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Reitsport: Pferd von Werth positiv:Humanmedizin im Tier

Dafür sprach der Rest der Reitsports. FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau: "Ich bin erschüttert. Das ist eine Katastrophe." Dressur-Bundestrainer Holger Schmezer: "Ich bin erschrocken. Das verstehe ich nicht." Aktivensprecherin Heike Kemmer, Werths Teamkollegin beim Gewinn des Team-Golds 2008 in Hongkong: "Ich bin völlig sprachlos. Da fällt mir nichts zu ein." FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach: "Das ist ein Schlag. Wir sind hier alle völlig fertig."

Etwas Schlimmeres kann dieser ohnehin seit Monaten um einen Rest von Glaubwürdigkeit ringenden Sportart kaum passieren, als ein möglicher Dopingfall bei ihrer Vorzeige-Athletin. Inhaltlich trug indes nur die Mäzenin Madeleine Winter-Schulze ein kleines Detail zum Sachverhalt bei, die Besitzerin der von Isabell Werth gerittenen Weltklasse-Pferde. Sie sei ihrem Schützling "nicht böse", sagte sie dem Sportinformationsdienst, denn "Isabell konnte ja nichts dazu. Es hatte einige Tage zuvor eine Behandlung gegeben, aber der Arzt hatte Grünes Licht für das Turnier in Wiesbaden gegeben".

Was das für eine Behandlung gewesen sein soll, wird für Isabell Werth und den Tierarzt ihres Vertrauens nicht einfach zu erklären sein. Anders, als am Mittwoch von verschiedenen Quellen verbreitet, ist Fluphenazin für die Behandlung von Tieren gar nicht zugelassen.

"Das hat in einem Pferd nichts zu suchen", sagt der Dortmunder Tierarzt Eberhard Schüle, Vorstand der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM). Allerdings tauchen Mittel aus der Humanmedizin immer wieder in Turnierpferden auf: Auch der Psycho-Cocktail, mit dem das Olympiapferd des Iren Cian O'Connor 2004 aufgeflogen war, enthielt Fluphenazin.

Isabell Werth droht nun die Mindestsperre von zwei Jahren. Und auch ihr Tierarzt müsste sich kritischen Fragen stellen. Selbst wenn bei einem Pferd eine sehr spezielle Erkrankung vorliegt, muss ein Tierarzt zunächst auf Medikamente für Kühe, Hunde oder Katzen zurückgreifen, ehe er zur Apotheke des Menschen greifen darf. "Die Indikation muss auf den Tisch", fordert Eberhard Schüle. Das wäre einfacher, wenn schon heute jeder Reiter gezwungen wäre, Behandlungen in ein Medikamentenbuch einzutragen.

Doch bisher zieren sich die Reiter, die ja oft auch als Pferdehändler agieren, ihre Medikamentengaben im Einzelnen offen zu legen. Kürzlich hatte Isabell Werth bei einer Podiumsdiskussion noch gesagt: "Es ist völlig selbstverständlich, dass Stallinterna und die Behandlung von Pferden nur den Pferdebesitzer und das Stallpersonal etwas angehen und niemanden anders."