Regionalliga-ReformFast alle wollen den Status quo ändern – bloß wie?

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Ein Spiel, das es nicht mehr geben soll: die Entscheidungspartie um den Drittliga-Aufsteig 2026, die die Würzburger Kickers mit Ebrahim Farahnak (links) gegen Lok Leipzig mit Eren Öztürk gewannen.
Ein Spiel, das es nicht mehr geben soll: die Entscheidungspartie um den Drittliga-Aufsteig 2026, die die Würzburger Kickers mit Ebrahim Farahnak (links) gegen Lok Leipzig mit Eren Öztürk gewannen.
Hendrik Schmidt/dpa

50,9 Prozent für das Kompassmodell reichen nicht zu einer Entscheidung: Die Abstimmung der Vereine zur Regionalliga-Reform treibt kuriose Blüten – und erzwingt eine komplette Neuorientierung.

Von Christoph Leischwitz

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Der Montagabend begann mit Kopfschütteln. Warum der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wichtige Abstimmungen auf den Tag des WM-Sechzehntelfinales mit deutscher Beteiligung legte, verstand niemand. Für die Delegierten aus der dritten und vierten Liga wurde dies aber lediglich zu einer witzigen Randnotiz, geärgert haben sie sich über andere Dinge viel mehr. Zum Beispiel darüber, dass nach einer jahrelangen Debatte über eine Regionalliga-Reform kurz vor Schluss noch einmal entscheidende Faktoren, vermeintlich hinter verschlossenen Türen, verändert wurden. Und zweitens darüber, dass das Abstimmungsprozedere verändert wurde.

Letztlich hatte nämlich jeder Regionalverband seine eigene Abstimmung, und das trug dazu bei, dass nun kein Vorschlag eine entscheidende Mehrheit fand. Der Südwesten, in dem die Regionalliga von einer GmbH organisiert wird, fiel komplett aus dem Rahmen und stimmte mit 93,1 Prozent für das sogenannte Regionenmodell, wonach die Regionalliga Südwest unverändert bliebe, jedoch drei Ligen aus Ostdeutschland und Bayern zu zwei Ligen fusionieren würden. In Bayern sprach man sich mit knapper Mehrheit dafür aus, neue Modelle zu erarbeiten (52,4 Prozent). In den anderen drei Regionen erhielt das zuletzt meistdiskutierte Kompassmodell klare Zustimmung: Demnach würden die vier Regionalligen jedes Jahr nach geografischen Kriterien neu zusammengestellt werden. Nimmt man alle Stimmen zusammen, kommt das Kompassmodell auf 50,9 Prozent.

Jetzt stellen in der stets regional geführten Debatte einige infrage, ob denn der moralische Kompass bei den Verbänden richtig eingestellt ist: Die abstimmenden Vereine seien über entscheidende neue Kriterien nicht in Kenntnis gesetzt worden, hieß es. Daraus folge: Die Verbände hätten gar kein Interesse an einer Reform, die die Überschrift „Ein Meister muss aufsteigen“ trägt. Turnusmäßig tragen die Meister im Norden, im Nordosten und in Bayern Aufstiegsspiele gegeneinander aus, als ungerecht wird auch empfunden, dass der Südwesten und der Westen immer einen direkten Aufsteiger stellen.

Dass nun die Abstimmung kein Ergebnis herbeigeführt hat, das führen einige auf schlechte Verbandsarbeit zurück, der Vorwurf der Torpedierung steht im Raum. Tommy Haeder von der „Aufstiegsreform 2025“ zum Beispiel findet, dass Änderungen kurz vor der Abstimmung „weder transparent noch vertrauensbildend“ gewesen seien. Schlechte Kommunikation ist das Mindeste, das sich die Funktionäre vorwerfen lassen müssen: Am 2. Juni hatten sich die Spitzen der Regionalverbände noch einmal getroffen und festgelegt, dass die vier Ligen innerhalb eines möglichen Kompassmodells aus jeweils 18 Mannschaften bestehen sollen. Zuvor war meist von 20 Mannschaften die Rede gewesen, auch wenn diese Zahl nicht konkret festgelegt gewesen war; im finalen Protokoll der vom DFB beauftragten Arbeitsgruppe aus dem April steht, dass diese Frage noch endgültig geklärt werden müsse. Der Nachteil einer kleineren Liga liegt auf der Hand: In einem Übergangsjahr gäbe es aus jeder Region mehr Absteiger. Nicht auszuschließen, dass diese Festlegung die Reformlust einiger Vereine bremste.

