Franck Ribéry Der Rekordmeister

London, 2013, sein größter Moment: Franck Ribéry (unten) und die Champions-League-Trophäe.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)
  • Bayern-Profi Franck Ribéry spricht auf einer Pressekonferenz über seinen Abschied, den der Klub am Sonntag offiziell verkündet hatte.
  • Der 36-Jährige sagt, dass er nach dem Sommer weiterspielen wolle - wo, das wisse er aber nicht.
  • Nach ein, zwei Jahren will er zu "100 Prozent wieder nach München" zurückkommen, womöglich auch in anderer Funktion in den Klub.
Von Benedikt Warmbrunn

Sie haben ihm in München in zwölf Jahren viele Namen gegeben. Freunde des Französischen riefen ihn Filou oder auch Flagada, also: hundemüde, schlapp. Andere bajuwarisierten seinen Vornamen, sie nannten ihn Franz, oder sie nannten ihn - preußisch streng ausgesprochen - Frank. Bloß Franck, französisch ausgesprochen, mit mehr als einem "o" in der Mitte und dem klingenden "ck" am Ende, das hörte er selten. Nun aber, zweieinhalb Wochen vor dem Ende der zwölf Jahre, wird Franck Ribéry mit großer Selbstverständlichkeit als "König von Bayern" bezeichnet: Wen könne er, König von Bayern, sich als Nachfolger vorstellen? Kingsley Coman? David Alaba?

Ribéry, vor 36 Jahren geboren in der nordfranzösischen Hafenstadt Boulogne-sur-Mer, im Sommer 2007 eingewandert nach Bayern, antwortet mit ebenso großer Selbstverständlichkeit. Er glaube, sagt Ribéry, das werde "natürlich schwer". Kingsley habe "gute Qualitäten", sicher. Alaba, klar, den kenne er schon, seit dieser 16 Jahre alt war. Dann gebe es noch Rafinha, Thomas Müller, Manuel Neuer. Ribéry sagt: "Es ist schwer." Er, der sich nie um einen Scherz gedrückt hat, verzieht keinen einzigen Gesichtsmuskel. Was soll er auch sagen, als König von Bayern, den es so nie wieder geben wird?

Karriere von Franck Ribéry

Dribbler, Titelsammler, Hitzkopf

Am Dienstag hat der FC Bayern dem dienstältesten Profi das Podium freigeräumt, er darf erklären, was der Klub bereits als Mitteilung verschickt hatte: dass die verbliebenen zwei Bundesligaspiele dieser Saison sowie das Pokalfinale in Berlin seine letzten Partien im Trikot des FC Bayern sein werden. Nicht viele Spieler bekommen dieses Podium geboten. Aber nicht viele Spieler haben den Verein so geprägt wie Ribéry. Es ist der Auftakt seiner Abschiedstournee.

Ribéry könnte zum neunten Mal deutscher Meister werden

Also erzählt er, es sei "viel passiert in meinem Kopf", es sei "nicht einfach" gewesen, es ist wohl eine diplomatische Version dafür, dass er schon gerne weiter in München gespielt hätte, dass er aber einsehen musste, dass seine Zeit als Bayern-Profi vorbei ist. Noch wisse er nicht, was er nach dem Sommer mache, weiterspielen wird er, das schon, aber wo, keine Ahnung. "Es gibt ein paar Optionen", darunter die Western Sydney Wanderers, trainiert von Markus Babbel; einen Wechsel nach Australien schließt Ribéry zumindest nicht aus. Nach ein, zwei Jahren wolle er zu "100 Prozent wieder nach München" zurückkommen, womöglich auch in anderer Funktion in den Klub. "Ja, vielleicht, wir haben natürlich geredet."

Von zwölf Jahren bleiben viele Erinnerungen, die schwerste: das verlorene Finale in der Champions League 2012 gegen Chelsea, in der eigenen Arena. Die schönste: das gewonnene Finale in der Champions League 2013 in London gegen Dortmund, das entscheidende Tor hatte Ribéry vorbereitet, ein Pass auf Arjen Robben, seinen kongenialen Partner auf dem anderen, dem rechten Flügel; auch der Niederländer hört im Sommer in München auf. "Das war Wahnsinn, super, das war ein Traum", sagt Ribéry.

Doch er war nie einer, der sich lange mit der Vergangenheit beschäftigt. Er will noch den Pokal gewinnen, die Meisterschaft auch, es wäre seine neunte. Er wäre dann der Rekordmeister unter den Bundesligaspielern, "sehr wichtig" sei das für ihn, "das ist historique". Und wenn die zwölf Jahre historisch enden, so sieht das Franck Ribéry, dann enden sie auch gut.

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