Richard Pound:Der einsame Anti-Doping-Kämpfer im IOC

WADA

Der Kanadier Richard Pound ist dienstälteste Mitglied des IOC.

(Foto: Salvatore Di Nolfi/dpa)
  • Der kanadische IOC-Mann Richard Pound hat einiges auszusetzen am Umgang mit Russlands Staatsdoping.
  • Die gewaltige Mehrheit im Kommitee findet trotzdem, dass sie alles richtig gemacht habe - das bekommt Pound sogleich zu spüren.
  • Derweil kann das IOC noch keine klaren Kriterien dafür benennen, dass Russland an der Schlussfeier der Winterspiele teilnehmen darf.

Von Johannes Aumüller, Pyeongchang

Fast zehn Minuten dauerte der Redebeitrag, die Stimme war ganz ruhig, aber es reihte sich eine Attacke an die andere. Zum Beispiel diese: "Wir sind jetzt in großen Schwierigkeiten." Denn: "Das IOC hat keine angemessene Antwort gegeben." Oder diese: "Ein großer Teil der Welt glaubt, dass das IOC versagt und die Athleten sauber gemacht hat." Sein düsteres Fazit: "Wir reden mehr als wir tun. Unsere Zukunft hängt davon ab, was wir tun, aber nicht davon, was wir sagen."

Es war kein kritischer Beobachter von außerhalb des Ringe-Zirkels, der da sprach. Sondern Richard Pound, seines Zeichens das dienstälteste Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Der Kanadier hatte sich zwar schon des Öfteren kritisch eingelassen zur Moderation von IOC und dessen Präsident Thomas Bach in Russlands Staatsdoping-Skandal. Aber als Pound, 75, seine Attacke in die eigenen Reihen am Dienstag auf der Session in Pyeongchang vortrug, hatte sie eine besondere Wirkung. Es zeigte sich einerseits eine Auseinandersetzung, wie sie in dieser Form in Sportorganisationen eher selten ausgetragen wird - und anderseits, dass das IOC offenkundig immer noch nicht versteht, wie schlecht es um seine Glaubwürdigkeit bestellt ist.

Russlands Doping-Affäre und die Reaktionen des IOC darauf - das ist das überwölbende Thema, das vor der Eröffnungsfeier am Freitag den Schatten auf die Spiele wirft. Aber das Bedauerliche für die PR-Strategen des IOC dürfte sein, dass dieses Thema nicht beendet sein wird in dem Moment, in dem die Wettkämpfe beginnen.

Mehrere Getreue von Thomas Bach attackierten Pound

Das IOC steht jetzt vor den Trümmern seiner Politik. Denn zunächst tat es lange Zeit nichts, als Medien, Kronzeugen und die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) Belege für das russische Betrugssystem herbeischafften. Und als sich diese Taktik nicht mehr durchhalten ließ, fand das IOC-Exekutivkomitee im Dezember eine seltsame Form der Sanktionierung. Gegenüber einzelnen Athleten gab es sich streng, womit es ein Tag für Tag wachsendes sportjuristisches Chaos produzierte. Das System allerdings sanktionierte es nur milde. Verhängt wurde nur eine kurze Sperre für Russlands Olympia-Komitee. Bei gutem Betragen ist eine offizielle Rückkehr von Team Russland bereits zur Schlussfeier in die olympische Familie möglich. Bis dahin starten die 169 handverlesenen Sportler als "Olympische Athleten aus Russland".

Die globale Kritik an der Nachsicht mit dem dokumentierten Staatsdoping ist groß, aber die gewaltige Mehrheit im IOC findet trotzdem, dass sie alles richtig gemacht habe. Das bekam Kritiker Pound, der den Ringe-Zirkel als einen "komfortablen Kokon" beschrieb, sogleich zu spüren. Zur Seite sprang ihm nur der Brite Adam Pengilly, der es aber bei zwei kurzen Sätzen beließ. Darunter war der Hinweis, dass ein Sportler für ein Dopingvergehen normalerweise eine vierjährige Sperre bekomme - das Olympia-Komitee Russlands aber käme mit zwei Monaten davon.

Stattdessen überwogen in der Komfortzone des IOC die Dankesbekundungen für das Agieren des Präsidenten in der Russland-Causa. Sowie die Attacken mehrerer Getreuer von Thomas Bach gegen Pound. Als Wortgewaltigster tat sich der Argentinier Gerardo Werthein hervor - und auch vom Präsidenten selbst kamen ein paar Spitzen. Zudem war es manch anderem der 99 IOC-Mitglieder ein Anliegen, Solidarität mit dem in der Sportpolitik so einflussreichen Russland zum Ausdruck zu bringen.

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