Real Madrid: José Mourinho:Mit zweierlei Maß

Nach seinem unglaublichen Pfusch wird Real Madrids Trainer José Mourinho von der Uefa teilweise begnadigt. Dem armen Gladbacher Übeltäter Raúl Bobadilla ist dies nur schwer zu vermitteln.

Carsten Eberts

Raul Bobadilla wird in seinem Leben niemals für Real Madrid spielen. Das liegt nicht nur daran, dass Raúl Bobadilla Profi von Borussia Mönchengladbach und allein deshalb kein über alle Maße herausragender Fußballer ist. Vertraut man der Gerichtsmäßigkeit im europäischen Fußball, hat Bobadilla sich ein schlimmes Vergehen geleistet: Er hat seinem Gegenspieler in den Hintern getreten, im Anschluss noch eine Tür malträtiert. Fünf Spiele muss Bobadilla deswegen aussetzen, so will es der DFB.

Jose Mourinho, Jose Bobadilla

Zweierlei Maß: Raúl Bobadilla (links) und José Mourinho.

(Foto: dpa)

Für Real Madrid hat sich Bobadilla damit gewiss disqualifiziert. So ein Verhalten passt nun mal nicht zum stolzesten aller Klubs. Keine Chance, auch wenn der Argentinier einen wunderbar spanischen Vornamen trägt.

Es ist natürlich nicht so, dass sich Real Madrid noch nie sportwidrig aufgefallen ist. Aber Platz für einen wie Bobadilla? Niemals. Das letzte Vergehen der Madrilenen ist gerade mal zwei Wochen her: Beim 4:0 in der Champions League gegen Ajax Amsterdam wies Trainer José Mourinho seine Spieler Xabi Alonso und Sergio Ramos an, sich wegen Zeitspiels zum zweiten Mal verwarnen und damit vom Platz stellen zu lassen. Mourinhos Plan: Sie sollten ihre Sperren dann im bedeutungslosen Spiel gegen den AJ Auxerre (Mittwoch, 20.45 Uhr) absitzen, um frisch und unbelastet im Achtelfinale zurückzukehren. Er ging wunderbar auf.

Madrids offensichtliches Vergehen wurde natürlich bestraft: Ein Spiel Sperre für Mourinho, 40.000 Euro Geldstrafe für den Trainer, 120.000 für den Klub. Auch die betroffenen Spieler müssen zahlen. Am härtesten jedoch erschien die Bewährungsstrafe für Mourinho, der sich demnach drei weitere Jahre kein solches Vergehen mehr erlauben darf. Keine drakonische Strafe, aber immerhin. Mourinho, so schien es, sollte gezwungen werden, sein Verhalten ein wenig zu ändern.

Diese Aussicht ist jedoch schon wieder passé. Die Uefa hat nun, wie sie es gerne tut, ein bereits verkündetes Strafmaß wieder reduziert. Und hier stellt sich nun wirklich die Frage der Verhältnismäßigkeit: Mourinho darf im bedeutungslosen Spiel gegen den AJ Auxerre zwar weiterhin nicht auf der Bank sitzen, kann sich dafür einen freien Abend mit Chips und Bier zu Hause vor dem Fernseher in Madrid machen. Auch seine Geldstrafe wurde reduziert: Er muss 10.000 Euro weniger zahlen.

Vor allem jedoch: Mourinhos Bewährung fällt weg. Einfach so. Will Mourinho demnächst wieder einen Spieler zu einer zweiten gelben Karte animieren, kann er dies einfach tun, ohne ein schärferes Strafmaß befürchten zu müssen.

Wissentlich geplanter Betrug

Da lohnt sich der Blick zurück zu Raúl Bobadilla: Der Gladbacher zahlt für seinen pubertären Tritt in den Hintern mit anschließender Schimpftirade nicht nur mehr als Mourinho (50.000 Euro, verhängt von seinem Klub), wurde sogar bis Weihnachten suspendiert. Er fehlt Mönchengladbach im existenziellen Abstiegskampf fünf Spiele (verhängt vom DFB), erhält für diese Zeit nicht mal eine Auflaufprämie. Wie der emotionale Bobadilla nach seiner Strafe zurückkehrt, ist noch nicht abzusehen.

Im Gegensatz zu Bobadillas Tölpelei war Mourinhos Vergehen wissentlich geplanter Betrug. Natürlich sind beide Fälle nicht direkt miteinander zu vergleichen, da es sich um die Urteile verschiedener Verbände handelt. Mourinhos Anweisungen widersprechen jedoch allen sportlichen Grundsätzen, er stellte sich dabei sogar so dumm an, dass alle Welt es mitbekam. Bei Bobadilla hingegen setzten kurz - wenn auch heftig - sämtliche Sicherungen aus.

Mourinho bekannte hinterher: "Meine Großmutter hat immer gesagt: Wenn Menschen sauer auf dich sind, solltest du glücklich sein. Daher sehe ich diese Strafe als Auszeichnung an." Ändern werde er, Mourinho, sich ganz sicher nicht.

© sueddeutsche.de/ebc/jüsc
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