Referendum in Hamburg:Warum aussteigen keine Alternative ist

Also lieber gleich aussteigen? Nur als "Candidate City" könnte Hamburg, könnte Deutschland ein paar Jahre lang über die Zukunft der Spiele ernsthaft mitdiskutieren. Fußball in Russland und Katar, Olympia in Tokio, Pyeongchang und Peking - das sind die nächsten Haltestellen des Weltsports. Dem IOC bieten sich genug geschmeidigere Länder an, die mit hohen Zustimmungswerten in der Bevölkerung aufwarten können. Oft genug bedeutet der Beifall aber nur: Dort ist kein Widerstand zu erwarten, das IOC bestimmt die Bedingungen, der Ausrichter pariert.

Hamburg darf ein "Ja" deshalb gerne auch als "Ja, aber..." verstehen: Ja, Olympia an sich ist eine gute Sache - aber wir reden bei den Regeln mit. Niemand muss die ehrenwerte olympische Idee Coubertins für falsch halten, nur weil sie durch Gigantismus, totalen Kommerz und das Vertrags-Regime des IOC degeneriert ist. Wie aber soll man glaubwürdig eine Reform der Spiele fordern, wenn man ausschließt, noch jemals welche austragen zu wollen?

In München standen die Menschen einer Bewerbung um Winterspiele nicht nur wegen der Kosten und der Umweltfolgen kritisch gegenüber, sondern auch, weil ein Deal mit diesem IOC manchen vorkam wie ein Pakt mit dem Teufel. Eine vor dem Hintergrund des aktuellen WM-Skandals transparente, blitzsaubere Bewerbung könnte einen Standard setzen.

Der Westen sollte, wenn er in der olympischen Idee noch einen Wert an sich sieht, Olympia nicht einfach aufgeben. Olympische Spiele, gerade Sommerspiele, können Städte für immer verändern. Wer wüsste das besser als München, das einst als München '72 neu geboren wurde. Es erlebte damals seine hellsten und seine dunkelsten Stunden gleichzeitig, das Fest und die Geiselnahme im olympischen Dorf. Und München war danach eine andere Stadt - trotzdem keine schlechtere.

Was aus Hamburg '24 würde? An den Anfang dieser Geschichte gehört ein Ja.

© SZ vom 28.11.2015
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