Real Madrid nach der Dortmund-Pleite:Hatte Mourinho eine Idee?

Mit welcher Idee hatte Mourinho seine Leute ausgestattet, als er sie auf die Begegnung mit der Borussia einstimmte? Zu dieser elementaren Frage hat die Uefa, die ansonsten jeden kurzen, mittleren und langen Pass jedes einzelnen Spielers statistisch dokumentiert, keinerlei Datenmaterial zur Verfügung gestellt. Womöglich deshalb, weil es kein methodisches System zu erfassen gab. Dem simplen Augenschein nach zu urteilen, war Mourinhos Matchplan eine Hommage an Franz Beckenbauers berühmtes Bonmot ("Geht's raus und spielt's Fußball").

Natürlich wird auch Mourinho eine Tafel aufgestellt und ein paar Namen und Pfeile darauf gemalt haben, aber ein Effekt ließ sich nicht erkennen. Was man sah, war eine Mannschaft mit brillanten Fußballern, die imstande waren, brillante Kombinationen aufs Feld zu zaubern. Diese Momente schienen jedoch meist das Resultat geglückter Improvisationen und Pioniertaten zu sein, wobei sich Cristiano Ronaldo und auch Luka Modric deutlich mehr hervortaten als Mesut Özil, der sich auf seiner rechten Seite offenbar nicht wohlfühlte.

Reals auffälligster Mannschaftsteil war jedoch die unsortierte Defensivabteilung, in der ständig jemand falsch stand oder über den Ball trat. Diesem traditionellen Real-Madrid-Makel konnten auch die als Schwerarbeiter engagierten Sami Khedira und Xabi Alonso nicht entgegenwirken.

Reals Spiel war nicht königlich, es hatte nicht einmal großbürgerliches Format. Es war, abzüglich der individuellen Reize, konventionell und beinahe gestrig. Mourinho verfolgte es teilnahmslos, es gab kein Coaching und keine Unterweisungen, er stand, Hände in den Taschen, unbewegt am Spielfeldrand, als ob es ihn nichts anginge. Immerhin nahm er sich Zeit, mitten im Spiel seinen früheren Schüler Nuri Sahin zu begrüßen, und man konnte ihm auch nicht nachsagen, dass er ein schlechter Verlierer wäre. "Ich habe eine Mannschaft gesehen, die dominiert und deswegen verdient gewonnen hat", sagte er. Er tadelte zwar in den Interviews, dass allen Dortmunder Toren Fehler seiner Spieler vorausgegangen seien, aber er blieb cool und entspannt.

Der portugiesische Trainer war vor drei Jahren in Madrid dazu angetreten, die Champions League zum dritten Mal zu gewinnen. Er hat dem FC Porto und Inter Mailand dieses Glück verschafft, mit Real wird es ihm wohl nur gelingen, wenn beim Rückspiel in Bernabeu etwas Großes geschieht. Zum Saisonende, das wird nicht erst seit Mittwoch in der Branche kolportiert, nimmt er seinen Abschied in Spanien, um zum FC Chelsea zurückzukehren.

© SZ vom 26.04.2013/ebc
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB