Rechtsradikale beim TSV 1860 München Eindringlinge in Block 132

Bis zu 100 Rechtsextreme und stadtbekannte Neonazis versammeln sich bei den Heimspielen des TSV 1860 München im Block 132 der Arena. Erstmals gehen nun die Verantwortlichen des Klubs das Problem offensiv an. Auch die 1860-Ultras unterstützen die Aktion, um "arglose Fans vor dem Einfluss der Nazis zu schützen".

Von Markus Schäflein und Walter Gierlich

Es war eine kleine Polizeimeldung, die den Blick auf ein großes Problem lenkte. Vor dem Zweitliga-Spiel des TSV 1860 München gegen Fürth stand an einem Kiosk eine Gruppe von sechs Personen aus dem rechtsextremen Bereich. "Unter ihnen waren auch zwei amtsbekannte Personen. Die Gruppe wurde einer Kontrolle unterzogen", teilte die Polizei mit. Die Amtsbekannten waren Norman Bordin, der Gründer der so genannten Kameradschaft Süd, und der verurteilte Rechtsterrorist Karl-Heinz Statzberger.

Die Fans des TSV 1860 München (hier im Bild) distanzieren sich von den 'Eindringlingen' in Block 132.

(Foto: imago sportfotodienst)

Herbert Schröger ist davon wenig überrascht. Er weiß, dass sich bis zu 100 Rechtsextreme und stadtbekannte Neonazis bei den Heimspielen im Block 132 der Arena versammeln. Seit 17 Jahren kämpft er mit der Fanorganisation "Löwenfans gegen rechts" gegen rechte Umtriebe in der Kurve. Oft hat er sich aus diesem Grund mit seinem Klub angelegt, auch weil er den Eindruck hatte, dass die Verantwortlichen das Thema unter den Teppich kehrten.

Seit einigen Monaten aber hat Schröger erstmals das Gefühl, dass die Vereinsoberen das Problem angemessen angehen. "Wir haben uns Ende letzten Jahres mit dem Aufsichtsrat und Präsidiumsmitgliedern zusammengesetzt und Fotos verglichen - aus der 1860-Kurve und von Nazi-Demos." Als sie immer wieder dieselben Gesichter entdeckten, seien auch die Klubverantwortlichen "ehrlich bestürzt" gewesen, berichtet Schröger. "Das Problem ist endlich erkannt worden, und 1860 positioniert sich."

So auch Präsident Dieter Schneider: "Wir wollen diese Leute nicht im Stadion, und wir wollen diese Leute nicht im Verein", sagt er zur SZ. In der Stadionzeitung erscheinen nun regelmäßig Beiträge zu dem Thema, auf einer Straßenbahnwerbefläche will der Verein klar Stellung beziehen. Die 1860-Ultras zeigten an diesem Abend ein ähnliches Banner.

Schrögers Befürchtung, nach dem Rückzug der etablierten Ultragruppe "Cosa Nostra" aus dem Fanblock könnten die Rechtsradikalen dort mehr Einfluss gewinnen, hat sich nicht bestätigt: "Unsere jüngeren Ultras, die Giasinger Buam, haben sich da auch klar positioniert." Dies sei wichtig, um "arglose Fans, vor allem die Jungen, vor dem Einfluss der Nazis zu schützen".

Hausverbote dürften schwierig durchzusetzen sein, so Schneider. Das sei nur bei strafwürdigem Verhalten möglich - etwa beim Zeigen des Hitlergrußes. "Ich kann nicht einfach zu einem sagen: Weil du rechtsradikales Gedankengut im Kopf hast, kommst du nicht rein", so Schneider.

Schröger hofft stattdessen, dass der Name "Outsiders", den die Nazis auf ihrer Blockfahne tragen, Programm wird - "dass sie irgendwann selbst merken, dass sie bei 1860 nicht am richtigen Platz sind".

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