columbia stiftete er ein neues Fußballstadion, trug als Besitzer zur Neuerfindung des Traditionsklubs New York Cosmos bei und fand 2019 einen Weg in die alte Heimat. Er kaufte die marode Fiorentina und wurde einer der meist geschätzten Vereinseigentümer des Landes. Doch es waren nicht (nur) die sportlichen Erfolge, es war vor allem die herzliche, menschliche Art, die den Leuten gefiel.
Bemerkenswert ehrlich war Commisso stets, manchmal auch derb. Die Agnellis, Besitzerfamilie von Juventus Turin, nannte er mal „motherfuckers“, in seinem typischen Italo-Englisch. Wie eine Figur aus einem Film von Scorsese oder Coppola klang er dann. Wie ein Mann aus einer alten Welt, der sich von seinem Instinkt und seinem Menschenverständnis leiten ließ. Wie ein Gegenentwurf zu den Investoren und Zahlenjongleuren, die den Fußball als Geschäft sehen, nicht als Liebesaffäre.
In der Nacht auf Samstag starb Commisso im Alter von 76 Jahren in New York, die Spieler seiner Fiorentina erinnerten am Sonntag beim Aufwärmen mit einem T-Shirt an ihn. Die Nummer eins war auf dem Rücken zu sehen, darüber der Name: Rocco.

