Real Madrid Steuerpatriot Karim Benzema

Sein angebliches Phlegma hätte viele Stürmer auf der Welt gerne: Real-Angreifer Karim Benzema gelingen zwei Treffer gegen Borussia Dortmund.

(Foto: Javier Soriano/AFP)
  • Weil Karim Benzema seine Steuern in Frankreich statt in Steuerparadiesen bezahlt, bekommt er nun den Namen "Steuerpatriot".
  • Ein Gericht versuchte zudem, die Veröffentlichung der Recherchen in Spanien und in anderen Ländern zu unterbinden.
Von Javier Cáceres, Madrid

Die Augen des Karim Benzema leuchteten, als er aus der Kabine kam; all der Zorn, der noch bis unters Dach des Bernabéu-Stadions spürbar war, als er beim 2:2 den ersten seiner zwei Treffer gegen Borussia Dortmund erzielt hatte, war verflogen. Da nämlich war er ins Tor geeilt, um den Ball aus dem Netz zu holen und hatte diesen Richtung Abendhimmel gedroschen. 28 Minuten waren gespielt, und was da aus Benzema herausplatzte, war der Groll über eine Konstante, die er seit seinem Wechsel zu Real Madrid im Jahr 2009 ertragen muss: die stetige Kritik an seinem angeblichen Phlegma. Auch zuletzt war er wieder in den Medien gegeißelt worden. Doch dann lieferte er nicht nur "persönlich ein gutes Spiel" ab, wie er sagte, sondern schrieb seinen Namen in die Liste der zehn besten Champions-League-Torjäger der Geschichte ein. Mit nunmehr 50 Königsklassen-Treffern, mehr als Alfredo Di Stéfano selig. Ein Phlegma wie Benzema hätte mancher Stürmer in Europa gern.

In der Kabine von Real Madrid freilich neiden sie ihm etwas anderes. Dort sind einige Kicker verstimmt, weil sie in den vom Spiegel und weiteren europäischen Medien veröffentlichten "Football Leaks"-Dokumenten auftauchen und nun im Ruch stehen, Gelder am spanischen Fiskus vorbeizuschleusen. Auch Benzemas Name fällt nun, er kassierte Werbeeinnahmen jenseits spanischer Grenzen, allerdings nicht in einem Steuerparadies, sondern in Frankreich, wo er rund 33 Prozent Steuern auf die Gesamteinnahmen abführte. Mehr als in Spanien. Ob das Spaniens Fiskus gefällt, ist zwar immer noch die Frage, immerhin lebt Benzema in Madrid, dort hätte man gewiss gern etwas von seinem Kuchen ab. Aber das Etikett "Steuerpatriot", das Benzema aufgepappt wurde, gefiel ihm; er lächelte, als ihm der Begriff in der Mixed Zone an den Kopf geworfen wurde: "Ich bin sehr gelassen", sagte Benzema. Sturmpartner Cristiano Ronaldo wirkte zwar auch gelassen, als er wortlos mit dem Kind auf dem Arm nach Hause marschierte. Doch die Kreise, die Football Leaks zieht, sind dazu angetan, ihn zu beunruhigen.

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So wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft in Madrid Anzeigen gegen fünf Profis wegen mutmaßlicher Steuervergehen erstattet hat - unter ihnen Bayern-Profi Xabi Alonso, dessen Konflikt mit dem Fiskus länger bekannt ist und insofern aus dem Rahmen fällt, als er im Gegensatz zu Radamel Falcao (AS Monaco, früher Atlético Madrid), Ricardo Carvalho, Ángel Di María und Fábio Coentrão nie zu den Klienten des Ronaldo-Managers Jorge Mendes zählte. Für Ronaldo sind die Neuigkeiten unschön, weil Falcao, Carvalho, Di María und Coentrão ihre Einnahmen aus Bildrechten durch ähnliche oder identische Firmenstrukturen in Steuerparadiesen kanalisierten wie Ronaldo. Der beteuert ja, sich nur im Rahmen der Legalität bewegt zu haben. Er soll Einnahmen aus Werbeverträgen - rund 150 Millionen Euro aus zwölf Jahren - durch Firmen in Irland und den Britischen Jungferninseln geschleust haben.

Wie groß der Druck wird, lässt sich auch daran ablesen, dass Spaniens Finanzministerium wissen lässt, die im Jahr 2015 angestoßene Untersuchung des Gebarens Ronaldos werde "in aller Stille" vorangetrieben. Das freilich verhindert nicht, dass in Barcelona der Chor derjenigen anschwillt, die sich wundern, dass die Staatsanwaltschaft bisher fast nur ehemalige Real-Stars ins Visier nimmt. Für Wirbel sorgt auch, dass Barça-Stars wie Lionel Messi oder Javier Mascherano unerbittlich verfolgt wurden; zumindest im Vergleich zu Mendes-Klienten. So verheimlichte der Trainer José Mourinho dem Fiskus weit höhere Beträge als die Barça-Stars. Messi und Mascherano wurden in öffentlichen Prozessen zu Gefängnisstrafen verurteilt; Mourinho kam mit diskret ausgehandelter Steuerbuße davon. Finanzminister Cristóbal Montoro bestätigte, Erkenntnisse aus dem Football-Leaks-Komplex seien in die Untersuchungen eingeflossen.

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Bemerkenswert ist das auch, weil Spaniens Justiz gleichzeitig versucht, die Veröffentlichung der Football Leaks zu stoppen. Richter Arturo Zamarriego untersagte der Zeitung El Mundo schon vor Tagen, entsprechende Dokumente in Spanien zu veröffentlichen, er geht davon aus, dass die "vertraulichen" Dokumente durch einen Hacker-Angriff auf die Server eines Steuerfachbüros in Madrid illegal beschafft worden sind. Beweise dafür legte er nicht vor, das entsprechende Verfahren selbst unterliegt noch dem Ermittlungsgeheimnis.

Die betroffenen Medien und die anonymen Betreiber von Football Leaks haben stets betont, die Dokumente seien legal beschafft. Dem Chefredakteur von El Mundo drohte der Richter dennoch mit fünf Jahren Haft. El Mundo setzte sich über das Veröffentlichungsverbot hinweg, ohne dass der Richter die Drohung wahr gemacht hätte. Stattdessen versuchte er, mit Rechtshilfeersuchen ein Veröffentlichungsverbot in anderen Ländern zu erwirken - etwa in Deutschland, der Heimat des Magazins Spiegel. Spanische Journalistenverbände sprachen von Akten der Zensur und einem unwürdigen Angriff auf die Pressefreiheit.

Spaniens Regierungssprecher Iñigo Méndez de Vigo, der gleichzeitig auch Sportminister ist, zeigte sich "überrascht" und sagte, dass er "das Gefühl habe, dass es zu nichts führen wird, und Sachen, die zu nichts führen, sollte man besser bleiben lassen". Ob da wohl jemandem etwas peinlich ist?

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