Real Madrid Kapitän gegen Präsident

Real-Kapitän Sergio Ramos.

(Foto: AFP)
  • Real Madrids Kapitän Sergio Ramos soll sich laut der spanischen Zeitung As nach dem 1:4 vom Dienstag gegen Ajax in der Real-Kabine ein heftiges Wortgefecht mit Vereinsboss Florentino Pérez geliefert haben.
  • Ausgangspunkt war, wie von diversen Medien bestätigt wurde, eine Philippika des verärgerten Klubpräsidenten.
  • Daneben beschäftigt den Verein, der zuletzt drei Spiele verlor, die Zukunft von Trainer Santiago Solari. Diverse Trainer werden in den Medien als mögliche Nachfolger gehandelt.
Von Javier Cáceres

Nach dem sechstägigen Beben, das die diesjährigen Titeloptionen Real Madrids durch drei Niederlagen gegen den FC Barcelona im Pokal und in der Meisterschaft sowie Ajax Amsterdam in der Champions League zu Staub reduzierte, wird das Bernabéu-Stadion weiter von schweren Erschütterungen heimgesucht. Wie die Zeitung As berichtete, kam es nach dem 1:4 vom Dienstag gegen Ajax in der Kabine Reals zu einem heftigen Wortgefecht zwischen Vereinsboss Florentino Pérez und Kapitän Sergio Ramos. Es gipfelte in einer Kündigungsdrohung des Patrons, die Ramos mit einem schon jetzt legendären Satz beantwortete: "Zahl mich aus, und ich bin weg!"

Ausgangspunkt war, wie von diversen Medien bestätigt wurde, eine Philippika des verärgerten Klubpräsidenten. Der Auftritt der Mannschaft sei eine "Schande" und die Konsequenz der vielen freien Tage gewesen, die sich das Team ausbedungen habe. Ramos, 32, bewies Klassensolidarität und widersprach dem Boss: Unter dem amtierenden Trainer Santiago Solari habe es weniger freie Tage gegeben als früher. Und eine "Schande" sei nicht die Leistung der Kollegen, sondern die Saisonplanung durch das Klubmanagement gewesen. Die Real-Bosse hatten es unterlassen, den zu Juventus Turin abgewanderten Cristiano Ronaldo zu ersetzen. Diese Kritik konnte Pérez nur auf sich beziehen, denn Real Madrid hat außer Pérez keinen Sportdirektor. Die Folge: eine Eskalation, die nun stadtweit diskutiert wird.

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Pérez, einer der wichtigsten und reichsten Industriellen Spaniens, ist keine Widerworte gewöhnt. Im Gegenteil: Minister, oppositionelle Politiker, Richter, Unternehmer, Gewerkschafter und Journalisten reißen sich darum, in der VIP-Loge des Bernabéu-Stadions in den Dunstkreis des Real-Chefs zu gelangen. Ramos hingegen zählt schon seit Jahren zu den wenigen, die es wagen, Pérez die Stirn zu bieten.

Trainer Solari soll angeblich am Montag entlassen werden. Kommt José Mourinho zurück?

So auch am Dienstag. Er lasse sich keinen Mangel an Einsatz vorwerfen, sagte Ramos. Er habe sich "für diesen Klub, dieses Wappen, sogar für Sie, die Fresse polieren lassen", sagte Ramos - und unterschlug dabei freilich, dass er selbst auch manchem Gegner die Fresse poliert hat. Wie auch immer: "Ich schmeiß Dich raus!", rief Pérez. Ramos' Antwort: der bereits erwähnte Verweis auf den bis 2020 laufenden Vertrag und die damit verbundenen Gehaltszahlungen von angeblich zwölf Millionen Euro netto pro Jahr.

Eine Rolle bei dem Streit zwischen Pérez und Ramos spielte offenbar auch Ramos fraglos bizarre Idee, sich am Rande der Partie gegen Ajax für eine Fernsehdokumentation über sein Leben in der VIP-Loge filmen zu lassen. Das war möglich, weil Ramos wegen einer Gelbsperre gegen Ajax nicht im Kader stand. In der Nachspielzeit des Hinspiels von Amsterdam hatte er beim Spielstand von 2:1 eine Verwarnung provoziert, um eine damals nur drohende Sperre im Rückspiel gegen Ajax abzusitzen.

TV-Aufnahmen zeigten, dass er dafür die Erlaubnis seiner unmittelbaren Vorgesetzten einholte. Ramos pfiff Richtung Trainerbank und rief: "Karte?! Soll ich sie mir holen?" Er foulte Ajax-Profi Kasper Dolberg an der Mittellinie und sah zurecht Gelb. Seine Kalkulation ging jedoch nicht auf. Die Uefa sperrte ihn für zwei Spiele, unter anderem weil Ramos in einem Interview eingestand, die Gelbe Karte "gesucht" zu haben. Und Ramos wurde beim 1:4 gegen Ajax als Real-Abwehrchef derart vermisst, dass die Madrilenen nach 1011 Tagen ihren europäischen Thron verloren. Mit Folgen. Denn Pérez, so ist in Madrid zu hören, wäre Ramos lieber heute als morgen los. Die beiden sind in der Vergangenheit immer wieder aneinandergeraten - so wie der Chef auch mit früheren Kapitänen und Real-Legenden schwere Konflikte hatte, darunter Hierro, Raúl, Casillas oder eben Ronaldo.

Das Ramos-Nachbeben ist nicht das einzige, das Madrid zittern lässt. Das von Telemadrid verbreitete (und wohl vom Klub gestreute) Gerücht, der unter Real-Fans umstrittene José Mourinho werde noch vor dem Ligaspiel bei Real Valladolid (Sonntag) auf den Trainerposten zurückkehren, bewahrheitete sich zunächst nicht. Als neuer Termin für Solaris Entlassung gilt der Montag. Sollte Mourinho tatsächlich kommen, dürfte Ramos den Klub verlassen. Ramos ist mit dem Portugiesen seit dessen Zeit bei Real (2010-2013) heillos zerstritten. Angeblich versucht der Klub, einen anderen früheren Trainer, Zinédine Zidane (2016-2018), zur Rückkehr zu bewegen. Die Medien spielen aber auch mit Namen wie Jürgen Klopp (Liverpool), Joachim Löw (DFB), Massimiliano Allegri (Juventus) und Mauricio Pochettino (Tottenham). Die Liste dient als Indiz dafür, dass die Verantwortlichen bei Real Madrid nach dem Niederlagen-Trio gegen Barcelona und Ajax nicht wissen, was sie jetzt tun sollen.

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