Bundesliga-Relegation:Drama bis zum 14. Elfmeter

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Ausgelassen feiern die Bochumer Spieler nach dem Elfmeterschießen. (Foto: REUTERS)

Aus 0:3 wird 3:3 – und dann der Sieg im Elfmeterschießen: Der VfL Bochum dreht das Relegationsrückspiel gegen Düsseldorf und bleibt im vierten Jahr nacheinander erstklassig. Der letzte Fehlschütze der Fortuna ist untröstlich.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Es hatte keinen Zweifel gegeben für die Düsseldorfer, im Grunde nicht den geringsten. „Nächster Halt: 1. Bundesliga“, stand vor dem Spiel auf der Anzeigetafel an der Straßenbahnendhaltestelle der Düsseldorfer Arena. „Wir sind wieder da“, sangen die Fans vor dem Anpfiff. „Fortuna gewinnt“, hatten die Ultras auf ein riesiges Transparent gemalt, das vor dem Spiel den halben Fanblock überdeckte. Musste noch mehr gesagt werden?

3:0 hatte der Zweitligadritte Fortuna Düsseldorf das Relegationshinspiel beim Drittletzten der Fußball-Bundesliga, dem VfL Bochum, am vergangenen Donnerstagabend gewonnen. Noch nie in der Geschichte der Bundesligarelegation hat eine Mannschaft einen derart hohen Malus aus dem Hinspiel wettgemacht – doch dem VfL Bochum ist am Montagabend in der Düsseldorfer Arena am Rhein genau das tatsächlich gelungen.

Zwei von Kevin Stöger vorbereitete Kopfballtreffer von Philipp Hofmann (18. und 66.) und das 3:0 per Handelfmeter durch Stöger in der 70. Minute egalisierten Bochums Niederlage im Hinspiel. Mit diesem Ergebnis ging es in die Verlängerung – und in das erste Elfmeterschießen seit Wiedereinführung der Relegation zur Saison 2008/2009. Nie zuvor war über Bundesliga oder zweite Liga auf diese undankbare Weise entschieden worden. Und es brauchte insgesamt 14 Elfmeter. Maximilian Wittek verwandelte für Bochum zum 6:5. Anschließend schoss Takashi Uchino für Düsseldorf über das Tor. Der Japaner brach danach in Tränen aus und war minutenlang von keinem zu trösten.

Untröstlich: Takashi Uchino brach nach seinem verschossenen Elfmeter in Tränen aus. (Foto: Reuters)

Mit einem 9:5 (3:0, 1:0)-Sieg nach Elfmeterschießen also drehte der VfL Bochum die bis dato unglaublichste Relegation noch zu seinen Gunsten und darf in der kommenden Spielzeit die vierte Bundesligasaison in Serie spielen. Fortuna Düsseldorf hingegen, das sich nach dem Hinspiel schon in der höchsten nationalen Spielklasse gewähnt hatte, bleibt eine fünfte Saison in Serie in der zweiten Liga.

„Wir haben so gut vorgelegt, wir waren so dicht dran, und deswegen tut es umso mehr weh - das ist nachzuvollziehen“, sagte Düsseldorfs Sportvorstand Klaus Allofs nach dem Spiel bei Sat.1: „Ich habe es gesagt: Wir brauchen zwei gute Spiele, und heute war es kein gutes Spiel. Alle, die einen Haken dran gemacht haben: Die haben keine Ahnung.“

Bochums Torhüter Andreas Luthe (l) jubelt mit seinen Mannschaftskameraden nach dem gewonnenen Elfmeterschießen. (Foto: dpa)

Die Düsseldorfer waren, wie im Hinspiel, auch in dieses Rückspiel zunächst nicht sonderlich nervös, sondern seriös gezogen und kamen anfangs zu eigenen guten Chancen, dem 3:0 aus dem Hinspiel vier Tage gewissermaßen das 4:0 folgen zu lassen. Doch diesmal waren sie nicht so eiskalt wie letzten Donnerstag in Bochum. Diesmal gingen die Bochumer früh in Führung und witterten auch früh eine Sensation.

Angetrieben vom Spielmacher Stöger, tauchten die Bochumer immer wieder gefährlich vor dem Düsseldorfer Tor auf. Zur Pause, beim 0:1, wähnten sich die Düsseldorfer womöglich noch in der Bundesliga, doch die Bochumer Aufholjagd ging in der zweiten Halbzeit weiter. „Das wird noch ein heißer Tanz“, vermutete in der Pause bei Sky Fortunas Sportvorstand Klaus Allofs. Er sollte mit seiner Ahnung Recht behalten.

34 Spieltage, über die ein Fehlschuss richtet: Düsseldorfs Takashi Uchino schießt seinen Elfmeter über das Tor. (Foto: Reuters)

Bevor die zweite Halbzeit angepfiffen wurde, dröhnten natürlich die Toten Hosen, Düsseldorfs ureigenste Punkband, aus den Lautsprechern – aber was sangen sie da? „Dass uns jetzt kein Unglück geschieht, dafür kann ich nicht garantieren“, hieß es in einer Zeile.

Zunächst glücklos rannten die Bochumer auf den zweiten Treffer an, hatten Pech, ließen meist die Präzision vermissen. Es dauerte bis zur 66. Minute, ehe wieder Hofmann per Kopfball das 2:0 erzielte und damit einen noch intensiveren Offensivlauf auslöste, der auch alsbald belohnt wurde. Ein Handspiel des Düsseldorfers Matthias Zimmermann im eigenen Strafraum bedeutete einen Elfmeter für Bochum, den Stöger in der 70. Minute zum 3:0 verwandelte.

Nun wogte das Spiel hin und her, erst im Angesicht der für unmöglich gehaltenen sportlichen Katastrophe wehrten sich die Düsseldorfer gegen das drohende vierte Gegentor und versuchten, das Drama mit dem eigenen Treffer zu beenden. Bis zum Ende der regulären Spielzeit gelang ihnen das nicht. Es ging in die Verlängerung, in der die Düsseldorfer am Ende die besseren Chancen auf einen Lucky Punch besaßen. Doch es bedurfte des Elfmeterschießens, um diese Angelegenheit zu klären. „Nie mehr zweite Liga“, sangen ganz am Ende die Bochumer Fans.

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