Reiten Stechen ohne Deutsche

Alles wieder klar im Dressurviereck: Isabell Werth siegt auf ihrer elfjährigen Stute Weihegold.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Den Großen Preis von Aachen gewinnt der Belgier Wathelet. Das mäßige Resultat deutscher Springreiter macht Isabell Werth in der Dressur wett.

Von Gabriele Pochhammer, Aachen

Der Belgier Gregory Wathelet auf der westfälischen Stute Corée hat den Großen Preis von Aachen gewonnen - dank des schnellsten fehlerfreien Ritts im Stechen in 46,60 Sekunden. Zweite wurde die für Portugal reitende und in Deutschland lebende Luziana Diniz auf der Hannoveraner Stute Fit for Fun (0/47,40) vor dem Niederländer Marc Houtzager auf Calimero (0/53,66). Die vierte Teilnehmerin im Stechen, die US-Reiterin Laura Kraut, war auf der zehnjährigen Holsteiner Stute Zeremonie zwar schneller (48,01), leistete sich aber einen Abwurf. Kraut wurde auf dem Abreiteplatz unterstützt von ihrem Lebensgefährten, dem Olympiasieger Nick Skelton (Großbritannien), einst selbst Sieger in diesem klassischen Springen.

Die Gastgeber hatten mit der Entscheidung nichts zu tun. Bester Deutscher auf Platz fünf war Andreas Kreuzer mit dem Hengst Calvilot, der beide Umläufe mit je einem Zeitfehler beendete. "Im ersten Umlauf habe ich mich tierisch geärgert", sagte er, "aber im zweiten habe ich den Zeitfehler in Kauf genommen, um auf jeden Fall Null zu bleiben."

Laura Klaphake, 23, auf Catch me if you can wurde mit nur einem Abwurf im zweiten Umlauf 13., hervorragend für die Aachen-Debütantin. Unterm Stich gestaltete sich der Große Preis für das siegreiche deutsche Nationenpreisteam von Donnerstag allerdings desaströs. Nur Marcus Ehning mit Pret A Tout qualifizierte sich für den zweiten Umlauf, verbaute sich aber mit einem Abwurf am letzten Oxer die Chance auf einen vorderen Platz und wurde 15. Vorjahressieger Philipp Weishaupt kam mit drei Abwürfen seines Hengstes Convall vom Kurs ab. Noch schlimmer traf es Maurice Tebbel, der bis dahin nur geglänzt hatte, vor allem mit zwei Nullrunden im Nationenpreis. In der dreifachen Kombination patzte sein Hengst Chacco's Son am Einsprung, knickte nach dem zweiten Sprung vorne ein und konnte nicht mehr abspringen. Tebbel gab auf, hatte sich aber zuvor vergewissert, dass sein Pferd unverletzt war.

Für Bundestrainer Otto Becker ist die Auswahl für die EM sehr schwer geworden

Kaum besser erging es Ludger Beerbaum auf Chiara, am Mittwoch noch Zweiter im Preis von Europa. Die Schimmelstute erschien lustlos und ließ keinerlei Ehrgeiz erkennen, die Stangen liegen zu lassen, so dass Beerbaum nach drei Abwürfen aufgab. Trotz eines Abwurfs in beiden Umläufen konnte Meredith Michals-Beerbaum mit Daisy sehr zufrieden sein. Die erst neunjährige Stute hat wenig Erfahrung, und dafür schlug sie sich wacker. Im ersten Umlauf verlor sie ein Eisen, im zweiten kam sie an ein Hindernis ein bisschen zu dicht heran, aber unterm Strich konnte die Reiterin feststellen: "Sie hat auch nach dem Fehler nicht aufgegeben, das sagt schon sehr viel." Platz 17 war besser, als er klingt, denn dafür war die Zeit des zweiten Umlaufs ausschlaggebend, und die meisten Reiter legten nach einem Abwurf zu, um noch möglichst viel vom Preisgeld von einer Million Euro mitzubekommen. Die Mannschaftsdritte von Rio, deren Olympiapferd Fibonacci verkauft ist, kann nun mit Daisy ihre sportliche Zukunft planen.

Für Bundestrainer Otto Becker, der nach dem siegreichen Nationenpreis noch auf einen gelungenen Generationswechsel hoffen konnte, ist die Auswahl für die Europameisterschaft in Göteborg nun sehr schwer geworden. Die Entscheidung soll so spät wie möglich getroffen werden, erst kurz vor dem endgültigen Nennungsschluss in zwei Wochen.

Auf dem Dressurviereck rückte Isabell Werth die Welt wieder zurecht, gewann souverän mit 89,675 in der Musikkür den Großen Dressurpreis von Aachen. Die Weltcupsiegerin 2017 auf der elfjährigen Oldenburger Stute Weihegold hatte im Grand Prix Special noch Laura Graves auf Verdades (USA) den Vortritt lassen müssen. Die Schuld für die Fehler in den Galoppwechseln nahm sie auf ihre Kappe: "Wenn einer nicht schwimmen kann, ist ja auch nicht die Badehose schuld." In der Kür deklassierte sie mit einem makellosen, mit höchsten Schwierigkeiten gespicktem Programm ihre Herausforderin, die nach etlichen Fehlern Dritte (82,559) wurde. Platz zwei ging an Sönke Rothenberger, 23, auf Cosmos (85,750), der damit ein kleines Zeichen setzte, wer der Multi-Olympionikin demnächst wirklich gefährlich werden könnte.