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Reitsport:Tödlicher Galopp durch den See

03 07 2019 Hamburg Hansestadt Hamburg GER Serienlohn mit Jan Faltejsek gewinnt das Seejagdrenn

Herausforderung für Mensch und Tier: Tierschützer und Pferdesportler streiten wegen des Seejagdrennens auf der Galopprennbahn Hamburg-Horn.

(Foto: Sabine Brose/mago)
  • Die Organisation Peta will den Hamburger Renn-Club anzeigen, weil im Rahmen der Derbywoche wieder zwei Pferde starben.
  • Der Präsident des Hamburger Renn-Clubs sagt, er wolle prüfen, "ob das Verhalten von Peta nicht selbst strafrechtlich relevant ist, denn wenn Peta bewusst etwas kriminalisiert, das nicht kriminell ist, dann ist das nicht akzeptabel".

Dem Hengst Laccario wurde ein grüner Kranz um den Hals gehängt, sein Bild ging um die Welt: Als Sieger des 150. Deutschen Derbys war er der umjubelte Held der Rennwoche auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn. Für den Wallach Captain von Trappe und den Hengst Gepard endeten zwei andere Rennen hingegen tödlich. Der Wallach erlitt während eines Hindernisrennens einen Genickbruch; der Hengst knickte während eines normalen Rennens um, ihm brach dabei das Fessel- und das Röhrbein. Er wurde eingeschläfert.

Die beiden Todesfälle riefen jene Tierschützer auf den Plan, die am Ende der Rennwoche eine Mahnwache vor dem Eingang zur Galopprennbahn abgehalten hatten. Die Organisation Peta hat angekündigt, gegen den Hamburger Renn-Club Strafanzeige zu erstatten. Peta hat in diesem Jahr acht und in den vergangenen fünf Jahren 41 Todesfälle von Pferden in Galopprennen auf deutschen Rennbahnen gezählt. Die Dunkelziffer sei noch höher.

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Die Rennvereine handeln nach dem Tierzuchtgesetz, Pferderennen gelten formal als obligatorische Leistungsprüfungen. Dies geschieht in staatlichem Auftrag. Die Organisation der Vollblutzucht ist an den Dachverband des Galopprennsports delegiert, er heißt: Direktorium für Vollblutzucht und Rennen.

"Lungenblutungen, Aortenrisse und Magengeschwüre"

Die Tierschützer handeln im Sinne des Tierschutzgesetzes und fordern die Abschaffung von Pferderennen. Peta formuliert in einer Abhandlung über Galopprennen: "Für hohe Preisgelder nimmt die skrupellose Branche Lungenblutungen, Aortenrisse und Magengeschwüre billigend in Kauf." Ein Zwischenfall vom Dienstag: Im Training bei Peter Schiergen in Köln-Weidenpesch brach die Danedream-Tochter Dreaming Eyes - vermutlich wegen eines Aortenrisses - bei vollem Tempo unvermittelt aus und galoppierte ungebremst in die Rennbahnbegrenzung. Auch sie musste eingeschläfert werden.

Tierzuchtgesetz und Tierschutzgesetz - sind dies zwei Begriffe, die ähnlich klingen, aber sich diametral widersprechen?

Eugen-Andreas Wahler ist Rechtsanwalt, Präsident des Hamburger Renn-Clubs, Mitglied im Vorstand des deutschen Galoppverbands und Vorsitzender des verbandsinternen Oberen Renngerichts. Er sagt zu den seit Jahren wiederkehrenden Strafanzeigen von Peta im Zusammenhang mit Todesfällen von Pferden bei Galopprennen: "Die Strafanzeigen von Peta sind irrwitzig, ich rechne auch in diesem Jahr mit einer Einstellung des Verfahrens." Als Anwalt wolle er die jüngste Strafanzeige zunächst abwarten, prüfen und dann entscheiden, "ob das Verhalten von Peta nicht selbst strafrechtlich relevant ist, denn wenn Peta bewusst etwas kriminalisiert, das nicht kriminell ist, dann ist das nicht akzeptabel".

Peta wirft der Branche überdies vor, die Pferde durch Peitschenmissbrauch zu quälen. "Mit der Peitsche werden Pferde im Rennen zu unnatürlichen Höchstleistungen gezwungen, was zu einem erhöhten Sturzrisiko führt", sagt die Peta-Fachreferentin Jana Hoger. Maximal fünfmal darf ein Pferd gemäß Rennordnung während eines Rennens gepeitscht werden. Der Zweitplatzierte im jüngsten Deutschen Derby, der Franzose Lukas Delozier, peitschte sein Pferd Django Freeman am Sonntag sechsmal und bekam dafür eine Sperre von 28 Renntagen auferlegt. Es gibt für den Missbrauch nur persönliche Strafen für Jockeys, nie Disqualifikationen: Das würde im Nachhinein die Rennergebnisse und Wettquoten ins Chaos stürzen.

Der Streit zwischen den Tierschützern und den Galoppvereinen dauert schon Jahre. Auch vor einem Jahr waren beim Derby-Meeting in Hamburg-Horn zwei Pferde verunglückt und eingeschläfert worden, genauso jüngst im Mai in Mannheim. Was die Veranstalter als Unglück "ohne Fremdeinwirkung" beklagten, rief nach Peta-Anzeigen die Staatsanwaltschaften auf den Plan. Verändern konnten die Tierschützer mit ihren juristischen Aktionen bislang nichts.

Nach dem Derby-Meeting appellierten sie: "Wir fordern den Hamburger Renn-Club auf, zumindest auf das besonders gefährliche Hindernisrennen zu verzichten." Damit meinen sie das sogenannte Seejagdrennen, bei dem die Reiter samt Pferden auch einen kleinen See durchqueren. In diesem hatte der Jockey Miguel Lopez sein Pferd Captain von Trappe verloren, das alleine weiterschwamm und -ritt, gegen einen Zaun galoppierte - und sich das Genick brach.

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