Regionalliga Irritationen um Flückiger

„Franco hat uns hoch und heilig versprochen, dass er leider mit dem Fußballspielen aufhören muss“: Bei Wacker Burghausen wundern sich die Verantwortlichen, weil Flückiger nach der Vertragsauflösung in München unterschrieb.

(Foto: imago/Zink)

Wacker Burghausen ärgert sich über die Umstände des Abschied seines Torhüters. Der Verein stellte den Keeper zunächst aus privaten Gründen frei - dann wechselte er zum SV Türkgücü.

Von Christian Bernhard

Der SV Wacker Burghausen ist am Dienstag in die Vorbereitung zur neuen Regionalliga-Bayern-Saison gestartet. Um 18 Uhr beendete Trainer Wolfgang Schellenberg den Urlaub seiner Spieler, von denen sieben Zugänge aus anderen Klubs sind. Am heißesten diskutiert wurde beim Trainingsauftakt des letztjährigen Dritten allerdings jemand, der gar nicht mehr in Burghausen anzutreffen ist: Franco Flückiger. Der Abschied des Torhüters, der in den vergangenen zwei Saisons das Tor gehütet hatte, erhitzt in Burghausen einige Gemüter. Besser gesagt: Nicht sein Abschied, sondern das, was danach passiert ist.

Der ehemalige deutsche U-19-Nationalspieler sei Mitte Mai mit der Bitte an den Verein heran getreten, seinen noch einen Jahr laufenden Vertrag aufzulösen, erklärte Wackers Team-Manager Karl-Heinz Fenk. Als Begründung gab er laut Fenk an, dass seine Frau erkrankt sei und er zusammen mit ihr in seine Heimat in Sachsen-Anhalt zurückkehren wolle, um sich dort selbständig zu machen und mehr Zeit mit seiner Frau zu verbringen. Diesem Wunsch sei Wacker "ohne eine Sekunde zu überlegen" nachgekommen, da "die Gesundheit weit über allen anderen Dingen steht", erklärte Fenk. "Franco hat uns hoch und heilig versprochen, dass er leider mit dem Fußballspielen aufhören muss."

Dieser Fall trat allerdings nicht ein. Am Pfingstsamstag gab Regionalliga-Aufsteiger SV Türkgücü-Ataspor München bekannt, dass Flückiger beim hoch ambitionierten Verein einen Zweijahresvertrag unterschrieben habe. Der 28-Jährige gilt in der Szene als einer der besten Regionalliga-Torhüter. Diese Nachricht sorgte bei Fenk für große Empörung. Man könne über alles sprechen, erklärte er, "aber eine Vertragsauflösung auf dem Rücken seiner kranken Frau auszutragen, macht mich traurig". Flückiger habe "gewisse Werte", die es im Leben gebe, "mit Füßen getreten". So etwas habe er in 30 Jahren Fußball noch nicht erlebt, betonte der Team-Manager. Er sei von "Franco menschlich sehr enttäuscht". Nachdem Fenk in der Presse von Flückigers Wechsel nach München gehört hatte, sprach er mit seinem ehemaligen Torhüter. In dem laut Fenk "ruhigen und sachlichen" Gespräch habe Flückiger seine Entscheidung "definitiv nicht begründen können", berichtete Fenk.

Flückiger wollte sich zu Fenks Aussagen nicht äußern. Dafür sprach sein Berater Dirk Wilhelm von der Agentur "Fairplay Sports Management". Wilhelm widersprach Fenks Aussagen, wonach Flückiger Wacker erst im Mai über seine privaten Pläne informiert habe. Das sei bereits am 12. April erfolgt. Auch die Aussage, wonach Burghausen "ohne eine Sekunde zu überlegen" Flückigers Wunsch nachgekommen sei, entspreche nicht der Wahrheit, da die Vertragsauflösung erst Ende Mai, also rund eineinhalb Monate später, über die Bühne gegangen sei. "Franco wird hier charakterlich völlig falsch dargestellt", erklärte Wilhelm. "Er wird sogar als geldgierig dargestellt, was in keinster Weise auf ihn zutrifft." Flückiger habe bei seiner Vertragsauflösung mit Burghausen sogar auf ein Monatsgehalt verzichtet.

Türkgücü soll auch Flückigers Frau einen Job angeboten haben

Wilhelm bestätigte, dass die Selbstständigkeitspläne des Torhüters sehr konkret gewesen seien und sowohl die Fernbeziehung, die er zu seiner Burghausener Zeit mit seiner Ehefrau geführt habe, als auch deren überraschende Erkrankung diese befeuert hätten. Da der SV Türkgücü Flückiger ein Angebot gemacht habe, das auch eine berufliche Chance für seine Ehefrau beinhaltete, legte der 28-Jährige seine beruflichen Pläne aber erst einmal auf Eis. Ausschlaggebend für die Entscheidung pro München sei die Familienzusammenführung gewesen, erklärte Wilhelm, Flückiger habe sich demnach also "absolut fair" verhalten.

Fenk betonte, dass Wacker noch keine negativen Erfahrungen mit dem SV Türkgücü gemacht habe. Er ließ aber auch unmissverständlich durchklingen, auf wen er derzeit nicht gut zu sprechen ist: auf den "sogenannten Kaderplaner von Türkgücü". Dieser heißt Robert Hettich und war zwischen August 2016 und Mai 2018 in verschiedenen Funktionen für Wacker tätig. Fenk glaubt nicht, dass es im Sinne des Regionalliga-Aufsteigers sei, wenn Hettich seinen ehemaligen Arbeitgeber "so dermaßen über den Tisch zieht". Ein Gespräch zwischen Robert Hettich und ihm habe es noch nicht gegeben, erklärte der Wacker-Team-Manager, das werde aber noch kommen.

Hettich verwies am Dienstag darauf, dass er von Flückigers Vertragsauflösung in Burghausen erst erfahren habe, als diese bereits vollzogen worden sei. Danach habe er mit Flückiger Kontakt aufgenommen. "Wenn er nicht zu uns gewechselt wäre, wäre er woanders hin gewechselt", sagte Hettich. Die Aussagen von Fenk kommentierte er nicht.