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Rekord in der BBL:In Ulm regiert die Basketball-Ekstase

Telekom Baskets Bonn - ratiopharm Ulm

Per Günther (re.) ist der Kopf und das Herz bei Ratiopharm Ulm - der kleine Aufbauspieler war zuletzt angeschlagen, jetzt führt er wieder Regie.

(Foto: dpa)
  • In der Basketball-Bundesliga hat Ratiopharm eine uralte Bestmarke eingestellt: 25 Siege in Serie - das gab es zuletzt 1970.
  • Dass die Ulmer so gut sind, liegt an der klugen Kaderplanung - viele Spieler sind schon länger im Klub.
  • Trotzdem hat der Verein auch Sorgen.

Es kommt nicht alle Jahre vor, dass eine Mannschaft so oft nacheinander siegt, wie Ratiopharm Ulm das gerade in der Basketball-Bundesliga tut: Am Sonntag gewannen die Ulmer ihr 25. Punktspiel in Serie, 87:69 (52:30) bei den Telekom Baskets Bonn. Damit sind sie nicht bloß seit Saisonbeginn ungeschlagen - sie haben auch die Liga-Bestmarke von Rekordmeister Bayer Leverkusen aus der Saison 1969/70 eingestellt.

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Ulmer Basketballer egalisieren Rekord

25 Siege in Serie - das schaffte bisher nur ein anderer Verein. Angelique Kerber gewinnt ein besonderes Duell. Der THW Kiel kassiert die höchste Niederlage seiner Champions-League-Geschichte.

Noch viel seltener als so eine Erfolgsserie kommt es freilich vor, dass eine Mannschaft diese behandelt wie lästige Kopfschmerzen. "Das ist nur eine Begleiterscheinung", beschwichtigt Ulms Spielmacher Per Günther. Und Trainer Thorsten Leibenath diagnostiziert: "Bis vor zwei Wochen wusste keiner, dass Leverkusen diesen Rekord aufgestellt hatte, weil er keine große Bedeutung hat. Jetzt ist er halt für eine Woche in den Köpfen drin."

Die Bestmarke erreicht zu haben, sei zwar "eine coole Sache, klar", wie Günther sagt; das sei "auch nett", formuliert es Leibenath. Aber wenn man die beiden zentralen Figuren des Ulmer Teams richtig versteht, meinen sie vor allem: Ruhe bewahren, dann legt sich die ganze Aufgeregtheit um diese Rekordserie schon von alleine.

So schön eine solche Erfolgsserie ja sein mag, sie birgt immer ein Problem: Je länger sie dauert, desto näher kommt sie ihrem Ende. Und das Ende der Ulmer Serie kommt sogar bedrohlich nahe: In den nächsten drei Liga-Partien bekommt es der Tabellenführer zunächst am Samstag zu Hause mit Alba Berlin zu tun, dem Fünften; dann muss er zum ärgsten Verfolger, zu Meister Brose Bamberg; und danach empfängt er den aktuell drittplatzierten FC Bayern München zu einem weiteren Gipfeltreffen. Angesichts dieses Programms macht sich Trainer Leibenath keine Sorge, dass die Spannung seiner Spieler jetzt nachlässt wegen des erreichten Rekordes. "Wenn wir jetzt anfangen würden, uns zu entspannen, wäre das nicht der beste Moment", pflichtet Günther bei.

In Ulm machen sie sich jedenfalls weniger Gedanken über die Serie, die hinter ihnen liegt, als über die Aufgaben, die noch bevorstehen. "Momentan haben wir noch nichts erreicht außer das Viertelfinale", mahnt Thorsten Leibenath die euphorisierte Anhängerschaft, in der schon der erste Meistertitel der Klubgeschichte ersehnt wird. "Ich kann jeden Fan verstehen, der auf die Tabelle schaut und deswegen mit dem Träumen anfängt", sagt der 41-Jährige: "Aber wir werden nicht fürs Träumen bezahlt."

Weshalb die Bedeutung der Partie in Bonn für ihn auch viel weniger auf der Einstellung des Siegrekordes lag als vielmehr auf der Sicherung des Heimvorteils in der ersten Playoff-Runde. Den bekommt ein Team als Belohnung, wenn es nach den 34 Spieltagen der Hauptrunde einen der ersten vier Plätze belegt; von denen sind die Ulmer jetzt nicht mehr zu verdrängen. "Ich weiß nicht, ob es realistisch ist, Erster zu werden in der Hauptrunde", sagt Günther, "aber es wäre schön, wenigstens den zweiten Platz zu sichern."

Längste Siegesserien der Basketball-Bundesliga

In einer Spielzeit

25 Siege: Bayer Leverkusen 1969/70

25 Siege: Ratiopharm Ulm 2016/17

24 Siege: Alba Berlin 1996/97

24 Siege: Alba Berlin 2000/01

20 Siege: VfL Osnabrück 1966/67

20 Siege: Brose Bamberg 2015/16

Saisonübergreifend

32 Siege: Alba Berlin 1999 - 2001

28 Siege: Bayer Leverkusen 1968 - 1971

26 Siege: Brose Bamberg 2015 - 2016

Es ist ja nicht so, dass die Ulmer unbezwingbar geworden sind für die nationale Konkurrenz, "dass wir seit fünf, sechs Monaten nur Ekstase erleben", wie der 29-Jährige sagt: "Wir haben schon auch verloren zwischendurch." In der Eurocup-Zwischenrunde mussten sich die Ulmer zweimal dem FC Bayern beugen, 57:68 zu Hause und 98:101 in München.