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Rekord-Skifahrerin:Christl Cranz ist tot

Die erfolgreichste deutsche Skirennläuferin aller Zeiten ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

Der alpine Skisport in Deutschland trauert um seine größte Athletin: Christl Cranz ist am Dienstag im Alter von 90 Jahren in ihrem Heimatort Steibis im Oberallgäu gestorben. Ihre Rekorde werden sie wohl noch lange überdauern. Bei Weltmeisterschaften gewann die "rasende Studienrätin" zwischen 1934 und 1939 zwölf Gold- und drei Silbermedaillen - damit führt Christl Cranz bis heute noch die internationale WM-Bestenliste klar vor dem Norweger Kjetil-Andre Aamodt an. Ihren größten Erfolg feierte sie aber 1936 bei den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen, wo sie Gold im Slalom und in der Kombination holte.

Christl Cranz bei den Olympischen Winterspielen 1932 in Garmisch-Partenkirchen.

Christl Cranz bei den Olympischen Winterspielen 1932 in Garmisch-Partenkirchen.

(Foto: Foto: dpa)

Geboren wurde sie am 1. Juli 1914 in Brüssel. Nach der Flucht aus der belgischen Hauptstadt mit den Eltern vier Jahre später fand die Familie Cranz zunächst in Traifelberg bei Reutlingen ein neues Zuhause. Als Sechsjährige stand Christl in der Schweiz erstmals auf Skiern. Ihre späteren Erfolge führte sie stets mehr auf ihren Fleiß als auf ihr Talent zurück.

"Besser, stärker und überlegener"

Die Anzahl ihrer Siege konnte Christl Cranz nach ihrer Karriere, die in den Kriegswirren des Jahres 1941 endete, selbst nicht mehr benennen: "Alles im allem dürften es zwischen 280 und 330 Siege gewesen sein - ich habe da nicht mitgezählt." Ihren größten und wohl auch ungewöhnlichsten Erfolg feierte sie 1936 bei Olympia in Garmisch-Partenkirchen.

Cranz stürzte im Abfahrtslauf und verlor auf die Norwegerin Laila Schou-Nielsen 19 Sekunden. Einen Tag später nahm sie ihrer Konkurrentin im Slalom 21,3 Sekunden ab und gewann doch noch Gold. Jahrzehnte später sagte sie einmal nicht ohne Stolz über diesen Triumph: "Ich war damals einfach viel besser, stärker und überlegener als die anderen."

1991 wurde sie in die "Hall of Fame" des internationalen Frauensports aufgenommen. Beim Deutschen Ski-Verband (DSV), bei dem sie bis 1964 im Vorstand vertreten war, ist sie Ehrenmitglied. Der Trubel um ihre Person hat ihr nie viel bedeutet. Ab 1947 leitete die Autorin mehrerer Ski-Fachbücher (u.a. "Skilauf für die Frau") gemeinsam mit ihrem Mann Adolf Borchers in Steibis ihre eigene Skischule. Dort trat sie als Chefin erst nach 40 Jahren im Jahr 1987 zurück, aber noch bis ins hohe Alter wagte sie sich auf die Bretter, die für sie die Welt bedeuteten.

Ihren Nachfolgerinnen neidete sie auch den finanziellen Erfolg nie. "Meine aktive Zeit im Sport war herrlich. Wir hatten viel Spaß, alles war sehr kameradschaftlich. Wo gibt es das heutzutage noch?", fragte sie einmal. Nach einem Treppensturz kurz vor ihrem 90. Geburtstag, den sie am 1. Juli im engsten Familienkreis feierte, war ihre Gesundheit angegriffen.