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Relegation:"Mir ist so unwahrscheinlich schlecht"

Relegation ist immer Drama, doch manchmal geht es wie in Ingolstadt besonders grausam zu. Die knappsten Entscheidungen in der Geschichte der Bundesliga-Relegation.

Von Lisa Sonnabend

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Quelle: imago sportfotodienst

Ein einziges Duell, das über eine ganze Saison entscheidet: Die Relegation ist die fieseste und zugleich spannendste Konstellation im Fußball. Nie geht es um so viel. Von 1982 bis 1991 wurde in der Bundesliga ein Relegations-Duell ausgetragen, in dem der Tabellen-16. der ersten Liga auf den Tabellendritten der zweiten Liga traf. Für die Saison 2008/2009 wurde die grausame Entscheidung dann wieder eingeführt - fortan auch für die 2. und 3. Bundesliga. Eine Übersicht über die knappsten Auf- bzw. Abstiege.

Saison 1987/1988 - Relegation zur Bundesliga

3:3 steht es nach zwei Relegations-Duellen 1988 zwischen Waldhof Mannheim und dem SV Darmstadt 98. Es kommt, wie damals üblich, zum Entscheidungsspiel. In diesem trifft keines der Teams - und so muss zum einzigen Mal in der Geschichte der Relegation ein Elfmeterschießen über die Ligazugehörigkeit entscheiden. Dies endet 5:4 für den Waldhof. Darmstadts Karl-Heinz Emig, der verschießt, stöhnt danach: "Mir ist so unwahrscheinlich schlecht."

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Saison 2011/2012 - Relegation zur Bundesliga

Fortuna Duesseldorf v Hertha BSC Berlin - Bundesliga Relegation 2012

Quelle: Bongarts/Getty Images

Das turbulenteste Relegationsspiel der Geschichte findet zum Abschluss der Saison 2011/2012 statt. Fortuna Düsseldorf empfängt nach einem 2:1 im Hinspiel Hertha BSC. Die Atmosphäre ist aufgeladen, immer wieder werden bengalische Feuer abgebrannt und die Partie unterbrochen. Kurz vor dem Ende steht es 2:2 - und die Fortuna kurz vor der Rückkehr in die Bundesliga. Sieben Minuten Nachspielzeit werden angezeigt. Doch plötzlich stürmen hunderte Fortuna-Fans den Platz, manche schneiden Stücke aus dem Rasen heraus, einer sogar den Elfmeterpunkt. Eine Eckfahne verschwindet. Offenbar haben sie einen Pfiff mit dem Schlusspfiff verwechselt.

Mit Mühe werden die Fans zurückgedrängt, das Spiel wird zu Ende gebracht. Die Hertha-Spieler wollen zunächst nicht zurück auf den Platz, sie legen später vergeblich Protest gegen die Wertung ein. Nach Schlusspfiff gehen einige Berliner auf den Schiedsrichter Wolfgang Stark los, es kommt zu einem Gerangel unter Spielern. Lewan Kobiaschwili soll dem Unparteiischen einen Schlag in den Nacken verpasst haben und wird zur bislang längsten wegen einer Tätlichkeit verhängten Sperre der Bundesligageschichte verurteilt: Er darf bis Ende 2012 nicht mehr spielen. Wochenlang wird diskutiert: Ist die Relegation zu grausam?

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Saison 2014/2015 - Relegation zur Bundesliga

Karlsruher SC v Hamburger SV - Bundesliga Playoff Second Leg

Quelle: Bongarts/Getty Images

Zum zweiten Mal in Serie tritt der Hamburger SV in der Relegation an. In der Saison zuvor rettete sich der "Bundesliga-Dino" glücklich gegen Greuther Fürth. Nun steht er gegen den Karlsruher SC kurz vor dem Aus. Nach einem 1:1 im Hinspiel führt der KSC 1:0 - doch dann wird dem HSV in der Nachspielzeit ein zweifelhafter Freistoß zugesprochen. Rafael van der Vaart will sich den Ball schnappen, doch Marcelo Díaz kommt ihm zuvor und soll dabei dem Niederländer zugeraunt haben: "Tomorrow, my friend." Morgen, mein Freund, darfst du wieder. Díaz trifft präzise in den linken Winkel. In der Verlängerung sichert Nicolai Müller dem HSV den Klassenerhalt. Drei Jahre später steigen die Hamburger schließlich doch ab - diesmal direkt.

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Saison 2014/2015 - Relegation zur 2. Bundesliga

Torjubel von Christopher Schindler 26 TSV 1860 Muenchen Stephan Hain 16 TSV 1860 Muenchen Korbi; 1860

Quelle: imago/Eibner

In der Saison 2014/2015 hat der TSV 1860 München, Deutscher Meister von 1966, mal wieder ein Ziel: der Aufstieg in die Bundesliga. Doch es kommt anders. Nach einer verkorksten Spielzeit stehen die Münchner kurz vor dem Abstieg und müssen in die Relegation gegen Holstein Kiel. Das Hinspiel endet 0:0, zum Rückspiel kommen 57 000 Fans in die Arena in Fröttmaning. Schnell liegen die Sechziger mit 0:1 hinten. Sie brauchen zwei Tore, spielen aber mutlos, fast resigniert. Das Stadion pfeift.

Doch plötzlich kehrt die Euphorie zurück: Daniel Adlung gleicht in der 78. Minute aus. Nur noch ein Treffer zum Klassenerhalt. Die Zuschauer treiben das Team an - und das lässt sich antreiben. In der Nachspielzeit stochert Kai Bülow den Ball ins Tor. Das Stadion bebt, so laut ist es in der Arena in Fröttmaning nur selten gewesen. Nach Abpfiff weinen beide Teams.

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Saison 2019/2020 - Relegation zur 2. Bundesliga

FC Ingolstadt v 1. FC Nürnberg - 2. Bundesliga Playoff Leg Two

Quelle: Bongarts/Getty Images

Mit einem 2:0-Polster geht der 1. FC Nürnberg in das Relegationsrückspiel am Samstagabend gegen den FC Ingolstadt, der Verbleib in der 2. Liga scheint fast geschafft zu sein. Doch innerhalb von 13 Minuten trifft Ingolstadt drei Mal, nach 63 Minuten steht es 3:0. Bei Nürnberg läuft nichts zusammen. Die Nachspielzeit ist eigentlich schon abgelaufen, da versucht es Nürnberg mit einem letzten langen Ball. Ein Gestochere, dabei landet der Ball irgendwie bei Fabian Schleusener - und der stöpselt ihn tatsächlich über die Torlinie. Nürnberg-Trainer Kai Wiesinger brüllt, er weint sogar ein bisschen und sagt: "Wir müssen uns beim Fußball-Gott bedanken, dass er uns nochmal die Hand gereicht hat."

© SZ.de/cag

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