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Reitsport:Letzte Zweifel

Um an Nationenpreisen und an der Europameisterschaft in Rotterdam im August teilzunehmen, müssen die Spitzenreiter Christian Ahlmann und Daniel Deußer die Athletenvereinbarung unterschreiben. Einer der beiden zögert noch.

Man ist sich näher gekommen, aber für den Bruderkuss reicht es noch nicht. Noch immer haben Christian Ahlmann, 44, und Daniel Deußer, 37, die Athletenvereinbarung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nicht unterschrieben. Darin verpflichten sich die Kaderreiter unter anderem dazu, ein Stallbuch zu führen, in dem jegliche Medikation der Top-Pferde festgehalten ist, zudem dazu, im Streitfall auf den Gang zu öffentlichen Gerichten zu verzichten. Ahlmann (Marl) und Deußer (Wiesbaden) gehören zur internationalen Springreiter-Spitze, sie gehen als Nummer eins und zwei der Punkteliste ins Weltcup-Finale kommende Woche in Göteborg.

Um an Nationenpreisen und an der Europameisterschaft in Rotterdam im August teilzunehmen, müssen sie allerdings vorher die Athletenvereinbarung unterschreiben. Das verlangen DOSB, der deutsche Reiterverband FN und letztlich auch das Bundesministerium des Inneren (BMI). Zwar haben beide vor den Olympischen Spielen in Rio 2016 unterschrieben, aber erst im letzten Moment, und im WM-Jahr 2018 überhaupt nicht. Sie werden sportlich dringend gebraucht, Bundestrainer Otto Becker und die FN-Führung suchen seit Wochen das Gespräch, besuchten die beiden Reiter zuhause und fahndeten nach Versöhnung und Kompromissen.

Beide Reiter haben schlechte Erfahrungen mit der Loyalität des Verbandes gemacht. Sie betonen, es gehe ihnen nicht darum, Dopingfälle zu vertuschen. Die Streitfälle liegen mehr als zehn Jahre zurück, aber die Verbitterung ist geblieben.

Daniel Deußer stieß sich vor allem an den Geldstrafen, die sofort fällig werden, falls das Stallbuch eine Unstimmigkeit aufweist, zum Beispiel, wenn bei den unangemeldeten Trainingskontrollen eine Substanz gefunden wird, die nicht dokumentiert ist. "Diese Vertragsstrafen werden für 2019 ausgesetzt", verkündete FN-Sportchef Dennis Peiler bei der Jahrespressekonferenz in Warendorf: "Natürlich gilt das für alle Kaderreiter in allen Disziplinen." Als Folge hat Deußer signalisiert, dass er die Vereinbarung unterschreiben wird. Auch seine Anregung, einen Runden Tisch einzurichten, an dem die Reiter ihre Anliegen vortragen können, wurde aufgegriffen.

Christian Ahlmann zaudert noch. Für ihn ist es vor allem der Verzicht auf den Gang zu öffentlichen Gerichten, der ihn davon abhält, zu unterschreiben. Er fühle sich bei öffentlichen Gerichten besser aufgehoben als bei einer Verbandsjury, sagt er. "Wenn der eine Partner eine so viel stärkere Position hat, weil er weiß, ich kann nicht zum Gericht gehen, muss man ihm auch vertrauen können", sagt er. Und das kann er offenbar im Moment noch nicht.

Grundsätzlich ist dieser Punkt allerdings nicht verhandelbar, er gilt für alle Spitzensportler, das verlangt der DOSB. So muss Otto Becker weiter warten. Es geht dabei nicht nur um Fakten, auch um Emotionen. Fast beschwörend sagt der der 60-jährige Bundestrainer: "Ich habe mit Christian noch gemeinsam bei Olympischen Spielen und Championaten Medaillen gewonnen. Er ist ein Teamplayer und eine wichtige Kraft in der Mannschaft. Wir können auf ihn nicht verzichten." Er hofft, das Christian Ahlmann, der zweimalige Mannschafts-Europameister, dies bald auch so sieht.