bedeckt München

Ribery und die Zähne:"Der Feind in meinem Mund"

Der Münchner Zahnarzt Johann Lechner hat dieses Phänomen in seinem Buch "Der Feind in meinem Mund" beschrieben und fordert einen ganzheitlichen Behandlungsansatz, der das Gebiss in die Behandlung von Schmerzen an anderer Stelle einbezieht. Auch Jochen Gruber, Sportmediziner beim Bundesligisten 1. FC Nürnberg sieht diese Notwendigkeit: "Jeder dritte Patient von mir muss ein Kieferpanorama erstellen lassen."

Das heiße nicht, dass bei jedem Zwicken in der Wade gleich der Bindfaden um den Backenzahn gewickelt werden müsse und das Gebiss an jeder Nagelbettentzündung Schuld sei, betont Gruber. "Aber wenn man die Zähne vergisst, kann es schnell passieren, dass Entzündungen jahrelang unentdeckt bleiben, was im Spitzensport Gelenke oder Muskeln beeinträchtigt."

Im Leistungszentrum Nürnberg werden den angehenden Profis deswegen vorsorglich so früh wie möglich die Weisheitszähne entfernt. Deutschlands einst bekanntester Zahnarzt im Fußballgeschäft, der frühere Schiedsrichter Markus Merk, rief Fußballer regelmäßig dazu auf, nicht nur auf die Zähne zu beißen, sondern sich auch um deren Pflege zu kümmern. "Bundesliga-Kicker, die ihre Zahngesundheit vernachlässigen, setzen ihre sportliche Leistungsfähigkeit aufs Spiel", warnte Merk in einem Vortrag vor der WM 2006.

Die Mahnung gilt nicht nur im Fußball: "Ein entzündeter Zahn ist wie ein Giftspeicher, der den Körper ständig mit Toxinen überflutet", sagt der Düsseldorfer Zahnarzt Martin Jörgens, der bei den Spielen 2008 in Peking im Deutschen Haus die Sportler behandelt hat. Laut einer Studie des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) müssen bei Olympischen Spielen bis zu 40 Prozent der Teilnehmer dentalmedizinisch behandelt werden.

Das Tröstliche an dieser hohen Zahl: Die Athleten begeben sich heute in fachmännische Behandlung. Der frühere brasilianische Fußballer Ramalho dagegen nahm seine Zahnprobleme nicht ernst und schluckte einfach in Eigenbehandlung ein Schmerzmittel. Die Schmerzen im Kiefer nahmen danach zwar ab, doch Ramalho lag tagelang mit Magenproblemen im Bett. Die vermeintlichen Schmerztabletten waren Zäpfchen.

© sueddeutsche.de/hum
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema