Regionalliga Bayern:Leicht genervt

v.li.: Luca Jesse (TSV 1860 Rosenheim, 31) Boipelo Mashigo (Unterhaching, 38) im Zweikampf, Duell, duel, tackle, Dynami

Das nächste Juwel? Boipelo Mashigo (re.) war beim Treffer-Festival gegen 1860 Rosenheim unter den Unterhachinger Torschützen.

(Foto: Sven Leifer/foto2press/imago)

Die SpVgg Unterhaching beendet zwar ihre jüngste Negativserie, das wilde 5:4 gegen Rosenheim stellt Trainer Sandro Wagner jedoch nur teilweise zufrieden.

Von Stefan Galler, Unterhaching

Ende der Woche nahm sich Manfred Schwabl die Zeit, einen Blick auf die Zensuren zu werfen. Und zwar nicht etwa auf Bewertungen seiner Regionalligafußballer in irgendwelchen Fachzeitschriften, sondern auf die Schulzeugnisse der U13-Talente der SpVgg Unterhaching. "Ich schaue mir das genau an, nicht nur die Noten, sondern auch die schriftliche Bewertung des sozialen Verhaltens", sagt der Klubpräsident. Schließlich zähle bei der Ausbildung von jungen Fußballern ein ganzheitlicher Ansatz, bestes Beispiel sei Neu-Nationalspieler Karim Adeyemi, den man nach seinem Rauswurf beim FC Bayern als 10-Jähriger in Haching vor allem in puncto Disziplin wieder in die Spur gebracht habe, so Schwabl.

Fragt man Schwabl danach, wie er die aktuellen Auftritte der ersten Mannschaft und Tabellenplatz sieben benoten würde, hält sich der Boss auffallend zurück. Er sei "nicht so nah dran" am Team, man solle Trainer Sandro Wagner fragen. Über den lässt der Präsident jedenfalls überhaupt nichts kommen: "Ich habe vollstes Vertrauen in ihn und zweifle keine Sekunde daran, dass wir mit ihm die richtige Entscheidung getroffen haben." Es gehe jetzt erst einmal darum, "Baustellen abzuarbeiten".

Beim Heimspiel am Samstag gegen den TSV 1860 Rosenheim offenbarten sich einmal mehr Abwehrschwächen, letztlich gewann Unterhaching die wilde Partie 5:4 (2:2), lief dabei Gefahr, einen Drei-Tore-Vorsprung einzubüßen. Rosenheims Trainer Florian Heller, ehemaliger Bundesligaprofi, der seine Karriere einst bei der SpVgg ausklingen ließ, war ein bisschen fassungslos: "Da schießt du auswärts vier Tore, und zwar nicht bei irgendeinem No Name, sondern in Haching. Und dann verteidigst du wie in der U12", schimpfte er.

Es war bereits das zweite 5:4 mit Hachinger Beteiligung in dieser Saison, beim ersten Mal vor knapp 14 Tagen hatten sie in Schalding-Heining noch mit diesem Ergebnis verloren. Und doch waren die Probleme dieselben wie beim Gastspiel in Niederbayern: "Am Ende wurde es enger, als es sein darf", sagte Trainer Wagner. "Wir sind noch nicht stabil genug, müssen sehr viel trainieren und sehr viel lernen, individuell und als Team."

Seine Elf erwischte vor den Augen der Bender-Zwillinge Lars und Sven, die einst in der Hachinger Jugend gespielt hatten, den besseren Start, Stephan Hain traf nach feiner Einzelleistung zum 1:0 (19.), doch Rosenheim glich durch Nico Schiedermeier aus (25.). David Pisot köpfelte kurz danach zum 2:1 ein (28.). Kurz vor der Pause meldete sich Rosenheim, der kleine Kooperationspartner der Hachinger, jedoch abermals zurück: Linor Shabani traf aus 16 Metern zum 2:2 (44.).

Auch wenn das große Zittern ausbleibt, fühlt sich der 33-jährige Wagner nach dem Spiel "wie 45 oder sogar 55"

Im zweiten Durchgang legten die Gastgeber dann richtig vor, Patrick Hobsch köpfelte nach Flanke von Markus Schwabl das 3:2 (52.), dann verschoss der Zugang vom VfB Lübeck einen an ihm selbst verschuldeten Elfmeter (59.), um drei Minuten später dann doch noch den Doppelpack zu schnüren. Und als Boipelo Mashigo, laut Präsident Schwabl "das nächste Juwel" im Verein, nach feinem Tänzchen das 5:2 nachgelegt hatte (65.), erschien nur noch die Höhe des Sieges fraglich. Doch der erst 17 Jahre alte Torwart Hannes Heilmair half Rosenheim mit einem kapitalen Fehler zurück ins Spiel, Sascha Marinkovic verkürzte (74.). Und Shabani gelang per Elfmeter auch noch das 5:4 (89.).

Das große Zittern setzte zwar nicht mehr ein, Sandro Wagner wirkte dennoch hinterher ein bisschen angespannt. Den Spielern tue der Sieg nach fünf sieglosen Pflichtspielen in Serie gut, "aber mir ist das wurscht", sagte er zu Beginn der Pressekonferenz. Vermutlich spielte er darauf an, dass die ersatzgeschwächte Mannschaft noch Zeit braucht, um insbesondere defensiv Automatismen zu finden, auch weil es bisher wegen der vielen englischen Wochen kaum längere Trainingsphasen gegeben hatte. Doch diese Begründung wollte Wagner nicht ausformulieren, "weil der ein oder andere hier ist, der es nicht versteht", wie der Coach gegenüber den Medienvertretern leicht genervt feststellte.

Nach und nach besserte sich Wagners Laune, schließlich stellte er fest: "Offensiv habe ich schon viele Ansätze gesehen, wie wir Fußball spielen wollen." Defensiv allerdings nicht: "Ich bin 33, nach so einem Spiel fühle ich mich wie 45 oder sogar 55."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB