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Real Madrid:Ronaldo droht schweigend mit der Scheidung

Er sagt derzeit nichts: Cristiano Ronaldo.

(Foto: AFP)
  • Cristiano Ronaldo fühlt sich wegen der Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung im Stich gelassen und kokettiert mit seinem Abschied von Real Madrid.
  • Doch welcher Klub könnte sich den Weltfußballer überhaupt leisten?

Von Javier Cáceres

Zuletzt gab Cristiano Ronaldo, 32, Philosophisches von sich: "Manchmal ist Schweigen die beste Antwort", teilte der Kapitän der portugiesischen Nationalelf auf einem Sozialnetzwerk mit - und garnierte das Ganze mit einem Foto, auf dem er den Zeigefinger auf die Lippen hielt.

Auch am Freitag, als er aus Anlass des Confed Cups mit der Nationalelf seines Heimatlandes in der russischen Stadt Kasan eingetroffen war, schwieg der Stürmer von Real Madrid. Im 5 400 Kilometer entfernten Lissabon erschien die Sportzeitung A Bola jedoch mit einer Schlagzeile, die einen heißen Sommer verspricht: "Ronaldo will Spanien verlassen", hieß es. Die Entscheidung sei "irreversibel" und dem Präsidenten von Real, Florentino Pérez, bereits mitgeteilt worden. Grund: der drohende Steuerstrafprozess in Madrid.

Dabei geht es nicht nur um einen erheblichen Geldbetrag - Ronaldo soll 14,77 Millionen Euro hinterzogen haben-, sondern vor allem auch um die Reputation eines Weltsportlers, dem sein Image so wichtig ist, dass er nicht nur über korrekt gezupfte Augenbrauen wacht, sondern seinen privaten Friseur sogar ins Wachsfigurenkabinett schickt. Auf dass sein Ebenbild immer auf dem neuesten Stand ist.

Real steht Ronaldo öffentlich bei

Am vergangenen Dienstag war publik geworden, dass Spaniens Staatsanwaltschaft Ronaldo der Steuerhinterziehung verdächtigt, ein Ermittlungsrichter wird in den kommenden Wochen entscheiden, ob es zur Anklage kommt. Ronaldo hatte jahrelang Werbeeinnahmen über Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen abgewickelt. Umstritten ist, ob er dabei - im Stile von multinationalen Konzernen wie Amazon, Starbucks oder Facebook - nur geschickt die Steuerlücken nutzte, die ihm die Gesetzgebung bot, oder ob er doch in die Illegalität abglitt. "Ich habe ein reines Gewissen", sagt Ronaldo selbst.

Real positionierte sich zwar öffentlich zugunsten des Weltfußballers ("zeigte stets den klaren Willen, alle seine steuerlichen Pflichten zu erfüllen"), zugleich gab ihm Spaniens Rekordmeister aber wohl den Rat, einen öffentlichen Prozess durch ein freiwilliges Schuldeingeständnis abzuwenden. Für besondere Verärgerung sorgte bei Ronaldo zudem wohl das Gerücht, Reals PR-Abteilung habe die Chefredakteure der spanischen Zeitungen abgeklappert, um darum zu bitten, bei der Illustrierung der Geschichten zur Steueraffäre davon abzusehen, Ronaldo im blütenweißen Trikot von Real Madrid zu zeigen. Zufall oder nicht: Die Zeitungen zeigten anderntags - immerhin aktuellere - Fotos des Torjägers im Portugal-Dress.

Daher spricht vieles dafür, dass sich Ronaldo von seinem Verein im Stich gelassen fühlt. Weil A Bola notorisch gute Beziehungen zu Ronaldo-Manager Jorge Mendes unterhält, zweifelte in Spanien niemand den wahren Kern der Geschichte an, die von Real hinter vorgehaltener Hand bestätigt wurde. Die Zeitung As berichtete sogar in bestem "Jetzt-kann-man's-ja-sagen"- Stil, Ronaldo habe seinen Entschluss, Spanien zu verlassen, bereits vor Wochen gefasst. Er sei nur mühsam davon abgebracht worden, die "Bombe" vor dem dann siegreich bestrittenen Champions-League-Finale von Cardiff (4:1 gegen Juventus Turin) am 3. Juni platzen zu lassen.

Marca wiederum will erfahren haben, dass Real darauf hoffe, Ronaldo im Laufe des Sommers wieder einzufangen. Doch dabei werde sich der stolze Klub nicht mehr verbiegen als unbedingt notwendig: "Real Madrid steht über allen - auch über Cristiano Ronaldo", war der Kommentar eines profilierten Marca-Autoren überschrieben, der sich las wie ein Vorgriff auf die Kommunikations-Strategie der kommenden Wochen.

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