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Todesurteil vollstreckt:Ringer Navid Afkari in Iran hingerichtet

Im Juni 2018 fanden landesweite Proteste in Iran statt. Dieses Foto zeigt eine Gruppe in Teheran.

(Foto: AP)

Der Sportler soll einen Mord gestanden haben. Internationale Organisationen sagen, das Geständnis sei unter Folter zustande gekommen, selbst US-Präsident Trump setzte sich für ihn ein.

Der iranische Ringer Navid Afkari ist trotz einer internationalen Solidaritäts-Kampagne in seiner Heimat hingerichtet worden. Die Todesstrafe gegen den 27-jährigen sei am Samstag in einem Gefängnis in Schiras vollstreckt worden, sagte Staatsanwalt Kazem Mousavi dem staatlichen Fernsehen. Afkari soll im Rahmen einer Demonstration 2018 in Schiras gegen die wirtschaftliche und politische Lage im Land einen Sicherheitsbeamten getötet und die Tat auch gestanden haben. Das Geständnis soll jedoch unter Folter erzwungen worden sein, erklärten Menschenrechtsorganisationen zuletzt.

Dies sorgte weltweit für Entrüstung, in der Kampagne "Rettet Navid Afkari" wurde diese kanalisiert. Selbst US-Präsident Donald Trump forderte den Iran in einem Tweet dazu auf, Afkari nicht hinzurichten. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bezeichnete die Hinrichtung als "sehr traurige Nachricht". Es sei "geschockt", hieß es in einer Mitteilung am Samstag. IOC-Präsident Thomas Bach habe zuvor per Brief Gnadengesuche an die politische Führung des Iran gerichtet, auch wenn er die Souveränität des Landes respektiere. Es sei "zutiefst verstörend", dass alle Proteste von Sportlern und die Bemühungen internationaler Verbände nicht zum Ziel geführt hätten. "Unsere Gedanken sind bei Familie und Freunden von Navid Afkari", hieß es.

Die iranische Justiz hatte Mittwoch die Kritik im eigenen Land und dem Ausland am Todesurteil gegen Afkari zurückgewiesen. "Viele mischen sich einfach in Angelegenheiten ein, von denen sie weder genaue Informationen haben noch die notwendige juristische Kompetenz besitzen", sagte Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaili. Afkari habe einen unschuldigen Menschen ermordet und das Urteil gegen ihn im Iran laute nicht Todesstrafe, sondern "Ghissas", so der Sprecher. "Ghissas" ist im islamischen Recht das Prinzip der Vergeltung, Blutrache oder Auge um Auge, worüber die Familie der Opfer entscheiden können.

Auch deutsche Athleten appellierten vergeblich an Irans Justiz

Die Strafe sei nun "auf Beharren der Familie des Opfers" vollstreckt worden, sagte Mousavi. Afkaris Anwalt Hassan Younessi teilte via Twitter mit, dass für Sonntag eigentlich ein Treffen zwischen den Angehörigen des Opfers und Menschen aus Schiras geplant war, die um Vergebung bitten wollten. Zudem habe auch ein Verurteilter laut Gesetzt das Recht, vor der Hinrichtung seine Familie zu sehen: "Wart ihr so sehr in Eile, dass ihr Navid seinen letzten Besuch verwehren musstet?"

Unterstützung erhielt er auch aus dem deutschen Sport. So hatten Athleten Deutschland und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die iranische Justiz aufgefordert, die Hinrichtung auszusetzen. "Wir schließen uns den weltweiten Forderungen von Politik und Sport an", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann, der Angeklagte verdiene "einen fairen Prozess als eines der grundlegenden Menschenrechte". Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland, hatte "alle Athletinnen und Athleten" dazu aufgerufen, "sich mit Navid Afkari zu solidarisieren: Wenn der friedliche Protest eines Athleten mit Folter und Hinrichtung erwidert wird, dürfen wir nicht schweigen." IOC-Präsident Bach hatte davon gesprochen, sich dem Athleten Afkari "nahe" zu fühlen. Man sei "überaus besorgt".

Maximilian Klein, bei Athleten Deutschland Beauftragter für die internationale Sportpolitik, appellierte zudem an das "IOC, die Sportverbände wie United World Wrestling (UWW) oder auch die Fifa sowie Sponsoren, ihren Einfluss zu nutzen, um Navid vor dem Tod zu bewahren". Ein Land, das Menschenrechte derart mit Füßen trete, "kann nicht Teil der globalen Sportgemeinschaft sein, die sich der Wahrung der Menschenwürde verschreibt".

© SZ.de/sid/schm/ebc
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