Regionalliga Bayern Das Schweinfurt-Dilemma

Seit Jahren will der Verein aufsteigen, doch stets gelang dies potenteren Teams. Nun soll der Traum verwirklicht werden: Der Traditionsklub hat auf Profibetrieb umgestellt.

Von Christoph Leischwitz

Er werde das Wort erst einmal nicht in den Mund nehmen, sagt Timo Wenzel, aber um was soll es sonst gehen? Fünf Mal in Serie ist nun eine bayerische Mannschaft von der Regional- in die dritte Liga aufgestiegen, und am Ende der kommenden Saison, die am Donnerstagabend mit dem Eröffnungsspiel FV Illertissen gegen den FC Memmingen startet, wird ganz sicher der sechste Aufsteiger stehen: Dieses Mal, so hatte es der ehemalige Profi Benny Lauth im April 2018 ausgelost, hat der Meister der Regionalliga Bayern keine Aufstiegsspiel-Hürde zu bewältigen.

Für den FC Schweinfurt 05 glichen die vergangenen Spielzeiten einer Sisyphusarbeit. Der Traditionsklub hat mittlerweile auf Profibetrieb umgestellt, Präsident Markus Wolf hat einen beträchtlichen Betrag in die Entwicklung der Infrastruktur und die der Mannschaft gesteckt, das Team ist als Spitzenmannschaft gesetzt. Doch jedes Jahr kommt wieder ein anderes Team um die Ecke, das noch potenter ist, und den Schweinfurtern den Traum von der dritten Liga zerstört. Bestes Beispiel ist 1860 München in der Saison 2017/18. Mit den doppelt abgestiegenen Löwen in der vierten Liga hatte ja damals noch zwei Monate vor Saisonstart niemand gerechnet.

Der erste Spieltag

Donnerstag, 11. Juli

Illertissen - Memmingen (19 Uhr)

Freitag, 12. Juli

Aschaffenburg - Bayreuth (18.30)

Schalding-Heining - Türkg. München (18.30)

Buchbach - FC Augsburg II (19 Uhr)

Samstag, 13. Juli

VfR Garching - 1. FC Nürnberg II (17 Uhr)

Sonntag, 14. Juli

1860 Rosenheim - Burghausen (14 Uhr)

Montag, 15. Juli

1. FC Schweinfurt - TSV Aubstadt

Dienstag, 13. August

TSV Rain/Lech - Greuther Fürth II

Mittwoch, 18. September

SV Heimstetten - VfB Eichstätt

Diesmal soll es mit der Option Direktaufstieg endlich klappen. Doch da tauchte zuletzt das nächste Problem auf: Türkgücü München. "Sie sind der absolute Topfavorit", sagt Schweinfurts Trainer Wenzel. Was anderes kann er auch gar nicht sagen, angesichts der 21 neuen Spieler der Münchner, alle gut zu gebrauchen in der Regionalliga. Trotzdem sagt er: "Wir wollen am Schluss ganz oben stehen." Das Sisyphos-Dilemma ist Schweinfurts Dilemma.

Andererseits: Die Punkte zum Aufstieg fehlten den Schweinfurtern meist nicht, weil sie die Spitzenspiele verloren. Sondern, weil sie gegen die Außenseiter ausrutschten. Beispielhaft dafür stand vergangenen Herbst ein 0:5 beim Absteiger FC Pipinsried. "Das war dann schon auch Einstellungssache", glaubt Wenzel.

Der 41-jährige ehemalige Bundesliga-Spieler (u.a. VfB Stuttgart, 1. FC Kaiserslautern) hatte damals wenig Zeit, eine Mannschaft zu formen. Er war kurzfristig eingesprungen, weil der Niederländer René van Eck trotz unterschriebenem Vertrag doch nicht kam. "Wir hatten letztes Jahr kein Trainingslager", sagt er. Diesmal schon. Und auch sonst sei einiges anders gelaufen als vor einem Jahr. Zwar haben auch einige erfahrene Spieler die Schnüdel verlassen. Doch erstens habe man in Sascha Korb einen erfahrenen Mittelfeldspieler verpflichtet. Vor allem aber habe man Spieler erworben, die auf Basis der Erfahrung die nötige Mentalität mitbringen müssten, um seltener auszurutschen. "Es war uns wichtig, dass Spieler hierherkommen, die sich zerreißen", sagt Wenzel. Dazu zählt er zum Beispiel die beiden Freunde Mohamad Awata und Christian Köppel. Awata ist ein Flüchtling aus Syrien, der in Deutschland mit Fußball Geld verdienen will. "Er rackert, er ist kein Egoist, sondern ein Teamplayer", schwärmt Wenzel, genau solche Typen brauche es. Und Köppel ist einer jener Aufstiegshelden bei 1860, die dafür sorgten, dass Schweinfurt damals auch mal wieder den Kürzeren zog. In der dritten Liga konnte er sich zuletzt allerdings nicht durchsetzen. Und so wirkt der Schweinfurter Kader nicht unbedingt stärker als im vergangenen Jahr, aber homogener: "Ich habe das Gefühl, wir kennen uns alle schon seit Monaten", sagt der Trainer. Natürlich habe man diesmal auf Teambuilding-Maßnahmen verstärkt Wert gelegt.

In Schweinfurt rechnen sie, ähnlich wie in München übrigens, gar nicht unbedingt mit einem Zweikampf. Der Norden und der Süden halten jeweils noch einen Geheimtipp bereit. "Gefährlich", sagt Wenzel auf die Frage, wie er die SpVgg Bayreuth und Wacker Burghausen einschätzt. Bayreuth hat sich in dieser Woche zusätzlich verstärkt: Der ehemalige Burghauser Sascha Marinkovic, einer der bekanntesten Regionalliga-Spieler der vergangenen Jahre, hatte zuletzt bei den Sechzigern trainiert, bekam aber keinen Vertrag. In Bayreuth freuten sie sich, die Kaderplanung ist nun abgeschlossen.

Bei Türkgücü glauben sie offiziell aber auch nicht an einen Alleingang, auch wenn sie mit dieser Meinung recht alleine stehen. "Schweinfurt ist wahrscheinlich der Topfavorit. Die Mannschaft wurde ergänzt und vielleicht sogar verstärkt. Und sie haben das Ziel klar ausgegeben", sagt Türkgücüs Kaderplaner Robert Hettich. Selbst wenn es sich dabei um Tiefstapelei handeln sollte: Erst einmal müssen beide aufpassen, nicht auszurutschen: Türkgücü am Freitag beim SV Schalding-Heining, Schweinfurt am Montag gegen den Aufsteiger TSV Aubstadt. Ein Fehlstart gegen einen klaren Außenseiter wäre schon deshalb ungünstig, weil das Spiel auch noch live im Fernsehen auf Sport1 übertragen wird.