Robin Dutt in Leverkusen:Trauma des Jung-Trainers

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Robin Dutts Stellung in Leverkusen ist bedroht: Den neuen Coach des ambitionierten Bundesligisten belastet das hohe Ansehen seines Vorgängers Jupp Heynckes. Vor dem wichtigen Champions-League-Spiel in Valencia verteidigt Dutt sich und seine Arbeit - doch im Klub offenbaren sich bereits Vorbehalte gegen seinen Führungsstil.

Philipp Selldorf

Rudi Völler hat vor dem Champions-League-Spiel gegen den FC Valencia eine Rede zur Verteidigung von Robin Dutt gehalten. "Ich habe selten einen Trainer gesehen, der sich so viele Gedanken gemacht hat", sagte der Sportchef von Bayer Leverkusen dem Express, aber was er als Lob vortrug, war zugleich eine Beschreibung der Probleme, die Dutt mit seiner allzu akribischen Arbeit beim rheinischen Werksverein hat.

Borussia Mönchengladbach - Bayer 04 Leverkusen

Übt noch mit der Herzlichkeit: Leverkusens Trainer Robin Dutt umarmt Stürmer André Schürrle. 

(Foto: dpa)

Der 46 Jahre alte Schwabe hat hohe Kenntnis von der Materie, "er ist ein richtig, richtig guter Trainer", urteilen Eingeweihte bei Bayer, aber die Anwendung auf den Alltag ist ihm bisher nicht gelungen. "Es holpert noch", beschreibt es Völler, was andere Kenner so ausdrücken: "Es läuft nicht, wir spielen nicht gut." Weshalb selbst Dutts wichtigste Förderer im Verein nicht leugnen, dass sich die Situation zuspitzen könnte. Die Qualität der nächsten Auftritte wird darüber entscheiden, ob Bayer und Dutt in eine gemeinsame Zukunft finden.

Dem Betroffenen ist die Ausgangslage bewusst. Dutt hatte sich den nächsten, besser situierten Arbeitgeber aussuchen können, als er in der vorigen Saison den SC Freiburg sicher durchs Jahr geleitete. Er hätte nach Schalke, Hamburg oder Hoffenheim gehen können, aber er wählte Leverkusen und empfing dafür Gratulationen.

"Mir wurde gesagt: Da hast du dir einen guten Verein ausgesucht, da geht's nicht so unruhig zu." Nun stellt er fest, dass die Vorhersagen nicht stimmten, "die Heftigkeit, in der hier Kritik an mir geübt wird, hat mich überrascht", bemerkt er teils amüsiert, teils bitter.

Auf die Lagebesprechung mit der Presse vor dem Treffen mit Valencia hatte sich Dutt gezielt vorbereitet. Er wusste, dass die Partie nur am Rande das Thema sein würde, obwohl sie quasi im K.o-Verfahren die beiden designierten Anwärter auf Platz zwei in Gruppe E zusammenbringt: Chelsea gilt als klarer Favorit, Genk als klarer Streichkandidat, das Rückspiel gegen Valencia gibt es in zwei Wochen.

Dutt hob die technische Brillanz der Spanier hervor und deutete an, dass er Ballack den Vorzug vor Rolfes geben werde, ansonsten sprach er über das Thema Nummer eins in Leverkusen: über sich und seine bedrohte Stellung. "Ich weiß", sagte er in der sperrigen Art, in der er sich häufig zu erklären pflegt, "dass meine Person im Verein in keiner Weise in Frage gestellt wird." Allen Verantwortlichen sei ja klar gewesen, dass es am Anfang schwierig werden könnte, "weil mir einige Punkte mitgegeben worden sind, die verändert werden sollten".

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