Reiten Auf dem Pferd der Tochter

Felix Haßmann siegt bei den Indoors in München, Markus Beerbaum verpasst damit den Tagessieg - dennoch gibt es für den 46-Jährigen einiges zu feiern.

Von Raphael Weiss

Immer wieder zeigte Markus Beerbaum auf seinen braunen Wallach, hob dann den Daumen, nur um gleich wieder auf sein Pferd zu zeigen, das gerade das letzte Hindernis übersprungen hatte. Charmed, das Pferd, das eigentlich seiner Tochter gehört, hatte ihn gerade fehlerfrei durch den Parcours gebracht. Beerbaum belegte dadurch zwischenzeitlich den ersten Platz im Finale des Großen Preises der Munich Indoors und schob sich im Gesamtklassement der Riders-Tour an seinen Konkurrenten Jens Baackmann und Christian Rhomberg vorbei. Am Ende reichte es für Beerbaum und Charmed trotzdem nicht für den Tagessieg.

Den holten sich Felix Haßmann und Balzaci, die schon in der Qualifikationsrunde zuvor am schnellsten und fehlerfrei durch den Parcours gekommen waren und deswegen als letzte im Stechen an den Start gingen. "Für mich ist das ganze Turnier super gelaufen. Alle Pferde sind gut geritten" sagte Haßmann nach der Siegerehrung. "Die Stimmung hier in München war super, und wenn man dann als letzter das Stechen gewinnt, ist es noch besser." Der Augsburger Philipp Weishaupt war schon in der ersten Qualifikationsrunde knapp ausgeschieden. Simone Blum aus Zolling auf Alice DSP fehlten einige Zehntelsekunden, um sich für die Runde der letzten 13 zu qualifizieren.

Doch für Beerbaum gab es trotzdem einiges zu feiern, denn der 46-Jährige gewann die Riders Tour, die einzige internationale Springreit-Serie Deutschlands. "Charmed hat unglaublich gekämpft. Ich war mir überhaupt nicht sicher, ob das heute klappt", sagte Beerbaum. Er habe im letzten Lauf ein bisschen übertrieben, sei zu schnell auf eines der Hindernisse zu gelaufen - er dachte, sich damit den Sieg verbaut zu haben. "Aber Charmed hat mir heute ziemlich aus der Patsche geholfen, ich dachte nicht, dass dieser Sprung noch möglich ist", sagte Beerbaum. So wurde er am Ende Zweiter beim Großen Preis der Munich Indoors und lag nach sechs Etappen der Riders Tour mit 41 Punkten vor Jens Baackmann. Christian Rhomberg, der als Gesamtführender und Favorit in das Turnier gegangen war, wurde Dritter. Für Rhomberg auf Saphyr Des Lacs lief das Turnier in München nicht so, wie er es sich gewünscht hatte. Im Vorlauf des Finales riss er eine Hürde und lief Gefahr, sich gar nicht erst für die Runde der letzten 13 zu qualifizieren. Doch der Österreicher kam wegen seiner schnellen Zeit als einziger mit vier Strafpunkten ins Finale. Dort aber patzte er gleich zwei Mal, landete auf Platz 12, und bekam vier Punkte für das Gesamtklassement. "Ich freue mich, dass ich als Dritter nach Hause fahren kann", sagte er.

Vier Tage dauerte das Turnier, bei dem es neben zahlreichen Springreit-Prüfungen auch eine Dressur-Kür gab, die Ingrid Klimke für sich entscheiden konnte. Insgesamt kamen rund 32 000 Zuschauer in die Münchner Olympiahalle. Die drei Bestplatzierten der Riders Tour saßen nach der Siegerehrung auf mehr als nur eine Pferdestärke. Sie erhielten für ihr Saisonleistung kein Preisgeld, sondern schwarze Luxus-Autos. Lachend und nass von der Champagner-Dusche ließen sie auf dem Sand, auf dem sie zuvor noch mit ihren Pferden unterwegs gewesen waren, die Reifen durchdrehen.