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Real und Atlético Madrid:Zwei Seelen in einer Hauptstadt

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Reals Cristiano Ronaldo (links) und Atléticos Diego da Silva Costa (rechts): Das letzte Aufeinandertreffen im März endete 2:2.

(Foto: AFP)

Atlético hat mehr Herz als Geld, bei Real reicht manchmal selbst das Gewinnen nicht aus: Für zwei Tage rückt Madrids Fußball-Rivalität ins Zentrum der Sportwelt. Die Vereine stehen beide im Halbfinale der Champions League - doch sie trennen Welten.

Von Gott zu Göttin, von Neptun zu Kybele, sind es nur einige hundert Meter, den prächtigen Paseo del Prado rauf. Und wenn die Bäume in der Mitte der Allee auch noch im süßen Grün des Frühlings stehen, wie jetzt wieder, dann deutet nun wirklich nichts auf die Niedrigkeiten, die sich auf diesem Stück eleganter Flaniermeile im Zentrum von Madrid zuweilen zutragen. An beiden Enden. Wahrer Vandalismus. Kybele, die Göttin der Fruchtbarkeit, erlitt schon schwere Verletzungen an Leib und Karren, auf dem sie da kutschiert. Und Neptun, dem Meeresgott, haben sie schon so oft den Dreizack gestohlen, dass man sich in der Stadtverwaltung fragen sollte, ob es denn sinnvoll ist, ihm immer wieder einen neuen zu geben.

"Neptuno" und "Cibeles", wie die beiden Monumentalbrunnen am Prado auf Spanisch heißen, sind die Triumphstätten und Referenzpunkte im sentimentalen Koordinatensystem des Madrider Fußballs. Gewinnt Atlético Madrid mal etwas, dann feiern seine Fans rund um den Neptunbrunnen. Gewinnt Real Madrid schon wieder etwas, dann strömen und pilgern die Seinen zur Plaza de Cibeles. Als wohnte jedem Triumph, jedem großen Sieg auch eine Note Göttlichkeit inne. Und das tut es natürlich.

Die Vandale-Akte sind Neidattacken, profane Belege dafür, wie ernst es dieser Stadt mit dem Fußball ist, wie sehr die Rivalität alles durchdringt, auch die Deutung der Geschichte, die Politik, sogar das Königshaus. Aber dazu später.

In diesen Tagen gibt Madrid die ganz große Bühne des Fußballs, europäisch und global, mit zwei Halbfinals der Champions League binnen 24 Stunden. So wollte es der Zufall der Auslosung, die den beiden Madrider Vereinen je ausländische Gegner, den FC Chelsea und den FC Bayern, bescherte. Und Hinspiele zu Hause.

Spanien war in den vergangenen Jahren oft doppelt präsent in der Endphase der Königsklasse, immer aber mit Real und dem FC Barcelona, den beiden nationalen Fußballmächten. Doch diesmal schreibt das schöne, überraschende Kapitel dieses Wettbewerbs Atlético, ein Team mit mehr Herz als Geld. Und das ist nur eine Falllinie zwischen den Welten der beiden Madrider Vereine. Sie sind Antagonisten im engsten Wortsinn und in fast allem, sie sind das Fußball gewordene Nord-Süd-Gefälle.

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