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Regionalligen Verbotene Mittel spritzen? Niemand würde es merken

Die 1860-Spieler Nico Karger (Mitte) und Sascha Mölders (rechts) bejubeln ein Tor. Zum Doptingtest mussten die Spieler - wie alle anderen aus der Regionalliga - in dieser Saison nicht.

(Foto: dpa)
Von Johannes Aumüller , Frankfurt

Geht es um das Thema Dopingkontrollen, müssen deutsche Fußballer gemeinhin wenig befürchten. Die Zahl der jährlichen Tests ist quer durch alle Spielklassen arg überschaubar. Nun zeigt sich, dass in der Regionalliga sogar noch weniger kontrolliert wird als bisher bekannt - nämlich gar nicht. Nach SZ-Informationen gab es in der Hinrunde der Spielzeit 2017/18 nicht einen Test, das bestätigt die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada.

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Hinter diesem Freibrief für Manipulanten steckt ein merkwürdiger Streit um die Finanzierung der Kosten. Zwar geht es nur um circa 140 000 Euro, was für den reichen Fußball nach einem Klacks klingt. Aber der Deutsche Fußball-Bund (DFB) weigert sich aus "gemeinnützigkeitsrechtlichen Gründen", für die Kosten aufzukommen. Und eine andere Lösung gibt es bisher nicht. Die Nada ist darüber erzürnt: Es sei "nicht akzeptabel, dass es bislang - mangels eines Finanzierungsmodells - in dieser Saison nicht mehr zu Dopingkontrollen in den Regionalligen gekommen ist", sagt Nada-Vorstand Lars Mortsiefer: "Aus unserer Sicht ist das ein falsches Signal."

So professionell wie bei manchem Erstligisten in anderen Sportarten

Bei den fünf Regionalliga-Staffeln (Bayern, Südwest, West, Nord, Nordost) handelt es sich zwar nur um die vierthöchste Spielklasse. Aber zumindest bei einigen Klubs sind die Rahmenbedingungen in etwa so professionell wie bei manchem Erstligisten in anderen Teamsportarten. Zudem bilden sie den Unterbau für den Profibetrieb. Die Nada findet es "sinnvoll und erforderlich", in dieser Klasse zu testen. In den vergangenen Jahren habe es jeweils circa 350 Kontrollen gegeben. Das sind auch nicht viele, sondern nur rund vier pro Verein und Jahr. Aber immerhin war klar, dass es überhaupt zu Kontrollen kommen kann.

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Interessant auch: In den vergangenen Jahren wurden vergleichsweise viele der insgesamt wenigen Fußball-Positivbefunde bei Regionalligisten registriert. Bisher erhielt die Nada das Geld für diese Tests vom DFB. Doch seit Sommer argumentiert der Dachverband, er dürfe das gar nicht tun. "Die Regionalligen sind keine Spielklasse des DFB, sodass es dem DFB aus gemeinnützigkeitsrechtlichen Gründen nicht möglich ist, dort die Kosten von Dopingkontrollen zu tragen", sagt der zuständige Vize-Präsident Erwin Bugar. Die Finanzierung sei Sache der Träger der Regionalligen - also der fünf Regionalverbände. Doch diese und ihre darin organisierten Vereine sträuben sich ebenfalls. 140 000 Euro wären zwar bei 92 Regionalliga -Teams nur 1520 Euro pro Klub. Selbst das ist ihnen zu viel.

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Der Vorstoß dürfte nicht gut ankommen

Moniert wird, dass sich die Nada bei den veranschlagten Testkosten an den Tarifen für den Profifußball orientiere. Die Regionalligisten wollten so behandelt werden wie andere Sportarten im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), teilt DFB-Vize Bugar mit. Diese müssen zwar einen Teil der Kontrollkosten aufbringen (zuletzt eine Million Euro für alle 36 Spitzenverbände), doch einen Großteil der Kosten schultert das Bundesinnenministerium. Das BMI teilt auf SZ-Anfrage mit, dass sich der DFB schon ans Ministerium gewandt habe, um Unterstützung für die Tests in der Regionalliga zu erhalten; es sei jedoch "nicht zuständig". Bei den anderen Sportarten dürfte dieser Vorstoß trotzdem nicht gut ankommen. Die sind finanziell meist viel schlechtergestellt als der reiche Fußball und kämpfen seit Jahren um Entlastung bei den Kontrollkosten.

Der Nada ist egal, wie der Fußball die Kosten regelt. "Die rechtliche Einschätzung obliegt dem DFB", sagt Mortsiefer. "Letztlich können wir aber nicht nachvollziehen, warum seitens des Fußballs bislang kein Weg gefunden wurde, die Dopingkontrollen in den Regionalligen zu finanzieren." Klar ist nur: Wenn der Fußball keine Lösung findet, um die Tests zu bezahlen, können die Spieler in der Regionalliga auch in der Rückrunde verbotene Mittel schlucken, spritzen oder sonst wie konsumieren, ohne dass sie Entdeckung befürchten müssen.

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