FC Bayern Robben ist geladen, Rafinha ist gerührt

Szenen einer Ära beim FC Bayern: Rafinha und Robben im Jahr 2014.

(Foto: AFP)
  • Arjen Robben und Rafinha werden am Samstag ihr letztes Bundesliga-Spiel für den FC Bayern bestreiten.
  • An diesem Dienstag sollten sie nochmal über ihre Zeit in München sprechen.
  • Beide tun das auf sehr unterschiedliche Art und Weise.
Von Martin Schneider

Rafinha betrat den sehr kleinen Pressesaal des FC Bayern, Thomas Müller folgte ihm, dann Thiago und Manuel Neuer, der sogar ein "Rafinha"-Trikot in seiner Größe gefunden hatte. Die drei Spieler quetschten sich an den Rand, Rafinha nahm Platz, aber es kamen noch David Alaba, Renato Sanches, Javi Martínez, Franck Ribéry und Robert Lewandowski in den Raum. "Ich habe sie eingeladen", sagte Rafinha. Er wollte sie dabei haben, wenn er über seine Jahre in München sprach; vielleicht, weil er gewusst hat, dass er von seinen Emotionen überwältigt werden würde. Als er von seiner Mama sprach, die ihm gesagt hatte, er solle zum Abschied für alles dankbar sein, da weinte er. Er umarmte seine Mitspieler, einen nach dem anderen. Er sagte, sie seien eine Familie.

Dann kam Arjen Robben.

Arjen Robben hatte niemanden eingeladen, Arjen Robben wurde nicht emotional, Arjen Robben weinte auch nicht. Arjen Robben wollte auf seiner Abschieds-Pressekonferenz auch nicht wirklich über seinen Abschied sprechen. Stattdessen sagte Arjen Robben, dass er das Spiel am Samstag gegen Frankfurt schon dreimal im Kopf durchgegangen ist und dass er zwei Tore schießen will. Er trug dabei einen Trainingsanzug mit Armee-Muster.

Rafinha und Robben werden am kommenden Wochenende ihr letztes Bundesliga-Spiel für den FC Bayern machen, und es ist schon erstaunlich, dass es beide an diesem Dienstag geschafft haben, in nur einer halben Stunde zu zeigen, warum sie schon acht beziehungsweise zehn Jahre beim FC Bayern München sind und welche Eigenschaften sie für den Klub so wertvoll machen.

Beide hatten ja exakt die gleiche Aufgabe: über das Ende ihrer Bayern-Zeit sprechen. Und Rafinha, der Teamspieler, der Familienmensch, die Frohnatur, erzählte von seiner Ankunft in Deutschland, dass er Probleme hatte mit der Sprache, mit dem Klima. "Ich wollte am Anfang nicht in den Schnee zurück", sagte er. Aber er sei erwachsen geworden, sogar deutscher Staatsbürger. Er sagte, die meisten wüssten nicht, wie hart das Team jeden Tag arbeite, wie hoch der Druck beim FC Bayern sei, wie lang er mit seinen Mitspielern schon zusammen sei. Über die Jahre hieß es, dass Rafinha ein Bezugspunkt für alle Zugänge war, dass er sich um jeden gekümmert habe, weil er weiß, wie es ist, fremd in einem Land zu sein. Er, der Ersatzaußenverteidiger, der gegen Philipp Lahm und David Alaba nie eine echte Chance auf einen Stammplatz hatte, sagte unter Tränen, dass er Freundschaften geschlossen habe. Wie es weitergehe, das wisse er noch nicht. Brasilien oder Europa. Erst einmal müsse der 33-Jährige Bayern hinter sich lassen. "Das ist ein besonderer Tag für mich. Obrigado, danke für alles."

Es war nun nicht so, dass Arjen Robben überhaupt nicht über Gefühle sprach. Die Zuneigung der Fans, meinte er in einem Moment, sei für ihn die größte Wertschätzung. Und wenn man bedenkt, dass ihn auch Fans in der eigenen Arena 2012 nach seinen verschossenen Elfmetern gegen Dortmund und Chelsea ausgepfiffen hatten, kann man ihm schon glauben, dass es etwas in ihm auslöst, wenn er, der von einem Großteil der Fußballwelt als Egomane verschrien ist, nun von den Bayern-Anhängern besungen und geliebt wird.

Robbens Ehrgeiz frisst alle sentimentalen Gefühle

Er sprach auch von seiner Beziehung zu Franck Ribéry. Eine "große, gute Freundschaft" sei das, vom ersten Tag an habe es auf dem Platz viel Spaß gemacht. "Es hat sich immer besonders angefühlt, Vorlage Franck, Tor von mir - umgekehrt kam das ein bisschen weniger oft vor", sagte er und grinste. In seltenen Momenten hat auch ein Arjen Robben Selbstironie.

Gleichzeitig konnte man ihm auch bei seiner Abschieds-Rede dabei zusehen, wie der Ehrgeiz in ihm alle sentimentalen Gefühle auffraß. Einen Reporter tadelte er, weil der ihn zum Pokalfinale befragte, zunächst aber das Liga-Endspiel anstünde. Wie es nach seiner Zeit beim FC Bayern weitergehe, das wisse auch er noch nicht. Er habe alle seine Energie darauf verwendet, noch einmal fit zu werden. Mit jedem Satz, wurde klar, wie unerträglich es ihm erscheint, am Samstag nicht zu spielen. Nicht, weil es sein letztes Bundesliga-Spiel wäre. Sondern weil es etwas zu gewinnen gibt. "Da ist so ein Adrenalin, so ein Gefühl. Du willst es allen nochmal zeigen. Wenn ich jetzt darüber spreche, krieg ich schon Gänsehaut." Man stelle sich vor, sagte er, "Franck und ich, wir beide von Anfang an, wir greifen an, wir werden Meister ... es gibt nichts Schöneres."

Niko Kovac hatte angekündigt, dass es für ihn keine Rolle spiele, ob Arjen Robben und Franck Ribéry ihren Abschied zelebrieren, er werde so aufstellen, dass es seiner Ansicht nach am Ende zur Meisterschaft führt. Aber wie er diesen voll aufgeladenen Robben nach der Rede am Samstagnachmittag auf der Bank halten will - die Frage sollte er sich vielleicht dann doch nochmal stellen.

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