Regionalliga:Schwere Vorwürfe

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Bayreuths Geschäftsführer Wolfgang Gruber greift BFV-Präsident Rainer Koch an. Anlass ist der Streit, ob die Saison abgebrochen werden soll, und zwar noch vor dem Stichtag 1. September, bis zu dem alle Amateurligen den Spielbetrieb ausgesetzt haben.

Von Christoph Leischwitz

Nun hat auch der Streit um die vierte bayerische Liga eine Ebene erreicht, in der es um die schmutzige Wäsche geht, wie Fußballer das gerne formulieren. Öffentlich gemacht hat diesen Zwist der Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH der SpVgg Bayreuth, Wolfgang Gruber. Er greift den Präsidenten des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), Rainer Koch, scharf an.

Eigentlich geht es um die Frage, ob die Regionalliga Bayern die Saison abbrechen soll, und zwar noch vor dem Stichtag 1. September, bis zu dem alle Amateurligen den Spielbetrieb ausgesetzt haben. Über die sozialen Medien wirft Gruber der BFV-Führung vor, diesen Abbruch zu verhindern. Es habe nämlich bereits eine Abstimmung gegeben, in dieser hätten sich zwölf Vereine für einen Abbruch ausgesprochen, bei vier Enthaltungen, einem Nein und einer Absenz. Als Gründe geben die Vereine unter anderem an, dass die Saison im Herbst bedeutungslos ist, wenn Türkgücü München oder eventuell der FC Schweinfurt bereits in die dritte Liga aufgestiegen seien. Solche Spiele dann auch noch als Geisterspiele auszutragen sei dann noch sinnloser und koste unnötig Geld.

Persönlich wird Gruber dann, wenn er sagt, Kochs Macht begründe sich "offensichtlich auch darauf, andere einzuschüchtern und zu sanktionieren. Unter seiner Leitung wird vorab bestimmt, was abgestimmt werden soll. Andere Meinungen werden nicht toleriert. Es kann nur eine Meinung geben. Durch sein zweifellos taktisches Funktionärsgeschick hat der BFV- Präsident es geschafft, ein herrschaftliches Netzwerk aufzubauen." Der Verband sei nicht mehr Dienstleister der Vereine, sondern "Staat und Kirche".

Fußball 22. Spieltag der Regionalliga Bayern im Hans-Walter-Wild-Stadion in Bayreuth Saison 2019-2020 SpVgg Bayreuth geg; Fußball - Regionalliga Bayern - SpVgg Bayreuth - Patrick Weimar

Schon lange her: Das letzte Heimspiel der SpVgg Bayreuth fand am 30. November 2019 gegen den FC Augsburg II statt. Patrick Weimar (gelbes Trikot) brachte Bayreuth in Führung, Jozo Stanic traf zum Ausgleich.

(Foto: Peter Kolb/imago)

Zuvor hatte sich Koch in einer Email an den Präsidenten der SpVgg, Christian Wedlich, gewandt. Gruber veröffentlichte auch diese. Koch schrieb darin, dass für ihn nicht die ausgegliederten GmbHs seine Ansprechpartner seien, sondern die Vereine, und bat: "Ich würde es deshalb sehr begrüßen, wenn Sie als Vorstandsvorsitzender für einen angemessen Umgang des Ihnen im Verhältnis zum BFV zuzurechnenden Personals Ihrer Tochtergesellschaft sorgen würden." Diesen Satz empfindet Gruber als Maßregelung. Ein weiterer Vorwurf von ihm wiegt besonders hart: "Ich persönlich glaube, dass es schon lange nicht mehr um sportliche oder juristische Argumente geht. Geht es vielleicht um Sponsorenverträge, die der BFV mit Firmen abgeschlossen hat, die offensichtlich an den Spielbetrieb der Regionalliga gekoppelt sind (...)?", schreibt Gruber.

Vom BFV war am Dienstag hierzu vorerst keine Stellungnahme zu erhalten, weil Koch sich fortwährend in Konferenzen befand. Zu hören ist allerdings, dass man die Frage um den Viertliga-Abbruch an der Brienner Straße noch nicht als abschließend geklärt angesehen hat. Die von Gruber erwähnte Abstimmung wurde ohne den BFV durchgeführt. Sie fand Ende April statt, zu einer Zeit also, in der mögliche Nachteile eines Abbruchs noch nicht diskutiert worden seien. Ein Knackpunkt in den inoffiziell geführten Diskussionen ist zum Beispiel, wie es nach einem Abbruch weitergehe: Wenn die neue Spielzeit im Herbst angepfiffen wird, drohen ebenso Geisterspiele und Einnahmeverluste wie in einer verlängerten Saison 19/20.

Fußball 20. Spieltag der Regionalliga Bayern im Hans-Walter-Wild-Stadion in Bayreuth Saison 2019-2020 SpVgg Bayreuth geg; Fußball - Regionalliga - Bayreuth - Dr. Wolfgang Gruber

Bayreuths Geschäftsführer Wolfgang Gruber wird gegenüber BFV-Präsident Rainer Koch auch persönlich: „Unter seiner Leitung wird vorab bestimmt, was abgestimmt werden soll. Andere Meinungen werden nicht toleriert.“

(Foto: Peter Kolb/imago)

Die Meinungen sind höchst unterschiedlich. Spitzenreiter Türkgücü München könnte mit einem Abbruch leben, dann wäre man ohne weitere Kosten aufgestiegen. Aus finanziellen Gründen hatte der Verein jedoch zuletzt den Aufstieg infrage gestellt. Nach SZ-Informationen hatte der Klub am Dienstag eine erste Besichtigung im Olympiastadion, das als mögliche Drittliga-Stätte gilt - die Entscheidung dürfte bald fallen.

Für den Tabellenvierten Bayreuth ist es tatsächlich recht sinnlos, die Saison zu Ende zu spielen, weil gar keine Lizenz für die dritte Liga beantragt worden ist. Der Tabellenletzte VfR Garching, der sich im Winter ordentlich verstärkt hat, würde sich gerne noch Hoffnungen auf den Ligaverbleib machen - befürchtet aber, dass das Stadion lange geschlossen bliebe. Vom Tabellenzweiten Schweinfurt kommt der Vorschlag, die Saison auszuspielen und mithilfe eines Streamingdienstes zu vermarkten; in einem Interview mit der Mainpost ist bei Präsident Markus Wolf auch herauszuhören, dass man nichts gegen einen Abbruch hätte.

Eine offizielle Abstimmung dürfte bald folgen. Wenn das Ergebnis knapp ausfällt, könnte sich der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern eines Abbruchs trotz eines Beschlusses fortsetzen - die dritte Liga war in den vergangenen Wochen das beste Beispiel dafür.

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