René Adler Torwart vom Dach

Torwart René Adler.

(Foto: Daniel Roland/AFP)

Zwölf Länderspiele, elf Operationen: René Adler beendet mehr als ein Jahr nach seinem letzten Spiel die Karriere.

Von Sebastian Fischer

Was bleibt übrig von Sportlerkarrieren, wenn sie enden? Im Fall des Torhüters René Adler unter anderem eine Dachbodenwohnung in Leverkusen. Dort, im Haus von Rüdiger Vollborn, war Adler im Jahr 2000 als 15-Jähriger eingezogen, nach seinem Wechsel vom VfB Leipzig ins Nachwuchsleistungszentrum von Bayer 04. Ja, die Wohnung gebe es noch, sagt Vollborn, der damals Leverkusens Torwarttrainer war. Vollborn, 401 Bundesligaspiele, erzählte damals schon, dass er Adler als einen kommenden Nationaltorhüter sehe.

Vielleicht wird der Abschied von Adler, 34, am Samstag etwas untergehen. In Mainz wird Kapitän Niko Bungert geehrt, der nach elf Jahren im Klub seine Karriere beendet, außerdem wird Klaus Hafner nach fast 30 Jahren in den Ruhestand gehen, der einzige Stadionsprecher in Deutschland, den auch die Gäste-Fans feiern. Adler stand im April 2018 zuletzt im Tor, bevor er sich einen Knorpelschaden im linken Knie zuzog. Er hat schon zu Beginn des Monats öffentlich gemacht, dass er mit dem Fußball aufhört.

Vollborn, der immer Ratgeber geblieben ist, sagt, die Traurigkeit werde sich in Grenzen halten: "Es überwiegt die Vorfreude auf das, was kommt." Erst wenn man ihn nach einem Fazit zu Adlers Karriere fragt, wird er nachdenklicher. "Eigentlich habe ich mir mehr erhofft", sagt er.

Adler wurde Nationaltorhüter, im Frühjahr 2010 war er die Nummer eins einer Mannschaft, die im Sommer bei der Weltmeisterschaft in Südafrika begeistern sollte. Doch Adler brach sich im April 2010 im Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart die Rippe. Und im Mai sagte er die WM-Teilnahme ab. Der Rippenbruch sei "das Stoppschild meines Körpers" gewesen, sagte Adler dem Stern in jenem offenen Interview, in dem er sein Karriereende bekannt gab und über Ängste sprach, die ihn gleichzeitig trieben und behinderten. Er sagte: "Ich bin davon überzeugt, dass mein Körper damals mit den Verletzungen darauf reagiert hat, dass ich mir zusätzlich zu diesem Druck von außen auch selbst einen immensen innerlichen Druck gemacht habe." Die Verletzungen, elf Operationen nach eigener Zählung, seien der Grund fürs Aufhören: "Das Vertrauen in den Körper ist einfach nicht mehr da."

Adler stand nach der WM 2010 noch dreimal im deutschen Tor, zwölf Länderspiele machte er, 269 Bundesligaspiele für Leverkusen, Hamburg und Mainz. Er war stets ein nachdenklicher, reflektierter Profi. Er könne sich einen Job als Fußballmanager oder TV-Experte vorstellen, sagte er dem Kicker. Es bleibt also viel übrig von dieser Karriere.