bedeckt München 14°

Toni Kroos bei Real Madrid:"Er ist für die Mannschaft lebenswichtig"

Real Madrid: Toni Kroos in der Champions League gegen Atalanta Bergamo

Im Zeichen der Königlichen: Toni Kroos ...

(Foto: Alberto Lingria/Reuters)

Toni Kroos überholt mit seinem 309. Spiel für Real Uli Stielike als deutschen Rekordspieler des Klubs. In Madrid erfährt er viel Anerkennung - es schwingt aber oft auch ein wenig Kühle mit.

Von Javier Cáceres

Dieser Tage wurde Uli Stielike, 66, von Real Madrid TV kontaktiert, dem offiziellen Sender des gleichnamigen Klubs. Ob er nicht eine Botschaft für Toni Kroos bereitstellen würde, wurde er gefragt, und natürlich konnte Stielike. Anlass bot eine Marke, die Kroos am Montagabend bei einem diskreten 1:1-Unentschieden des spanischen Rekordmeisters gegen Real Sociedad San Sebastián erreichte: Er hat nun 309 Pflichtspiele für Real bestritten - und Stielike damit als den Rekord-Deutschen der Madrilenen abgelöst.

Er habe dem Landsmann gratuliert, sagt der bisherige Rekordhalter Stielike am Telefon. Vor allem aber habe er ihm eine Bitte für die Zukunft aufgetragen: "Ich habe gesagt, dass er ja nicht mehr zu einem anderen Klub gehen, sondern seine Karriere bei Real Madrid beenden solle", irgendwann einmal. Dass er den Rekord verloren habe, das sei ihm nicht so wichtig, er habe nicht einmal gewusst, dass er 308 Spiele für Real Madrid absolviert hatte. Aber ein Karriereende bei Real Madrid - das würde bei ihm gesunden Neid auslösen, sagt Stielike.

Unglücklicher Besuch in der Heimat: 1982 verliert Uli Stielike mit Real Madrid 0:5 gegen den 1. FC Kaiserslautern im Viertelfinale des Uefa-Cups.

(Foto: Ferdi Hartung/imago)

Er selbst musste 1985 zu Xamax Neuchatel in die Schweiz abwandern. Stielike war seinerzeit zwar ungemein beliebt. Dass sie ihn "Panzer" nannten, war Zeichen einer ungeheuren Wertschätzung, die ihm das Volk im Bernabéu-Stadion entgegenbrachte. Aber: Seinerzeit waren anders als heutzutage nur zwei Ausländer pro Team erlaubt. Präsident Ramón Mendoza wollte den argentinischen Stürmer Jorge Valdano halten, den er erst im Vorjahr verpflichtet hatte, und den mexikanischen Goalgetter Hugo Sánchez dazuholen. Da war dann kein Platz mehr für Stielike, der sich in seiner spanischen Wahlheimat niedergelassen hat, in der Nähe von Málaga, und dort das Spiel von Real Madrid am Montag nur aus dem Augenwinkel verfolgte.

Es war nicht das brillanteste Spiel von Kroos, aber er verrichtete seine Arbeit wieder einmal verlässlich. Kroos hat 309 Partien bestritten, 196 Siege gefeiert (bei 60 Unentschieden), 21 Tore erzielt und 68 Vorlagen geliefert. Erstaunlich aber ist, dass seine Passquote jenseits der 90 Prozent liegt. "Er ist für die Mannschaft lebenswichtig, so wie Modric", sagte dieser Tage der frühere spanische Weltmeistertrainer (und ehemalige Real-Madrid-Spieler) Vicente Del Bosque der Zeitung Marca. "Kroos macht viel, und alles mit einer beeindruckenden Schlichtheit. Was ich am meisten herausstellen würde? Seine Fähigkeit, die richtige Entscheidung zu treffen. Er wählt immer den richtigen Weg." Und das sind Worte, die im Grunde bestätigen, was auch Stielike beobachtet hat: dass Kroos sich in Spanien "ein hohes Standing" erarbeitet hat, das sich auch darin zeige, "dass er über so einen langen Zeitraum im Grunde Stammspieler ist".

Der FC Bayern verschmähte Toni Kroos

Kroos kam nach dem Sieg bei der Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 in die spanische Hauptstadt, für vergleichsweise kleines Geld. Sein damaliger Klub, der FC Bayern München, verschmähte ihn und verkaufte ihn - zum Entsetzen des damaligen Trainers Pep Guardiola - für 25 Millionen Euro an die Madrilenen. Kroos tat sich lange schwer damit, auf Spanisch zu kommunizieren; in der Anerkennung, die er erfahren hat, schwang immer auch ein wenig Kühle mit: "Deutscher Stahl" überschrieb dieser Tage die Zeitung As eine Lobhudelei auf Kroos. Aber: Er ist eines der Gesichter einer sagenhaft erfolgreichen Generation. Kroos holte mit dem spanischen Rekordmeister dreimal den Titel in der Champions League, viermal die Klub-WM, drei europäische und zwei spanische Supercups, dazu zwei Meistertitel. Ob nun ausgerechnet in dieser Saison ein dritter Triumph in La Liga dazukommt? Das wird erheblich von der Frage abhängen, ob Real Madrid am Wochenende die Visite bei Atlético Madrid erfolgreich gestalten kann, der Nachbar führt gerade die Tabelle an.

Sollte Real es noch gelingen, Atlético abzufangen, würde Kroos in der so ziemlich einzigen Statistik gleichziehen, in der Stielike noch führt: Der frühere Gladbacher wurde drei Mal spanischer Meister, überdies holte er einmal den Uefa-Cup, zweimal den Pokal und einmal den Ligapokal. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich wirklich ein Karriereende im Bernabéu-Stadion, das derzeit umgebaut wird.

Zu den Plänen von Toni Kroos zählt das allemal. Sein aktueller Vertrag wurde 2019 verlängert und endet 2023, wenn er 33 Jahre alt ist. "Ich werde dann drei Optionen haben", sagte er vor Monaten der Zeitschrift GQ: "Hier bleiben, etwas anderes machen oder meine Karriere beenden. Aber mein Wunsch ist es, meine Karriere hier zu beenden, bei Real Madrid."

© SZ/Grö
Zur SZ-Startseite
Bundestrainer Jogi Löw beim Spiel Eintracht Frankfurt gegen Bayern München

MeinungDeutsche Nationalmannschaft
:Löws Neujahrsbotschaft im März

Dürfen Müller, Boateng und Hummels auf ein DFB-Comeback hoffen? Der Bundestrainer äußert sich in zwei Interviews verbindlicher als bislang - und verschafft sich etwas Zeit.

Kommentar von Philipp Selldorf

Lesen Sie mehr zum Thema