Für NOFV-Präsident Winkler ist es eine „große verpasste Chance“

„Wir haben diese Entscheidung einstimmig getroffen und gehofft, dass es einfach weitergeht“, erklärt der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV), Hermann Winkler, auf SZ-Nachfrage, „es war kein Trick oder irgendeine Aktion, die irgendwas verhindern sollte.“ Es habe einfach viele Vorbehalte gegen die 20er-Staffeln gegeben – wegen der Platzbedingungen kleiner Vereine in der dunklen Jahreszeit. Allerdings sei die Entscheidung ja nicht sehr kurzfristig vor der Abstimmung gefallen – Winkler räumt ein, dass man diesen Umstand besser hätte kommunizieren müssen. Zum Scheitern in der Abstimmung sagt er, es handele sich nun um eine „große verpasste Chance“.

Dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) war es wichtig zu betonen, dass man schon im April den Vereinen mitgeteilt habe, dass diese Entscheidung über die Teilnehmerzahl noch offen sei, und dass ein künftiger Träger der neuen Regionalligen die Ligengrößen bestimmt. Warum diese Entscheidung jetzt schon gefällt wurde, und zwar laut BFV einstimmig, bleibt erst einmal ungeklärt. Darüber hinaus hätte die Frage, wer überhaupt als Träger die neuen Regionalligen federführend leitet, auch noch zu Zank führen können – diese zentrale Frage hatte nämlich die vom DFB beauftragte Arbeitsgruppe gar nicht angefasst.

Der DFB hat einen klaren Arbeitsauftrag erhalten

Was die Verbände ebenfalls schlecht kommunizierten, ist die Tatsache, dass eine Reform sowieso eine Zweidrittelmehrheit benötigt hätte. Das geben nämlich die Regularien der Regionalverbände unumstößlich vor – der Arbeitsgruppe, vom DFB ins Leben gerufen, dürfte schnell klar gewesen sein, dass angesichts der komplizierten Diskussionen dieses Ziel sehr schwer zu erreichen sein würde. Trotzdem ließ man der emotionalen Debatte lange freien Lauf.

Auch wenn jetzt für keines der Modelle eine nötige Mehrheit zustande kam: Der DFB hat einen klaren Arbeitsauftrag erhalten. Denn nur eine verschwindend kleine Gruppe hat sich für den Erhalt der bestehenden Verhältnisse ausgesprochen. Der Status quo erhielt nur sieben von 159 Stimmen, was 4,4 Prozent entspricht. Aus Bayern kam auch gleich ein weiterer Vorschlag, der nicht neu ist, aber den DFB unter Druck setzt: Nach dem sogenannten 22/5-Vorschlag sollen sich nämlich nicht die vierten Ligen reformieren, sondern die dritte, mit künftig 22 statt 20 Teams, die fünf Absteiger ermitteln. Diese Idee hatte der DFB mit Gründung der Arbeitsgruppe gleich untersagt.

Die Debatte wird also weitergehen, und auch weiter emotional bleiben: In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte jemand den Schriftzug „Kompassmodell jetzt“ auf die Fassade des BFV-Hauptgebäudes geschrieben. Doch jetzt bedarf es erst einmal einer kompletten Neuorientierung. DFB-Präsident Bernd Neuendorf kündigte bereits an, dass sich der DFB „nunmehr aktiv in diesen Prozess einbringen und mit allen Beteiligten das Gespräch suchen“ werde: „Das Ziel, ein Aufstiegsrecht für die Meister zu realisieren“, bleibe unabhängig von dem Votum „richtig“.

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