AmateurfußballLiga am Scheideweg

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Wo ist das Licht am Ende des Tunnels? Die Schweinfurter Fußballer sind zwar aufgestiegen, blicken aber ebenso ratlos durch die Gegend wie viele Beobachter der Regionalliga.
Wo ist das Licht am Ende des Tunnels? Die Schweinfurter Fußballer sind zwar aufgestiegen, blicken aber ebenso ratlos durch die Gegend wie viele Beobachter der Regionalliga. (Foto: Frank Scheuring/Imago)

Wettbewerbsverzerrung, Spielausfälle und juristische Auseinandersetzungen: Die Regionalliga Bayern stellt in der abgelaufenen Saison einmal mehr unter Beweis, dass sie dringend reformbedürftig ist.

Kommentar von Christoph Leischwitz

Herrlich bayerische David-Goliath-Geschichten waren das, wenn zum Beispiel der TSV Aubstadt die Profis vom FC Schweinfurt herspielte. Und es kommt heldenhaft daher, wenn ein Traditionsklub wie Schweinfurt ausgerechnet jetzt Meister wird, wo er gerade von Profi- auf Amateurbetrieb umgestellt hat. Gott mir dir, du Land der Regionalliga Bayern! Du bist das „Mia san mia“ des gehobenen Amateursports!

Doch unter der weiß-blauen Verkrustung eiterte es. In Wahrheit verdienten viele Aubstädter Spieler auch ganz ordentlich.  Schweinfurt zahlte als braver Arbeitgeber Sozialabgaben – dafür war ein Millionen-Budget nötig. Während die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft nach einer Schwarzgeld-Razzia beim TSV Aubstadt immer noch ausstehen, feiern die Schnüdel sofort nach Abwurf des Profi-Ballasts den so lang ersehnten Aufstieg.

In der jetzt beendeten Saison ist die Kruste aufgebrochen. Erstens, weil die rein bayerische Liga ein Attraktivitätsproblem hat. Der Dorfklub TSV Buchbach mag spektakulär Vizemeister geworden sein. Deswegen will aber trotzdem niemand deren x-tes Duell beim FV Illertissen sehen. Na gut, stimmt nicht ganz. Es kamen 136 Zuschauer.

Die Krise in der vierten Liga ist kein rein bayerisches Problem. In Nordrhein-Westfalen mit seinen traumhaften Zuschauerzahlen (Schnitt: 2300, gegenüber 970 in Bayern) entschieden allein die finanziellen Verhältnisse über den Abstieg: Zwei Teams zogen sich aus dem Spielbetrieb zurück, der KFC Uerdingen meldete Insolvenz an. Aber nicht zu toppen ist die Farce um Türkgücü München: Der Verband ignorierte jahrelang seine eigenen Vorgaben, damit der schillernde Klub weiter mitmischen kann. Dabei hatte Türkgücü in Wahrheit nie ein regionalligataugliches Stadion verlässlich zur Verfügung. Jetzt endlich, nach drei Nichtantritten mit erheblicher Wettbewerbsverzerrung, drückt es Türkgücü in die Bayernliga. Schuld daran ist nicht, wie der Verein behauptet, die Stadt München, die nicht einmal darauf pochte, dass Türkgücü endlich einmal seine sechsstelligen Mietschulden begleicht. Schuld sind, neben einem über Jahre stümperhaften Türkgücü-Management, die hochtrabenden Stadion-Ansprüche des Verbandes. Ende vergangener Saison übrigens wollten oder konnten mehre Mannschaften nicht in die Regionalliga aufsteigen, wegen neuer Flutlicht-Auflagen.

Zum Saisonfinale bekommt der BFV noch ein Schiedsgerichts-Urteil serviert, das klar zeigt: Profiregeln wie jene, wonach vier deutsche U23-Spieler in einem Kader stehen müssen, haben in Liga vier nichts verloren. Denn auch wo nur kleines Geld verdient wird, muss europäisches Arbeitsrecht gelten. Durch die Schwaben-Augsburg-Entscheidung wird jetzt wohl der DFB gezwungen, bundesweit Statuten-Änderungen anzuregen, die lange verschlafen wurden.

Bleibt zu hoffen, dass die vielen monetären und imageschädigenden Pleiten dazu führen, dass endlich Bewegung in die lang schwelende Reform-Diskussion kommt. Schon die Verkleinerung der Regionalliga von fünf auf vier Staffeln könnte helfen. Denn eine Paarung wie Würzburger Kickers gegen Stuttgarter Kickers würde sich zumindest schon mal nach Profifußball anhören.

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Fußball-Regionalliga
:EU-Recht schlägt BFV-Regel

Weil die U23-Richtlinie des Bayerischen Fußballverbands europäische Spieler diskriminiert, ist sie ungültig. Schwaben Augsburg, das dagegen verstoßen hat, darf deshalb seine Punkte behalten.

Von Christoph Leischwitz

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