Hertha in der Relegation:"Der Prince ist ein Finalspieler"

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Hertha in der Relegation: Trainer Felix Magath (links) und sein "Finalspieler" Kevin-Prince Boateng.

Trainer Felix Magath (links) und sein "Finalspieler" Kevin-Prince Boateng.

(Foto: Maja Hitij/Getty Images)

Hertha-Trainer Magath setzt im entscheidenden Relegationsduell auf Kevin-Prince Boateng - und schiebt dem Hamburger SV klar die Favoritenrolle zu.

Von Javier Cáceres, Berlin

Am Sonntagmorgen wurde der Mannschaftsbus vor dem Kabinentrakt des Trainingsgeländes von Hertha BSC noch für die Abfahrt präpariert, da steckten Felix Magath und Fredi Bobic die Köpfe zusammen. Und die hadernden Gesten Magaths und auch der Ton, der den übers Gelände fliegenden Wortfetzen zugrunde lag, ließen nicht unbedingt den Schluss zu, dass der 68-Jährige in optimistischer Laune zu seiner nächsten Dienstreise aufbrach. An diesem Montag steht das Rückspiel in der Relegation gegen seinen Hamburger SV an, deren Fans ihn womöglich aus alter Dankbarkeit hochleben lassen.

Und dennoch: Als Magath vor die Medien trat, war er darum bemüht, so etwas wie Zuversicht zu vermitteln, die den Anhängern der Hertha nach der 0:1-Hinspielpleite vom Donnerstag komplett abhanden gekommen ist. "Im Moment sind wir raus. Wir können ja nur noch gewinnen", sagte Magath. "Jetzt ist der HSV derjenige, der was zu verlieren hat. Jetzt ist der Druck beim HSV und nicht mehr bei uns." Magaths Kollege Tim Walter nahm das Geplänkel entspannt und dankend an. "Druck ist ein Privileg" und für den HSV längst zum treuen Begleiter geworden, sagte Walter: "Wir haben gefühlt seit Wochen Endspiele."

Magath versucht, Boateng starkzureden: "Der Prince ist ein Finalspieler"

Nun ist es allerdings nicht ganz so, dass die Hertha im ausverkauften Volksparkstadion nichts zu verlieren hätte. Auf dem Spiel steht noch immer die Erstliga-Zugehörigkeit, drei Jahre nach dem Einstieg des Investors Lars Windhorst. Seit Tagen gibt es Gerüchte um einen bevorstehenden Rücktritt von Präsident Werner Gegenbauer, mit dem er einer möglichen Abwahl bei der Mitgliederversammlung am kommenden Sonntag zuvorkommen könnte. Auch Windhorst plant, sich vor den Mitgliedern zu Wort zu melden; ein erster Gegenkandidat, der früher den Hertha-Ultras angehört und mittlerweile als Unternehmer tätig ist, hat bereits signalisiert, Gegenbauer folgen zu wollen. "Die Woche wird sicherlich nicht langweilig werden", sagte Manager Fredi Bobic. "Aber was war schon langweilig in diesem Jahr." Er habe bei den Spielern Wut über den Auftritt vom Donnerstag wahrgenommen und hofft darauf, dass sie diese in Energie umwandeln.

Rein sportlich wiederum setzt Magath darauf, dass die Rückkehr des im Hinspiel gelbgesperrten Mittelfeldabräumers Santi Ascacíbar der Mannschaft mehr Aggressivität und Kompaktheit verleiht. Vor allem aber versuchte Magath den als Führungsspieler geholten Kevin Prince Boateng stark zu reden, der am Donnerstag nicht eine Minute gespielt hatte.

Boateng werde am Montagabend "eine große Rolle spielen", sagte Magath über den 35-Jährigen, der im vergangenen Sommer nach 14 Jahren Abwesenheit wie ein verlorener Sohn begrüßt worden war. "Der Prince ist ein Finalspieler. Der weiß, wie das geht." Man müsse nur an das Pokalfinale zurückdenken, das Boateng mit Eintracht Frankfurt im Mai 2018 gegen den FC Bayern gewann. Boateng bestritt in der abgelaufenen Saison allerdings nur 18 Spiele für die Hertha, keines davon über die volle Distanz. Am Montag könnte es eine Verlängerung geben.

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