Regionalliga-Relegation:Vorfreude im Löwenherz

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1 FC Saarbruecken TSV 1860 München Münchens Sascha Mölders jubelt nach seinem 0 1 beim Spiel in d

Ein Mann für die wichtigen Tore: Löwen-Stürmer Sascha Mölders jubelt nach seinem ersten Treffer in Saarbrücken - am Ende trifft er doppelt.

(Foto: imago/masterpress)

Im Hinspiel gegen den 1. FC Saarbrücken müssen die Sechziger zweimal den Ausgleich hinnehmen, doch ein später Treffer von Sascha Mölders stößt das Tor zur dritten Liga weit auf.

Von Markus Schäflein, Saarbrücken

Auf dem Weg von München nach Saarbrücken liegt in Annweiler am Trifels, im Landkreis Südliche Weinstraße, der Tunnel "Löwenherz". Wer von den Anhängern des TSV 1860 München abergläubisch ist, durfte das als Omen für das erste Aufstiegs-Relegationsspiel beim 1. FC Saarbrücken werten. Ein Spiel, das allerdings gar nicht in Saarbrücken stattfand, weil der Ludwigspark umgebaut wird, sondern im benachbarten Völklingen. Im alten Hermann-Neuberger-Stadion, das mit 6800 Zuschauern ausverkauft war, in dem der Weg zur Haupttribüne durch den Saarbrücker Ultrablock führt und der Regen auch die Ehrengäste um den BFV-Präsidenten Rainer Koch nass machte. Am Ende durften die Löwen den Ausflug über die kurvige Bundesstraße 10 als überaus gelungen betrachten. Sie siegten 3:2 (1:1) und schufen sich eine glänzende Ausgangsposition für das Rückspiel am Sonntag (14 Uhr).

Torjäger Kevin Behrens wird nach einem Foul vom Platz gestellt - Saarbrücken bleibt aber dran

Die Aufregung war vor der Partie selbstredend auf beiden Seiten groß; nur der Sieger aus Hin- und Rückspiel darf aus der Regionalliga in die dritte Liga, also mit seiner Profimannschaft vom Amateur- in den Profifußball. "Das Singen hilft gegen die Nervosität", brüllte der Stadionsprecher, und die Heimfans sangen. Die Löwenfans entschieden sich hingegen zum Nervositätsabbau für den Einsatz von massiven Rauchtöpfen, auch in der zweiten Halbzeit provozierten sie mit dem Einsatz von Pyrotechnik eine Unterbrechung, was mal wieder eine Geldstrafe zur Folge haben wird.

1860-Trainer Daniel Bierofka sorgte bei der Aufstellung hingegen für keine negativen Überraschungen. Er begann mit der erfolgreichen Stammelf, also mit Sascha Mölders, Nico Karger und Markus Ziereis im Sturm, mit Jan Mauersberger und Felix Weber in der Innenverteidigung, mit Daniel Wein auf der Sechs. Der Saarbrücker Trainer Dirk Lottner, einst Bundesligaprofi in Köln und Leverkusen, setzte vor allem auf seine Torjäger Kevin Behrens und Patrick Schmidt; Letzterer saß nach langer Verletzungspause jedoch zunächst auf der Bank.

Als erster traf dafür der Torjäger der Sechziger, und zwar schon in der ersten Minute. Nach einem verlängerten Eckball erzielte Sascha Mölders mit viel Löwenherz die frühe Führung, er stolperte mehr in die Flugbahn des Balls, als dass er lief. Aber sein Schuss war trotzdem unhaltbar.

Wie Bierofka angekündigt hatte, suchten die Löwen ihr Glück zunächst in der Offensive, und das zeigte sich in weiteren spektakulären Szenen auf beiden Seiten. Gleich nach Mölders' Treffer kamen die Saarbrücker zu ihren ersten beiden Chancen, erst klärte 1860-Torhüter Marco Hiller, dann verpasste Sebastian Jacob nach einem Eckball den Ausgleich (3.). Prompt hatte Sechzig wieder eine Riesenchance, Kodjovi Koussou zögerte zu lange, nachdem Mölders den Ball durchgelassen hatte, und scheiterte am FCS-Torhüter Daniel Batz (5.). Auf der Gegenseite strich ein Flachschuss von Marco Holz knapp am linken Pfosten vorbei (8.).

Wegen Pyrotechnik im Sechzger-Block muss die Partie unterbrochen werden

Doch so spektakulär und ausgeglichen ging es nicht weiter. Sechzig zog sich, wohl gezwungenermaßen, zurück; Saarbrücken dominierte die Partie nun deutlich und kam zu etlichen Eckbällen und Freistößen, bei denen die Münchner einiges Glück benötigten. Nach rund 20 Minuten konnten sich die Löwen wieder befreien, und dann schwächten sich die Saarbrücker selbst: Behrens, jener mit so vielen Hoffnungen verbundene Torjäger, stieg überhart gegen Koussou ein, grätschte mit der Sohle voran - und musste vom Feld (25.). Auch mit zehn gegen elf blieb das Spiel spektakulär und ausgeglichen, Hiller rettete gerade noch gegen den heranstürmenden Markus Mendler (31.), Sechzigs Rechtsverteidiger Eric Weeger scheiterte auf Zuspiel von Markus Ziereis an Batz (36.).

Das aufgebrachte Heimpublikum arbeitete sich unterdessen wegen des vertretbaren Platzverweises an Schiedsrichter Guido Winkmann ab - und hatte erst kurz vor der Pause besseres zu tun, nämlich das verdiente 1:1 zu bejubeln: Bei einem wuchtigen Volleyschuss von Tobias Jänicke hatte Hiller keine Chance. Kurz darauf tanzte Jänicke Koussou aus, seinen Schuss lenkte Hiller über die Querlatte, dann ging es mit dem 1:1 in die Pause.

Es war ein passender Zeitpunkt für die Unterbrechung aus Sicht der Münchner, die nun wieder enorm unter Druck waren - gar ein überaus passender Zeitpunkt, wie sich nach dem Seitenwechsel herausstellen sollte. Denn fast genauso schnell wie im ersten Durchgang gingen 1860 wieder in Führung. Diesmal traf Nico Karger auf Zuspiel von Felix Weber ins linke untere Toreck (47.). Die Löwen übernahmen nun die Spielkontrolle, was ihnen in der ersten Hälfte nicht gelungen war, und verpassten bei einem Pfostenkopfball von Sascha Mölders knapp das 3:1 (55.). In der 58. Minute brachte Bierofka Christian Köppel für Aaron Berzel, er übernahm die linke Außenverteidigerposition, Steinhart wechselte ins defensive Mittelfeld, für Saarbrücken kam noch Torjäger Schmidt von der Bank. Die Löwen wirkten nun viel kompakter und souveräner als im wilden ersten Durchgang, dennoch kam Saarbrücken wie aus dem Nichts zum erneuten Ausgleich durch Schmidt (75.) .

Doch den aufgrund der zweiten Hälfte verdienten Siegtreffer erzielte nach 84 Minuten erneut Mölders, der im Torjägerduell nachlegte. Christian Köppel hatte den Ball von der Grundlinie mit der Hacke zurückgelegt, Mölders war frei im Strafraum aufgetaucht. Er traf in die kurze Ecke und lief dann jubelnd in die Kurve der Münchner Fans, vor der er das Spiel entschieden hatte. Es war ein Jubel, der schon ein wenig nach dritter Liga aussah.

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